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Wer pennt freiwillig im Treppenhaus?

Das Husten im dunklen Treppenhaus klingt kehlig, ungesund. Morgens um halb sieben bin ich zu müde, um mich zu wundern – denke nur an den Briefkasten im Erdgeschoss. Ein Stockwerk tiefer dann ein notdürftig errichtetes Nachtlager: Im Licht der Energiesparlampe schimmert ein  Bettlaken, das den halben Treppenabsatz bedeckt, darauf liegt eine Person.

Die verwirrte Nachbarin vielleicht, die gerne sieben achtmal hintereinander ihre Wohnungstür zuschlägt und einem Obszönitäten hinterherruft?  “Ich will Sie niemals wiedersehen, sonst…” Zur Hölle mit Ihnen, Sie…” Ich nehme drei Stufen auf einmal, kann mir angenehmeres vorstellen, als diese Dame aus dem Schlaf zu reißen.

Auf dem Treppenabsatz campieren zu müssen, das wünscht man niemanden. Die Nacht zu Dienstag war die kälteste seit drei Jahren in Berlin, mit Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad.  Auch wenn die BVG die U-Bahnhöfe Frankfurter Tor, Hansaplatz und Südstern für Obdachlose nachts geöffnet lässt – zugigere  Schlafangebote gibt es wohl kaum in dieser Stadt. Der große Ansturm auf Notunterkünfte und Wärmestuben scheint jedoch ausgeblieben zu sein: Nicht alle Obdachlosen wollen oder können sich auf diese Sammelunterkünfte einlassen, oft wohl aus der Angst heraus, dort bestohlen zu werden.

Bleibt also das Treppenhaus.  Die Person, die sich dort inzwischen ihre Hände an der Tasse einer Thermoskanne aufwärmt, ist nicht die Nachbarin. Sie hat ein schmaleres, ein jüngeres Gesicht.

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7 Kommentare zu “Wer pennt freiwillig im Treppenhaus?”



  • Na ja sie wohnen schon in einer komischen Gegend bzw. Haus.
    So etwas wäre in meiner Innenstadt-Wohngegend nicht möglich.

    Da haben alle Bewohner aus den Einbrüchen der letzten Monate gelernt das niemand der nicht ins Haus gehört schon mal nicht in den Hausflur kommt.

    In einem Land in dem jeder der nur die Hand hebt (bzw. aufs Amt geht) mit ausreichend Geld, für eine einfaches Leben in einer Wohnung, beworfen wird wundert einen Obdachlosigkeit schon.
    Aber wer es mag. Nur wundert mich schon Naivität.

    Hatten Sie sich nicht mal beschwert das Kinderwagen aus dem Hausflur gestohlen werden? Da haben Sie schon eine Möglichkeit wie die verschwinden könnten.

    Ich vermute mal das dies ein versprengter Partygänger aus Prenzl.Berg (da wohnen Sie doch) war der vielleicht den Weg nach Hause nicht mehr gefunden hat und sich irgendeinen offenen Hausflur gesucht hat.


  • Nein, ich wohne in Friedrichshain, die Kinderwagen-Geschichte war aber tatsächlich ein Prenzlauer Berger Thema. Dass unser Treppenhaus als Notunterkunft herhalten musste, ist bislang nur dieses eine Mal vorgekommen – aber es ist schlimm genug.
    Wahrscheinlich war es tatsächlich eine Bekannte der besagten Nachbarin, die auf ein warmes Sofa spekuliert hatte.
    Ich war jedenfalls froh, die Frau dort bei Tee kauern zu sehen und keinen Krankenwagen rufen zu müssen.


  • @Robert:
    Also das in unserem Land “…jeder der nur die Hand hebt (bzw. aufs Amt geht) mit ausreichend Geld, für eine einfaches Leben in einer Wohnung, beworfen wird…” kann ich nicht bestätigen.
    Überhaupt ist Geld werfen keine angesagte Sportart hierzulande, besonders nach unten. Aber das Sie sich wundern ist ja schon ein erster Schritt in die Erkenntnis. Gehen Sie Ihrem wundern nach, ich bin sicher Sie werden erstaunliches entdecken.
    Denn der wird-ein-Partygänger-sein Einwand ist doch nur ein Selbstschutz vor dem Gebot der Menschlichkeit, wenn es nicht so ist. Ich kann die Freude von Anne die Frau beim Tee zu sehen jedenfalls gut verstehen. Denn niemand pennt freiwillig im Treppenhaus.


  • Zu der Thermoskanne die Plätzchen runterbringen! Das wär dochmal was gewesen. In einer solchen Situation mit sibirischen Temperaturen muss einfach ein zwischenmenschliches Miteinander über jegliche “Diese Kinderwagenklauer sollen doch arbeiten gehn”-Erwägungen siegen. Und wenn man es ganz genau nimmt, sollte man solche Prinzipien auch unabhängig davon ausleben, wie kalt es gerade draußen ist.
    Und Partygänger aus dem Prenzlberg haben selten Thermoskannen mit Tee bei sich=)


  • Nachdem die privaten Verblödungssender und Medien den Deutschen immer mehr das Denken abnehmen, sieht man das Resultat an gefasster Meinung hier in den Kommentaren.

Die Kommentare sind zur Zeit geschlossen.

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
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  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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