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Monatsarchiv für Oktober 2008

Autofahrer können wieder Gas geben…

Fahrrad-Rikscha Lustgarten

… denn die Fahrrad-Rikschas sind ab November verschwunden, nur einige hartgesottene Fahrer warten auch im Januar noch auf Fahrgäste. Der Winter vernichtet auch auf Berlins Straßen Arbeitsplätze. Bis zum Frühling warten also. Oder tüfteln und die Gastkabine der zumeist stromlinienförmigen Keile abdichten. Mit Pedalkraft ließe sich eine Standheizung betreiben…

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Nie wieder verhungerte Dackel im Winter

Ich hatte es für eine Satire gehalten, aber in Berlin-Treptow gibt es seit einigen Wochen tatsächlich eine Tiertafel. Da reicht ein Verein kostenlos Futter an bedürftige Berliner weiter – ganz nach dem Prinzip der Lebensmitteltafeln. Nach Vorlage eines Hartz IV-Nachweises oder Rentenbescheids kann der Dackel so über den Winter gerettet werden.

Gut für das Tier, für den Besitzer könnte ein Besuch dieser Futterausgabestelle aber eine Vormittag füllende Beschäftigung werden. Die Vorstellung, für eine kostenlose Packung Hundefutter die halbe Stadt zu durchqueren, ist grotesk. Die Regelsätze der Grundsicherung scheinen wirklich vorne und hinten nicht auszureichen.

Tiere haben eine soziale Funktion, so viel ist sicher – für viele Besitzer sind sie weit mehr als nur Gefährten. Dass Menschen bereit sind, für ihre Haustiere lange Wege zurückzulegen, scheint daher nur konsequent. Aber ist das wirklich nötig? Wären nicht ein paar Euro mehr Arbeitslosengeld II drin, um den Leuten diese Demütigung zu ersparen? Wer von einer caritativen Einrichtung zur nächsten hetzen muss, um sich und seine Familie (und Tiere) satt zu kriegen, wendet einen Großteil seiner Energie dafür auf. Energie, die vielleicht bei der Jobsuche fehlt.

Ein Rufer in der Wüste geht schweigend durch die Bahn

Plötzlich steht da ein rauschebärtiger Alter. Er sagt nichts, tut nichts, und wie das so ist in einer vollen S-Bahn hat ihn die Menge auch schnell wieder verschluckt. Aber Moment: “Frage mich nach Jesus” prangte da in großen Lettern auf seinem Koffer, den er nach Blicken suchend quer durch die Bahn trug.

Der Mann ist längst ein Berliner Original, so viel ist mit den Jahren über ihn und seinen Koffer geschrieben worden. Fast jeder hier ist ihm schon mal begegnet – und fast niemand hat je mit ihm geredet.

Ein Katholik findet den Koffer peinlich, natürlich aber die missionarische Haltung vorbildlich, der Kolumnist Harald Martenstein wagt mit ihm einen Plausch über das Wetter und diverse Blogger sehen ihn stumm an sich vorüberziehen.

Allein ein Autor der linken Tageszeitung Jungleworld bringt die Neugier auf, ihm ein Portrait zu widmen. Wolfgang heißt der Obdachlose demnach, den Jesus höchstpersönlich auf die Idee mit dem Koffer gebracht haben soll.

Den Rufer in der Wüste macht Wolfgang schon ziemlich lange: Dieses Foto zeigt ihn vor seinem stilprägenden Einfall, wie er Mitte der 90er Jahre ein großes Schild mit Bibelspruch an Berliner Kaufhäusern vorbei trägt.

Es gibt manchmal Ideen, die Menschen unglaublich zäh und zeitlos erscheinen lassen.

Foto: Nicole Gräther
Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Strand ohne Bars: Endzeit im Niemandsland

Erst wenn es richtig kalt wird, fällt die Ödnis hinter der East Side Gallery ins Auge. Der schmale Sandstreifen an der Spree ist seit dem Bau der Mauer ein Niemandsland geblieben, das mal eine Wagenburg beherbergte und nach deren Räumung Strandbars als Zwischennutzer anzog.

Mit dem Sommer sind die Holzbuden und Liegestühle verschwunden, in der Ferne blinkt einsam eine Riesen-Anzeigetafel der O2-World vor den Türmen der Oberbaumbrücke. Bewegung herrscht nur noch auf der anderen Seite der Mauer, wo jetzt Denkmalschützer in grünen Anoraks patrouillieren und Touristen verwarnen, die ihre Initialien auf der Mauer hinterlassen wollen.

Nächsten Sommer geht die Party weiter, versprechen die Betreiber des Oststrands, doch über kurz oder lang machen die Baupläne von Mediaspree den meisten Strandbars am Spreeufer den Garaus.

Diese Angst teilt der Betreiber der Bar 25 in der Holzmarktstraße, wenige hundert Meter weiter in Richtung Mitte. Eine Tochtergesellschaft der Berliner Stadtreinigung will dort Hotels, Büros und Wohnungen bauen – und die Partypeople samt ihren Holzhütten bis zum 31. Oktober hinauswerfen. Freiwillig gehen wollen die jedoch nicht.

Strandbars sind den meisten Friedrichshainern und Kreuzbergern symphatischer als Büroklötze, soviel hat der Bürgerentscheid “Mediaspree versenken!” gezeigt. Doch anders als die verhassten Investoren hat sich die Masse der Strandbar-Betreiber auch nicht verhalten: Was frei für alle zugänglich sein sollte, wurde eingezäunt und am Eingang selektiert ein Türsteher gnadenlos die lange Schlange. Spreeufer für alle? Nein, das ist wie in einer Promi-Disse.

Aber jetzt, wo der Winter kommt, möchte man rufen: Seht her, das Spreeufer gehört wohl nie mehr so sehr den Berlinern wie gerade jetzt!

Fotos: Das Berliner Spreeufer

Wildschwein-Alarm: Die Rückkehr der Borstenviecher

Wenn Ihnen heute ein Wildschein über den Weg laufen würde, wie würden Sie reagieren? Weglaufen, vor Verzückung die Digitalkamera ziehen? Keine Antwort parat? Schade, sollten Sie nämlich. Die Chance, einem Wildschwein zu begegnen, ist durchaus gegeben, wenn man der Berliner Lokalpresse Glauben schenken darf. Rund 6000 Tiere sollen das Stadtgebiet inzwischen bevölkern. Sie tummeln sich nicht nur in Parks, sondern auch auf Parkplätzen, in Wohnstraßen. Selbst auf dem Alexanderplatz wurden schon einige gesichtet. Intelligente Borstenviecher, die herausgefunden haben sollen,  dass sie in der Innenstadt sicher sind. Wie, das bleibt allerdings das Geheimnis der Berliner Morgenpost.

Bei aller Aufregung: Die Nachricht, dass Wildschweine vom Aussterben bedroht wären, dürfte wohl für mehr Wirbel sorgen. Umweltgruppen sähen sich auf den Plan gerufen, für den Schutz der Tiere zu trommeln. Wie der Zufall es aber will, rückt ein in Berlin längst ausgestorben geglaubtes Spezies in den Fokus des medialen Interesses: Der Jäger, der in diesem Zusammenhang ehrenamtlich durchaus sinnvolle Arbeit leistet, aber dennoch schlecht weg kommt. So titelt etwa Bild über einen Rentner aus Kleinmachnow: “Ich bin 81 und knalle Wildschweine ab”.

Ich warte immer noch auf eine Geschichte über einen Schwarzmarkt für Wildschweinfleisch. Sollte etwas dran sein an den Berichten über eine vermeintliche Wildschweinplage, so dürften die Hobby-Jäger ihren privaten Bedarf längst gedeckt haben – ihre Kühltruhen müssten randvoll sein. Einen Weihnachtsbraten mit Preisselbeeren und Klößen würde ich aber ganz anderen Leuten gönnen.

Verschenke-Ecken: So einfach ist der Kieztausch

In der Ohlauer Straße in Kreuzberg hat jemand diese Verschenke-Ecke vor einen Hauseingang gemalt. Sie ist leer, doch eigentlich dafür gedacht, dass Nachbarn hier miteinander tauschen. Damit ausgelesene Bücher, Spielzeug oder zu knapp gewordene Klamotten nicht in der Tonne landen, wie so oft.

Es gibt einige Stellen in Berlin, an denen ähnlich gewirtschaftet wird: Umsonstläden, Freeboxen oder der Nachbar, der seine Wlan-Station für fremde Computer öffnet.

Leider werden diese Orte oft missbraucht, um Schrott loszuwerden: Computer aus dem letzten Jahrhundert, Lumpen und versiffte Matratzen verwandeln gut gemeinte Initiativen in Müllhalden. Selbst die verschlossenen Kleiderboxen des Roten Kreuzes werden umgekippt und rücksichtslos geplündert. Zurück bleibt ein Schlachtfeld und eine Frage: Welche dieser Plätze funktionieren eigentlich? Und brauchen wir mehr davon?

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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