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Archiv für das 'Wohnen'-tag

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Neukölln ist ok. Aber kann man dort hinziehen?

Ich weiß nicht, zu welchem Schluss der Leser gekommen ist, der zufällig über die Google-Schlagwortsuche  “Kann man da hinziehen Neukölln” auf diesem Weblog gelandet ist und über 20 Seiten aufgerufen hat. Aber um es kurz zu machen – man kann in einigen Ecken ganz gut wohnen.

Vor zwei drei Jahren hätten die meisten wahrscheinlich noch vehement widersprochen. Neukölln galt für viele als Verlegenheitslösung, die in Kreuzberg keine Wohnung finden konnten. Mittlerweile gibt es aber – sehr zur Freude der Immobilienmakler – einen regelrechten Kreuzkölln-Hype. Es scheint aufwärts zu gehen mit dem Neuköllner Norden, was man vom Rest des Bezirks nicht gerade behaupten kann.

So überrascht es nicht, dass die ersten Gentrifizierungs-Skeptiker orakeln, die schleichende “Yuppiesierung” des Reuterkiezes stehe kurz bevor. Das Interessante dabei: Verantwortlich dafür machen die selbsternannten Sprecher des prekären Neuköllns “Latte Macchiato schlürfende Designerinnen aus der Schlesischen Straße in Kreuzberg.” Die schielten bereits nach Nord-Neukölln, um dort Boutiquen zu eröffnen.

Bei aller Paranoia: Akademiker-Familien mit Schulkindern werden so schnell nicht nach Neukölln ziehen. Zu desolat klingen die Meldungen über die Zustände an Neuköllner Schulen und über abgehängte Schüler, die kaum etwas zu erwarten haben. Aber vielleicht entwickelt sich der Nord-Neukölln ja zu einer neuen Hochburg für Singles mit hohen Ansprüchen, die lieber auf 80 Quadratmetern wohnen als zum gleichen Preis in Prenzlauer Berg auf 60 Quadratmetern. Nette Kneipen gibt es ja inzwischen genug und Leute, die sich mit dem Kiez identifizieren auch.

Foto: chaosinjune

Schmuddelmeyer versus Blockwart2.0.

“Drogendealer, Nazischweine, autonome Randalierer” – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wie Nachbarn angeblich ticken, kann man nun auch in Berlin über das US-Webseite rottenneighbor.com erfahren. Ein Denunziationsportal wie die Taz zurecht bemerkt, auf dem jeder anklagen kann, wen er hasst. Oder gar nicht kennt. Der Eintrag “Hier wohnt laut Antifa ein Nazischwein” findet sich gleich zwei Mal für Berlin.

In Reinickendorf wohnt jemand Tür an Tür mit “Schmuddelmietern”: “…schlafen lange, laute Punkmusik, saufen, kotzen vom Balkon, putzen nicht, grillen tote Igel aufm Grill, der ihnen nicht gehört … ekelhaft. Aber gepflegter Tiefgaragenstellplatz, na toll!”

Ein enttäuschter Neuköllner, der vermutlich auf einen Ausbildungsplatz in einer KfZ-Werkstatt spekuliert hatte, nennt Vor- und Zunahmen eines Werkstattbetreibers, der Praktikanten ausbeuten und falsche Versprechungen machen soll. Anonym, versteht sich, wie die meisten Postings im Internet. Noch sind in Berlin keine Sexualstraftäter gemeldet worden, doch eine entsprechende Kategorie ist vorhanden.

Bleibt abzuwarten, ob die Website hier früher oder später verboten wird. Der Wust an Informationen, der ungefiltert für jeden abrufbar ist, birgt einigen Sprengstoff. Wenn der Betreiber des Portals den Stadtplan bald auch noch auf die neue Google Street View umstellen sollten, könnte man sich vielleicht sogar selbst davon überzeugen, wie die vermeintlich “assigen Nachbarn” herumlaufen. Google hat zwar angekündigt, Gesichter von Personen auf den fotografierten Straßen unkenntlich zu machen, aber Kleidungsstile – und damit bestimmte Tendenzen – dürften erkennbar sein.

Berlin von oben: Nie mehr auf dem Dach tanzen!

Berlin von oben - Foto: Christian Hetey

Ein Sonnenuntergang auf dem Dach ist wie eine kleine Flucht aus dem Ghetto: Endlich öffnet sich der Himmel, der sich sonst in den Häuserfluchten der Innenstadt nur einen Spalt weit zeigt. Und meistens bleibt man dort unter sich – kein stressiger Verkehr, keine Touristenhorden. Party auf dem Dach, Picknick mit Freunden, eine Runde Schach oder in Ruhe ein Buch lesen – alles ist möglich. Ja, manche schlafen sogar dort droben. Es ist sozusagen Urlaub light.

Leider lässt sich in Berlin immer seltener durch Luken steigen und von Dach zu Dach balancieren. Es hat nicht immer etwas mit Sicherheit zu tun, wenn die Tür zum Dachboden verschlossen ist. In Altbaukiezen ist meistens der Ausbau von Dachgeschosswohnungen dafür verantwortlich. Wo früher Mieter ihre Wäsche aufhängten oder Gerümpel abstellten, ist jetzt der teuerste Wohnraum des Hauses. Das ist schade, oder? Schließlich ist “summer in the city – meet me at the rooftop“.

Foto: Christian Hetey

Berlins neue Dörfer und ihre Feinde

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Nein, diese Fotos zeigen nicht die Neubausiedlung eines verschlafenen Bonner Vororts, das ist Berlin, die Metropole. Auf dem Gelände des alten Schlachthofes, an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, schießen seit einigen Monaten sogenannte “Townhouses” aus dem Boden, “Stadthäuser”, wie es hier auf dem Schild ein wenig missverständlich heißt. Das “Reihenhaus” gehört der Vergangenheit an, mit seinen Scheibengardinen und Terracotta-Sonnen im Blumenbeet. Von wegen Vorort-Charme – die Häuser verfügen vielfach über Dachterrassen und der Kiez liegt nur ein paar hundert Meter weit entfernt.

Wer müde geworden ist, ständig mit den Nachbarn um einen Kinderwagen-Abstellplatz im Treppenhaus zu feilschen, freut sich, hier eine Parzelle in Handtuchbreite zu ergattern. Die Infrastruktur scheint für Kinder ideal, auch Hunde bekommen Gesellschaft: Viele der Punks aus dem Samariterkiez halten ebenfalls Hunde. Das Ganze als eine Win-Win-Situation zu sehen, wäre sicher falsch, denn diese Bauvorhaben haben viele Gegner. In der “schönen neuen Townhouse-Welt” wittern sie wie Bild.de eine Abgrenzung der bürgerlichen Mittelschicht – und zwar mit Schlagbaum abgeriegelte Straßen. Durch Farbbeutel-Attacken werden die neuen Fassaden zwar fleckig, doch wird man sich in Berlin an dieses Bild gewöhnen müssen. Auch auf der Halbinsel Stralau, in Mitte hinter dem Auswärtigen Amt und in Prenzlauer Berg sind ähnliche Wohnanlagen entstanden.

Fotostrecke: Architektur in Berlin

Kastanienallee – Allee der Dixi-Klos?

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In Bahnunterführungen halten wahrscheinlich viele unterbewusst die Luft an. Es könnte ja stinken. Die Bewohner dieses Hauses in der Kastanienallee kennen das wohl nur allzu gut. Auf der Feiermeile in Prenzlauer Berg werden Hauseingänge gern als öffentliche Toilette missbraucht. Ich bin gespannt, ob im Zuge des geplanten Straßenumbaus Toiletten-Häuser aufgestellt werden. Die würden zwar das Straßenbild verschandeln, den Bewohner aber vielleicht ein Stück Lebensqualität zurückgeben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Wir Zugezogenen

Blick in die Falckensteinstraße in Berlin-Kreuzberg - Foto: Henning Onken

Dieser Beitrag ist längst überfällig. Immer wieder erreichen uns Leser-Kommentare über die vermeintliche Lächerlichkeit der Zugezogenen und ich möchte gerne darauf antworten. Ich freue mich, dass es noch “richtige” Berliner in dieser Stadt gibt, die dieses Weblog lesen, denn wie die meisten Zugezogenen kenne ich nur wenige gebürtige Berliner.

Gute Freunde kommen aus Köln, Kassel, Aurich, Magdeburg oder Kattowitz in Polen. Oder eben aus Oldenburg, Tübingen, oder Bacharach. Wenn man diese Orte auf einer Landkarte einzeichnet, ein guter Querschnitt der Bundesrepublik. Vielfältig ist daher auch das Brauchtum, das diese Leute mitbringen. Kaum ein Treffen also, auf dem es nicht rheinischen Sauerbraten, Kohl mit Pinkel oder Käsespätzle gäbe. Oder Omas Apfelkuchen.

Wir Zugezogenen fühlen uns trotzdem als Berliner, schließlich war es unsere Wahl, hierher zu kommen und wir sind nicht von Geburt aus dazu verdammt worden, in einem bestimmten Kiez zu leben. Wir ziehen gern um, weil wir neugierig sind auf die Stadt, die so viel zu bieten hat. Wie viele meiner zugezogenen Freunde lebe ich mittlerweile im dritten Berliner Bezirk. Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain – we have seen it all. Selbst in Tempelhof hat eine Freundin zur Zwischenmiete gewohnt – eine Mobilität, die man den meisten Ur-Berlinern wohl weniger zutrauen würde.

Dem Kleinstadtmief entkommen mit seiner Nachkriegsarchitektur, kämen wir nie auf die Idee, uns in einen 50er-Jahre-Bau im Westteil der Stadt einzumieten. Auch die Vorzüge von Ost-Plattenbauten leuchten uns nicht ein. Zugige Altbau-Fenster nehmen wir gern in Kauf, wenn die Deckenhöhe stimmt und die Nachbarn lässig sind.

Wir Zugezogenen kaufen unser Brot im Bioladen und haben noch keine Friedrichshainer Metzgerei von innen gesehen. Mit Schmalzstullen kann man uns jagen, statt Berliner Pilsner trinken wir Tannenzäpfle oder Beck’s. Wenn die Eltern anreisen, oder Freunde, die noch immer in ihrem Geburtsort leben, drehen wir richtig auf. Wir führen sie an Orte fernab der Touristenmeilen. An Orte, die sie schockieren müssen – wie das Kottbusser Tor oder fahren mit ihnen nach Marzahn, wo Plattenbauten “rückgebaut” werden.

Laue Frühlingsabende wie diesen lassen wir meist in einem Kreuzberger Straßencafé ausklingen. Entspannt natürlich, denn für den Tatort am Sonntag müssen wir wieder fit sein…

Foto: Henning Onken

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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