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Archiv für das 'Kreuzberg'-tag

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Berlin brutal #5: Höllenstraße in bester Lage

Foto: Anne Grieger

Foto: Anne Grieger

“Ich wohne am Kottbusser Damm. Gegenüber von mir ist ein Puff, und daneben ist ein Kiosk”, schreibt David, Schüler der fünften Klasse, über seine Straße.

“Ich finde es gut, dass neben mir die Pizzeria ist. Und vor meiner Haustür sind gleich auch die U-Bahnstation und auch eine Busstation, das finde ich auch gut. Ich finde es blöd, dass die Drogendealer das zum Versammlungsort gemacht haben. Ich finde es auch schlecht, dass ich niemanden in meinem Haus kenne. Ich muss auch einen Kilometer zur Schule gehen. Am liebsten würde ich umziehen, weil die sich sogar im Treppenhaus Drogen einspritzen. Wenn ich meiner Straße einen Namen geben würde, würde ich sie ‘Höllenstraße’ nennen.”

Im Rahmen des Projektes Kinderstraße – Die Straße, in der ich wohne, beschreiben Kinder ihr Wohnumfeld, ihre Sozialkontakte zu Nachbarn und Freunden. Nicht nur als Soziogramm eines Bezirkes, eines Kiezes oder einer Wohnstraße ist die Webseite aufschlussreich: Auch Wohnungssuchende können sich anhand der Beschreibungen ein besseres Bild machen. Sie werden aufmerksam auf Probleme, die auf den ersten Blick weniger offenkundig sind.

Eine Wohnung in der gleichen Straße wird beim Internetdienst Immobilienscout24 als Wohnung in “bester Lage” angepriesen:

“Die Wohnung liegt in zentraler und belebter Wohnlage im begehrten Wohnbezirk Kreuzberg. Nähe U-Bhf Schönleinstraße, unweit vom Maybachufermarkt. Diverse Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Restaurants, sowie öffentliche Verkehrsmittel befinden sich in der unmittelbaren Umgebung und sind hervorragend zu Fuß erreichbar.”

Ortskundige müssen da einfach schmunzeln..

Silvester: Berlin lässt es krachen

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

Um Mitternacht ist es soweit: An der Anlegestelle vor der O2-Arena setzt der Sicherheitsdienst ein Böllerverbot durch, auf der Warschauer Brücke bleiben die Autos stecken, selbst auf den Dächern der Imbissbuden wird gefeiert. Ein frohes neues Jahr!

Fotostrecke: Berlin bei Nacht

Berlin brutal #3: Eine Nacht bei Weihnachtsbäumen

Weihnachtsbäume am Spreewaldplatz in Berlin-Kreuzberg - Foto: Henning Onken

Auf dem Spreewaldplatz in Kreuzberg stapft die ganze Nacht ein Mann durch einen Tannenwald, einen künstlichen temporären Weihnachtsbaum-Wald, versteht sich. Dieser arme verfrorene Großstadt-Förster soll dafür sorgen, dass der Wald nicht vorzeitig zu einer Lichtung schrumpft, weil sich Passanten im Dunkeln bedienen. Immerhin gäbe das dem Platz seinen Namen zurück, denn Platz für etwas anderes außer Fichten ist hier kaum. Wie steht man das eigentlich durch, eine Nacht lang Weihnachtsbäume zu bewachen? Ich würde mich sehr warm anziehen und als Zeitvertreib die Bäume alle zehn Minuten durchzählen.

Überall in der Stadt sind in den letzten Tagen solche Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen entstanden, viele werden offenbar rund um die Uhr bewacht – sogar mit Hunden. Meistens sind sie allerdings nicht offen zugänglich, sondern kleine mit Bauzäunen abgesperrte Gehege. Irgendwann lädt dort ein Laster Weihnachtsbäume ab, zumeist Ware aus Schleswig-Holstein, dem Sauerland oder dem Tannenbaum-Marktführerland Dänemark. Leider sind ärmeren Hauptstädtern Nordmannstannen für 15 oder 20 Euro zu teuer – sie legen stattdessen im Umland selbst einen Christbaum um.

Bleibt die Frage, ob sich die Weihnachtsbaum-Aufpasser einen Baum leisten können. Vielleicht wollen sie auch keinen, besonders nicht im Wohnzimmer – sonst fangen sie an zu zählen.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Arme Balkonraucher

Nur noch 18 Tage – dann gibt Silke das Rauchen auf. Nicht wegen des Rauchverbots, sondern weil Rauchen “unschicklich” sei. Und ungesund. Die wenigsten ihrer Freunde wissen von ihrer “Schwäche” wie sie sagt. Eine Heimlich-Raucherin, die sich erst auf ihren Kreuzberger Balkon traut, wenn die Sonne untergegangen ist. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ihre Patienten von der Raucherei Wind bekämen, sagt die Ärztin.

Irrational das? Die Ängste einer Frau mittleren Alters, die raucht, wie Millionen anderer Deutscher auch und sich dennoch schämt wie ein junges Mädchen? Vielleicht nicht. Wenn Raucher zunehmend aus der Öffentlichkeit verschwinden und Berlins Boulevardblätter schaurig schöne Geschichten über die letzten Raucherinseln in sozialen Brennpunkten verbreiten - wenig verwunderlich, dass die Gruppe der bekennenden Raucher nicht größer wird.

Dabei fällt das Berliner Rauchverbot vergleichsweise lax aus: In Bars, Kneipen und Kultureinrichtungen, in denen kein Essen serviert wird, darf in abgetrennten Räumen auch weiterhin geraucht werden. Bis Juli 2008 sollen keine Bußgelder verhängt werden – zur Eingewöhnung. Natürlich ist Bayern da weiter. Gestern wurde dort das schärfste Nichtrauchergesetz der Republik durchgesetzt. Richtig so, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Es gehe nicht darum, Rauchern den Spaß zu verderben, sondern um die Gesundheit. Auch Passivraucher seien bereits stark herzinfarktgefährdet.

Nichts Neues? Warum kümmert es dann in Berlin trotzdem nur schräge Hausverwaltungen, die das Verbot zum Anlass nehmen, um ihren Mietern das Rauchen auf dem Balkon zu verbieten?

Tatort-Abend im Graefe-Kiez

Nina S. hat ihren Fernseher verschenkt, aber Tatort muss sein. Tatort-Abend ist sonntags und Gleichgesinnte gibt es in Kreuzberg viele. Im Mathilda in der Graefestraße zum Beispiel.

Mehr als 30 Leute drängen sich in den kleinen fensterlosen Hinterraum der Kneipe, bereits um halb acht ist das Zimmer bis auf den letzten Platz gefüllt. Zuspätkommer haben das Nachsehen. Ob der Krimi noch woanders gezeigt werde, will ein Typ wissen, der keinen Platz mehr ergattert hat. Es wird geraucht, wie in fast allen Kreuzberger Kneipen, für das demonstrative Gehuste erkälteter Passivraucher hat man nur ein müdes Lächeln übrig.

Gelacht wird gemeinsam. Der Tatort – diesmal mit Axel Prahl aus Münster – spielt im Burschenschaftsmilieu, das den meisten Anwesenden wahrscheinlich so fremd ist, wie den Westfalen Wohnungen mit Ofenheizungen.

Tatort-Abende sind längst kein Berliner Phänomen mehr, auch in anderen Städten versuchen Wirte, an den Erfolg der Public Viewing Areas der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr anzuknüpfen. Könnte gelingen, da der “neue Tatort” auch Überschneidungen mit anderen Formaten aufweist und durchaus komische Elemente beinhaltet.

Wenn Gerichtsmediziner Boerner mit einem Totenschädel herumspielt und dazu noch Hamlet-like über “Sein oder Nichtsein” philosophiert, amüsieren sich auch Englischlehrer prächtig, die eigentlich erst zur Sendung von Anne Will einschalten wollten.

Vielleicht auch bald in Gesellschaft, und nicht bloß vor dem heimischen Fernseher…

Das Revival des Erdgeschosses

Erdgeschosswohnungen werden zunehmend beliebter – dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man abends durch Kreuzberg läuft. Wo bis vor kurzem Rollläden herunter gelassen waren, hängen nun Vorhänge in den Fenstern. Im Gräfekiez kann man Leuten direkt ins Wohnzimmer blicken. “Ganz schön exhibitionistisch veranlagt, die da drüben”, meinte ein Freund und schmunzelte über ein Zimmer mit vielen Bücherregalen. “Jetzt weiß alle Welt, wie belesen sie sind.”

In der Ratiborstraße hat eine Familie in einem Hinterhof direkt vor ihrem Fenster eine Art Mini-Garten angelegt, Sandkiste inklusive. Vielleicht sind die Mietpreise in Kreuzberg derart explodiert, dass das Erdgeschoss mit einem Mal zur einzig bezahlbaren Alternative wird? Besser in Kreuzberg auf der Präsentierfläche, als in einer Neuköllner Dachgeschosswohnung?

Dem Berliner Mieterverein liegen bislang keine Erkenntnisse über ein Umdenken vor. “Ich wohne im Parterre und liebe es”, sagte eine Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung. “Aber das scheint mir eine Frage persönlicher Präferenzen zu sein.” Es gebe ja auch Berliner, die nie freiwillig in den vierten Stock ziehen würden.

Auf ein Leben im Erdgeschoss, im Schaufenster, hätte ich dennoch keine Lust. Erinnert zwar an Holland, aber Bierflaschen auf dem Fenstersims – nee, bedankt.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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