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Monatsarchiv für Juli 2007

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Parkmusik

Im letzten Jahr stand an fast allen Sommerabenden ein Eiswagen auf der Hobrechtbrücke, die über den Landwehrkanal führt und Kreuzberg und Neukölln verbindet. Doch statt Eiswaffeln reichte der Besitzer des Fahrzeugs viele Flaschen Bier und Bionade durch das kleine Fenster. Klappstühle wurden ausgepackt, Windlichter auf das Brückengeländer gestellt. Die Brücke verwandelte sich in einen Mini-Biergarten.

Den “Eiswagen” gibt es nicht mehr, der Besitzer hat Ärger mit dem Ordnungsamt bekommen und musste aufgeben. Auf der Neuköllner Seite, am Maybachufer, versucht nun ein Restaurant an den Erfolg des mobilen Spirituosenhändlers anzuknüpfen und lockt rund um die Uhr mit Happy-Hour-Preisen. Vergeblich.

Die spontane Szene hat sich längst zwei Brücken weiter verlagert. Schon im vergangenen Sommer war die Admiralbrücke in Kreuzberg beliebt – in diesem Jahr scheint sie jedoch der Treffpunkt schlechthin zu sein für Studis, junge Familien. Nicht zu vergessen die Baumschützer, die sich dort jeden Abend um 18 Uhr treffen, um ihre Protest-Aktionen gegen die Abholzung weiterer Bäume am Kanal zu organisieren.

Heute gab es auf einer Wiese vor der Brücke Livemusik: “Wir machen Parkmusik und die Windel ist voll, wir machen Parkmusik, dem Mädchen da, schmeckt das Eis ganz toll”… Eine internationale Gruppe improvisierte wie wild, drückte Kindern Rasseln und Trommeln in die Hand und animierte die Zuhörer zum Mitsingen. Erst etwas verunsichert, dann aber immer stärker dem Beat der Musik folgend, rockte Kreuzberg wieder mal ausgelassen.

Don’t hold your breath

It’s a Sunday evening at the beginning of an abnormally rainy July and I’m standing in a room filled with what can only be described as various shades of ‘Indie Rock fans’. The atmosphere is electric as the sound check is completed and through a cloud of smoke, emerges my favourite band ever, ‘Kings of Leon’.

You could be forgiven for thinking that this is a concert review and as much as I’d love to convert you all into ‘Kings of Leon’ fans, it’s the cloud of smoke that I’d like to discuss just now.
Not artificial smoke, mind you: We’re talking here about carcinogenic-filled second hand cigarette smoke from the ‘cancer sticks’ hanging out of the corners of the Indie kids mouths as they chant along to the (fantastic) music.

The most noticeable thing is that, as a non-smoker, I appear to be the MINORITY. This seems not only unbelievable but also grossly unfair, particularly since my fellow KoL fans in England will be enjoying the gig in Bournemouth, smoke-free.

On 1st July 2007, England followed most of the rest of Great Britain and made smoking in enclosed public places illegal. Smokers face a fine of 50GBP (74 Euro) if they light up in their local pub and business owners could be forced to pay out a maximum of 2500GBP (3691 Euro) for failing to prevent smoking in a smoke free place. Great news for non-smokers living in the UK but what about us lot in Germany?

In May, German politicians approved a ban on smoking in government buildings and on public transport that will take effect from 1st September of this year (though smoking is already apparently banned on regional trains).

In Berlin, smoking in a non-smoking area could lead to a 100 euro fine with pub-owners liable for up to 1000 euro, though in practice, many landlords say this is unenforceable and indeed it probably is if Sunday is anything to go by! Better to pay the fine than to stand up to a room full of angry smokers and lose business in doing so!

All in all, it’s a losing game for us clean-air breathers in Germany. Will the government forgo the 17 billion euro it generates through tobacco tax each year in order to improve the health of its’ citizens? Don’t hold your breath…

Photo: Stefano Mortellaro

—Deutsche Übersetzung— ‘Don’t hold your breath’ weiterlesen

Heroische Baumfällaktion

Den nachrichtlichen Wert dieses Beitrags zuerst: Es sind wieder Bäume gefallen, am Landwehrkanal, diesmal 22. 22 gefällte Bäume, rund 150 Polizeibeamte und etwa zwanzig protestierende Anwohner, so die vorläufige Bilanz der heutigen Aktion am Landwehrkanal zwischen Reichpietschufer und Hobrecht-Brücke.

Es gießt in Strömen, trotzdem haben sich auf der Brücke an der Brachvogelstraße etwa acht Anwohner versammelt, die fassungslos auf die beiden im Wasser treibenden Baumstämme blicken. Gleich gegenüber von der Stelle, an der sich Mo, die wilde Camperin niedergelassen hat, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt heute morgen zuerst die Sägen angesetzt. Das Polizeiaufgebot ist recht überschaubar, lediglich ein Mannschaftswagen mit beschlagenen Fensterscheiben steht vor der Brücke. “Kommt doch noch mit zur Hobrecht-Brücke”, ermuntert eine der Anwohnerinnen ihre Mitstreiter. Dort sollen ebenfalls Bäume gefallen sein. Die kleine Gruppe besteigt ein Taxi, zwei Männer schnappen sich ihre Fahrräder und radeln kanalabwärts Richtung Neukölln.

Mittagszeit am Maybachufer, es regnet nicht mehr. Die Polizisten langweilen sich. Acht Wannen bei zwanzig Protestierenden – die Beamten “machen Mittag”. Ein Kantinen-Mitarbeiter verteilt Erbsensuppe, ein lauer Morgen für die sonst gestresste Berliner Polizei. Eine Kita-Gruppe mit Bollerkarre freut sich über das Polizeiboot Charlottenburg, das die Aktion vom Wasser her absichert. “Hallo Bootsfahrer”, ruft ein kleines Mädchen immer wieder und kann sich nicht einkriegen. Der Kapitän winkt gerührt zurück.

Für die Presse scheint der Besuch ebenfalls weniger ergiebig. Der RBB ist mit einem Ü-Wagen vor Ort, die Abendschau hat ein Filmteam geschickt. Schwer, die zwanzig Anwohner so zu filmen, als seien es 200. Dass es wichtig ist, immer wieder über die Anwohner-Initiative zu berichten, daran besteht kein Zweifel. Um die gefällten Bäume scheint sich außer den Männern vom Wasser- und Schifffahrtsamt zu dem Zeitpunkt jedoch niemand mehr zu scheren. Sie zersägen die Baumstämme, um sie dann später per Boot abzutransportieren.

Der Landwehrkanal in Zahlen

Lindas Ex: Der Stalker vom Boxi

Lindas Ex - Foto: Henning OnkenDies ist die Geschichte einer tragischen Liebe, jedenfalls dachte ich das, als ich anfing, diesen Text zu schreiben. Jemand klebt Nacht für Nacht den Friedrichshainer Kiez zwischen Boxhagener Platz und Ostbahnhof mit selbstgezeichneten Plakaten zu: Die Motive ändern sich, die Botschaft bleibt gleich: “Linda, komm zurück – Scheiß Winter ohne Linda, Linda hat gesagt, ich sei erbärmlich.” Trennungsschmerz im Linda-Mantra bis zur Besinnungslosigkeit. Inzwischen sind drei Jahre vergangen und noch immer finden sich Überreste dieser besessen gekleisterten Kunst an Hauswänden.

Wer ist Lindas Ex? – ist er endlich glücklich mit jemand anders geworden oder hat sie ihn erhört? Ist er nach Indien gefahren und hat in einem Ashram ein Glück gefunden, das nicht von dieser Welt ist?

Google weiß es besser. Lindas Ex ist Roland Brückner, ein in Berlin lebender Künstler aus Lindau – deshalb der Name Linda, die es niemals gab, wie er schreibt. Das Projekt Lindas Ex hat er aufgegeben, eine Kunsthochschule besucht und ist mit der Ausstellung “Tracing Linda” im Museum für Kommunikation gelandet. Inzwischen zeichnet er Cover für die zitty und hat das Bloggen für sich entdeckt.

Ob öffentlicher Phantomschmerz oder tief empfundenes Leid: Roland Brückners Kampf um seine Linda ist so etwas wie eine urbane Legende des Friedrichshainer Südkiezes geworden.

Weitere Bilder von Lindas Ex

Treptow und die Hunde

Originelle Erziehungsmaßnahmen hin oder her – ich wollte nichts mehr über Hunde und ihre Hinterlassenschaften schreiben, weil das Thema in Berlin nicht gerade Neuigkeitswert besitzt. Von Moabit über Mitte und Friedrichshain bis nach Neukölln – überall setzen sich Anwohnerinitiativen und das Quartiersmanagement für saubere Straßen ein.

“Wenn du der Hundekacke den Kampf ansagst, hättest du in der Friedrichshainer CDU gute Chancen auf einem vorderen Listenplatz”, meinte ein Freund, der sich mit der Situation in seinem Stadtteil arrangiert hat. Toleranz gegenüber Hundehaltern sei insofern wichtig, als sie Verbündete seien: Die Mieten blieben billig in Kiezen, in denen Hundehaufen auf der Straße liegen bleiben. “Die oberen Zehntausend ziehen nicht dorthin.”

However. Anders in der Lohmühlenstraße in Treptow: Die Botschaft der Anwohner ist klar – von wem genau die Initiative mit den Hundemist-Beuteln am Zaun jedoch ausgeht, allerdings weniger. Nirgends ein Bekennerschreiben.

Es kämen jedenfalls diese

oder diese Anwohner in Frage…

Beiden wäre es zuzutrauen. Vielleicht rückt die Nachbarschaft auch enger zusammen – vereint durch ein gemeinsames Projekt.

Die Verwandlung

Görlitzer Park

Grillende Großfamilien, rücksichtslose Kicker, wilde Mountainbiker – Berlins Parkbesucher sind oft von ihren Mitbürgern genervt. So auch gestern ein Pärchen im Görlitzer Park, als ein ferngesteuerter Monster-Truck fies surrend auf sie zu preschte. Im Original sind das Geländefahrzeuge, die in US-Baseballstadien vor johlender Menge mit ihren riesigen Rädern auf andere Autos springen und sie zerquetschen.

Stolz drehte das Ding Kreise um sein Herrchen, das mit Fernbedienung inmitten einer Gruppe junger Männer in Feierabendlaune stand. “Das sind Kinder, die nie erwachsen werden“, schimpfte die Frau, die auch nicht gerade erwachsen an ihrer Bionade nuckelte. In dem Ton ging es weiter: “Typisch Kreuzberger Türken, die von Macker-Autos träumen. Große Jungs, die wahrscheinlich noch bei Mama wohnen.”

Ich dachte daran, dass ich selbst mal ein ferngesteuertes Auto besessen habe und schaute in den schönen Abendhimmel über dem Görlitzer Park. Überhaupt würde diesem kleinen Stinker bald das Benzin ausgehen, kein Grund zur Aufregung also. Dennoch beschäftigte mich das nervige Vehikel noch eine Weile. Im Traum raste es auf mich zu, der junge Fahrzeughalter lachte hämisch. Schließlich packte ich das Ding bei einem seiner Annäherungsversuche und drehte es einfach auf den Rücken. Und aus dem Monster-Truck wurde ein Käfer, der hilflos zappelte.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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