Wenn die S-Bahn im Minutentakt über ihre Köpfe rattert, ziehen sie den Schlafsack hoch. Passanten sehen dann nur noch ein Bündel aus Decken – und ein offenes “Wohnzimmer” mit Blick auf den verschneiten Tiergarten. “Die Zwei vom S-Bahnbogen 491″ nennt die B.Z. die beiden Männer aus Polen, die sich häuslich unter der Brücke eingerichtet haben. An der Wand eine Europa-Karte, Zeitungsausschnitte und eine Weihnachtskarte. Statt eines Schranks fasst ein Einkaufswagen die wichtigsten Habseligkeiten. “Rührende Reste von Bürgerlichkeit” nennt das die Zeitung. Während tausende andere Berliner über überhöhte Heizkostenabrechnungen klagen, pusten diese Männer in ihre Schlafsäcke.
Wer will mit ihnen tauschen? Mo, die Dauercamperin vom Landwehrkanal vielleicht, der Zelter vom Volkspark Friedrichshain oder mein unbekannter Nachbar hinter der offenen Dachbodentür.
Die Wagenburgler der Lohmühle in Treptow lässt der Wohnungmarkt kalt, aber warm haben sie es trotzdem. An der Wand steht Brennholz für den Ofen, ein Allesbrenner, der den kleinen Wagen ruckzuck aufwärmt. Hier passt mehr rein, als man denkt – meist haben die Bewohner den Raum geschickt eingerichtet. Unter dem Wagen deutet ein Surfbrett an, wohin es den Bewohner im Sommer verschlägt. An den Müggelsee vielleicht, wenn richtig Wind weht. Wer wollte mit ihm tauschen?
Am Tiergartenufer sind die Hausboote festgefroren, hilflos im Eis gefangen und verlassen. Doch irgendwo zeigt ein Licht an, dass hier jemand auf den Sommer wartet.
Fotostrecke: Berliner Seitenblicke












Ich beobachte, dass heute, also am dritten Tag noch kein Kommentar zu diesem Artikel eingegangen ist, und denke, es ist gut so. Denn angesichts manches Elends werde ich auch sprachlos…
Die
um die es hier geht, können sich schlichtweg nicht dazu äußern.
Die
die es könnten lassen es einfach.
Ich schließe mich den Vorrednern nahtlos an. Es gab mal Zeiten, da hatten die Öffentlich Rechtlichen noch Niveau. Man dachte, die Privaten könne man an Niveaulosigkeit nicht mehr überbieten. Das ZDF überzeugt uns jetzt vom Gegenteil… Schamlos, sich auch noch am Elend der Obdachlosen zu weiden. Jeder Obdachlose hat trotz seines Schicksals mehr Ehre im Leib als diese Meinungsmanipulatoren und Rufmörder von Presse, Funk und Fernsehen.