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Archiv für das 'Wohnen'-tag

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Picknick auf dem Dach

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Der Tür zum Dachboden fehlt die Klinke, doch mit einem Löffel lässt sie sich ohne weiteres öffnen. Es wäre einfach, mit einer Flasche Wein durch eine Dachluke ins Freie zu steigen und die Straße zu beobachten. Aber die Idee kommt mir erst nach sechs Jahren Berlin. Aus Ärger über zugemüllte Parks.

Berliner Dächer sind toll. Firste sind viel breiter, als man als ängstlicher Mensch vermuten würde und dort, wo es bislang nur wenige Dachgeschosswohnungen gibt, sind sogar kleine Spaziergänge möglich. Und diese Ruhe. Kaum ein Nachbar, der sich sechs Stockwerke hochschleppen und an einer verschlossenen Tür rütteln würde.

Bleibt zu hoffen, dass sich Berliner Hausbesitzer vorerst keine Gedanken über Solarzellen machen und sich mit dem Ausbau von Dachgeschossen Zeit lassen.

Abbildung: Wikipedia

Dem Wohnungsmarkt entkommen, dem Winter nicht

Foto: Henning Onken

Wenn die S-Bahn im Minutentakt über ihre Köpfe rattert, ziehen sie den Schlafsack hoch. Passanten sehen dann nur noch ein Bündel aus Decken – und ein offenes “Wohnzimmer” mit Blick auf den verschneiten Tiergarten. “Die Zwei vom S-Bahnbogen 491″ nennt die B.Z. die beiden Männer aus Polen, die sich häuslich unter der Brücke eingerichtet haben. An der Wand eine Europa-Karte, Zeitungsausschnitte und eine Weihnachtskarte. Statt eines Schranks fasst ein Einkaufswagen die wichtigsten Habseligkeiten. “Rührende Reste von Bürgerlichkeit” nennt das die Zeitung. Während tausende andere Berliner über überhöhte Heizkostenabrechnungen klagen, pusten diese Männer in ihre Schlafsäcke.

Wer will mit ihnen tauschen? Mo, die Dauercamperin vom Landwehrkanal vielleicht,  der Zelter vom Volkspark Friedrichshain oder mein unbekannter Nachbar hinter der offenen Dachbodentür.

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Die Wagenburgler der Lohmühle in Treptow lässt der Wohnungmarkt kalt, aber warm haben sie es trotzdem. An der Wand steht Brennholz für den Ofen, ein Allesbrenner, der den kleinen Wagen ruckzuck aufwärmt. Hier passt mehr rein, als man denkt – meist haben die Bewohner den Raum geschickt eingerichtet. Unter dem Wagen deutet ein Surfbrett an, wohin es den Bewohner im Sommer verschlägt. An den Müggelsee vielleicht, wenn richtig Wind weht. Wer wollte mit ihm tauschen?

Festgefrorenes Hausboot am Tiergartenufer - Foto: Henning Onken

Am Tiergartenufer sind die Hausboote festgefroren, hilflos im Eis gefangen und verlassen. Doch irgendwo zeigt ein Licht an, dass hier jemand auf den Sommer wartet.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Townhouse-Einblicke: Wenn Eigentümer bloggen

Es wurde viel darüber spekuliert, wer in die neuen Townhouses in Mitte und Friedrichshain einziehen würde – in jene mehrgeschossigen Reihenhäuser mit Vorstadt-Charme und meist kleiner Grundfläche. Könnten Gardinen und Wandfarben Aufschluss geben über den Geschmack der Besitzer, Autos in den Vorgärten?

Interessant ist in dem Zusammenhang das Weblog Townhouse Chronicles, das zwei künftige Bewohner führen. Auch wenn bislang nur die Bodenplatte ihres Neubaus liegt, machen sich Dangerfunker und Biggi seit einem guten halben Jahr Gedanken über neue Nachbarn, Inneneinrichtung und eben auch Wandfarben. A bissl exhibitionistisch? Und wenn schon…

Mietprotest in Kreuzberg: Paradise lost?

Klar, dass die Demonstration gegen steigende Mietpreise in Kreuzberg stattfinden wird. Im Protestbezirk. Während Leute in anderen Teilen der Stadt am Samstag Nachmittag ihre teuren Wohnungen genießen, treibt es die Kreuzberger auf die Straße: Wer weiß, wie lange sie ihre Miete dort noch bezahlen können, in welcher Beton-Wüste sie als nächstes hausen müssen. Die Zitty berichtet, besonders unter den kleineren Gewerbetreibenden herrsche Endzeitstimmung seit Investoren auf einen Aufschwung im Stadtteil setzen. Neue Mieten liegen deutlich über dem bisherigen Niveau, viele Bewohner des früheren SO 36 geben nach einer Studie von TOPOS fast ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus.

Bei aller Sympathie für die Demo: Ich glaube kaum, dass der Unterstützerkreis weit über Kreuzberg hinaus reichen wird. Exil-Kreuzberger, die längst wegen einer bezahlbaren Wohnung auf andere Bezirke ausweichen mussten, sind träge. Sie werden wohl etwas anderes vorhaben. Der neue Kiez wird nach einiger Zeit spannender, der Ärger über die Vertreibung wird von der Ahnung überschattet, mehr von der Stadt kennen gelernt zu haben. Vielleicht ist die Demo ja aber auch nur eine Generalprobe für den richtig großen Protestmarsch von Neukölln über Kreuzberg nach Friedrichshain…

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Rebellion gegen Berlins Bionade-Biedermeier

An jeder Ecke Berlins tut sich bei näherem Hinsehen irgendein sozialer Konflikt auf. Meistens unter der Oberfläche, hin und wieder auch offen – aber zumindest wirft kaum jemand “Mollis und Steine” oder errichtet Barrikaden. Besonders in Friedrichshain lässt sich heute eine mildere Form des Straßenkampfes beobachten: Mit Farbe gefüllte Glühbirnen, Christbaumkugeln oder Wasserbomben werden über Nacht an frisch renovierte Fassaden geworfen und hinterlassen bunt gescheckte Wände.

Anwohner kennen dieses Bild und gehen desinteressiert weiter, doch Bewohner aus den Westbezirken und Berlin-Besucher bleiben erstaunt stehen. Was geht hier vor, wer wirft diese Farbbomben? Ich habe oft entgegnet, das sei als eine Art Angriff auf Schönheit zu werten. Es heißt soviel wie: “Wir haben keinen Bock auf Eure Französischen Fenster, Eure Parkettböden, Eure einfarbigen Oberflächen. Stuck ist Schnickschnack und treibt die Mieten in die Höhe.” So erhält jedes frisch sanierte Haus im Kiez eine Art “Willkommensgruß”.

Studenten nicken auf diese Antwort meistens abgeklärt, doch ein Pärchen auf Wohnungssuche reagierte neulich sehr reserviert. In ein solches Umfeld wollten sie nicht ziehen, das war klar. Ich möchte allerdings nicht unerwähnt lassen, dass es auch andere Erklärungen gibt: Einem Berliner Immobilien-Makler zufolge zielen die Farbeier-Werfer nicht auf Wände, sondern auf die Fenster jener Mieter, die wegen Lärmbelästigung die Polizei alarmieren.

Übrigens sind auch Politiker nicht vor solchen Angriffen gefeit: Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky wurde vor kurzem Opfer eines “Kommandos Otto Suhr”. Er sah sich gezwungen,  bis um vier Uhr morgens Farbe von den Wänden seines Privathauses abzuwaschen.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Gar nicht sexy: Ausziehen für eine neue Wohnung

Die großen Datensammler in dieser Stadt sind die Hausverwaltungen. Wir haben eine Wohnung gesucht, wochenlang. Wie oft wir die gesammelten Bewerbungsunterlagen eingereicht haben, habe ich nicht mitgezählt -  mindestens 20 Leute, Vormieter und Makler inklusive, wissen aber, wie hoch unsere Einkommen sind, ob ein Schufa-Eintrag vorliegt, wie teuer die vorherige Wohnung war, ob Instrumente gespielt werden.

Ohne dieses irrsinnige Verfahren geht es nicht. Bei bis zu 25 Mitbewerbern kann man nicht davon ausgehen, dass Hausverwalter mit sich reden lassen. Sicher, sie sind vorsichtig – Mietschulden eintreiben zu müssen, ist lästig. Wer nichts zu verbergen hat, wird sich schon nicht anstellen. “Wir wollen keinen Stress mit unseren Mietern”, meinte unser Makler und bemerkte ganz beiläufig, dass man sonst gezwungen sei, “Maßnahmen zu ergreifen”. Wer “man” ist, wissen wir nicht – der Name des Besitzers tauchte im Mietvertrag nicht auf. Außer dass es “eine Privatperson” sei, ließen sich weder Makler noch Hausverwaltung etwas entlocken.

Die Nachmietersuche ist nicht weniger unappetitlich, man wird sogar noch gezwungen, das Spiel mitzuspielen. Ohne Schufa-Auskunft werde kein Nachmieter akzeptiert, heißt es. Was macht man aber mit einem Bewerber aus dem Ausland, der bislang keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, geschweige denn ein Konto? “Wenn im Reisepass keine Adresse steht, braucht man von Einwohnermeldeamt ein Dokument aus dem hervorgeht, dass man keinen festen Wohnsitz hat”, sagt eine Schufa-Mitarbeiterin. Erst dann könne eine Auskunft erteilt werden. Alles klar. Bis alle Dokumente vorliegen, können Tage vergehen. Ein anderer Bewerber schickt alle erforderlichen Unterlagen am gleichen Abend per E-Mail, darunter ungeschwärzte Kontoauszüge, die Auskunft über jeden kleinen Einkauf geben. Interessiert mich nicht, aber was geht es den künfigen Vermieter an, ob jemand tatsächlich noch einen Fuß in eine Lidl-Filiale setzt?

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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