Wir bloggen Berlin – Blog News Bezirke

Monatsarchiv für Mai 2007

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Das erweiterte Netzwerk

Ich hatte gerade Besuch. Eine Bekannte aus meinem erweiterten Netzwerk. Leute aus dem erweiterten Netzwerk treffe ich nur alle Jubeljahre, wobei man sich dieses nicht als zusammenhängende Gruppe vorstellen muss, sondern als Pool aus lauter Einzelpersonen, die nichts miteinander zu tun haben müssen. Das erweiterte Netzwerk ist insofern interessant, als es Informationen liefert, an die ich sonst nicht im Traum gedacht hätte. Es beruht auf Gegenseitigkeit, das ist wichtig. Erzähl’ mir die letzten eineinhalb Jahre in zwei Stunden, die aktuelle Situation und gelange zu einer Einschätzung, die Langzeitbeobachter so gar nicht hätten geben können. Wertvoll das.

Meine Netzwerkfreundin von heute hat mit mir Soziologie studiert. Ihre Eltern kamen aus der Türkei. Irgendwann, vor vielen Jahren. Ich hatte eigentlich wegen eines Blogbeitrags über das türkische Berlin angefragt, aber sie sei da nicht die Richtige, hatte es schon in der E-Mail geheißen.

Die türkische Gemeinschaft in Berlin ist diverser, als man gemeinhin annehmen könnte. Keine homogene Gruppe, im Gegenteil. Viele unterschiedliche Strömungen und Weltanschauungen, die nicht einfach zu fassen seien, meinte S. dann beim Kaffee. Ein Rechercheaufwand, der ihr gerade zu groß sei. Nur soviel dazu: während eines Interviewerjobs sei ihr dies selbst klar geworden, als sie türkische Professoren, Hausfrauen und Selbstständige befragen musste. Die Parameter verlaufen entlang der religiösen Strömungen der Sunniten und Alleviten, aber überlappend dazu zwischen konservativer und liberaler Gesinnten. Kopftuchträgerinnen sind nicht gleich Kopftuchträgerinnen. Allein schon die Art, wie das Kopftuch gewickelt ist, deutet auf eine bestimmte Einstellung hin. Kaum möglich für Außenstehende, dort den Überblick zu behalten. ‘Das erweiterte Netzwerk’ weiterlesen

E-Mail aus Warschau

On 5/16/07, K. <k@polen-kritisch.pl> wrote:

Im Osten nichts Neues, aber Polen gruesst herzlich… Ich habe eine neue Geschichte fuer dich – der Kapitalismus hat einen “Psycho-Impakt”. Immer mehr Leute in Polen besuchen Psychoberater und es entwickelt sich ein Markt fuer unterschiedlichste Selbsthilfetrainings, Gefuehlsschulen usw. Die “armen” Polen aber vor allem Polinnen sind bereit, einen grossen Teil ihres Geldes dafuer auszugeben. Und wofuer eigentlich? Dass sie mal in aller Ruhe alles, was sie quaelt, erzaehlen duerfen.

Unglaublich, ich habe es aber letztens selbst erlebt – es hiess “non-violent communication” und sollte Leuten beibringen, wie sie eigene Gefuehle ausdruecken und kommunizieren koennen… Uhhh Anne, ich habe da gedolmetscht und manchmal wusste ich nicht, wie ich mein Laecheln unterdrucken sollte – obwohl die Tatsache, dass die Frauen so niedergeschlagen sind, ja nicht lustig ist. Das Training selbst war jedoch so so dumm, dass ich wirklich Probleme mit einem ersten Gesicht hatte… Mensch, wie verzweifelt wir uns selbst machen koennen.

Tschuesse, K.

Köpi-Bewohner: Rausgekegelt?

Konzert in der Köpi - Foto: Christian HeteyBlase war einer der Ersten , die sich in dem baufälligen Haus einquartierten. Ein Sportclub war gerade ausgezogen und hatte Funktionärsräume, sozialistische Fahnen und mehrere Kegelbahnen hinterlassen. Das war 1990. Keiner der Besetzer, mit denen Blase das verlassene Gebäude in der Köpenicker Straße zum selbstverwalteten Kulturzentrum “Köpi” ausbaute und die schließlich sogar Miete zahlten, interessierte sich für’s Kegeln.

17 Jahre später droht dem Haus samt angrenzenden Wagenplatz nun die Räumung durch einen neuen Eigentümer, der ohne die bisherigen Bewohner plant. Vielleicht fallen vielen Berlinern kaum Gründe ein, warum hier nicht Bürobauten der “Media Spree” hochgezogen werden sollten. Die paar Gestalten mit bunten Haaren, die im Hof auf einem Autowrack sitzen, könnten sich ja genauso gut woanders sonnen..

Dennoch hat dieses Hausprojekt Fans in der ganzen Welt. Leute, die die Konzerte von Bands wie From the Ashes oder “No conforme” besucht haben – Knüppelpunk aus Finnland oder Grindcore aus Kalifornien, die man sonst in keinem der Berliner Clubs hätte hören können. ‘Köpi-Bewohner: Rausgekegelt?’ weiterlesen

Die Prosa der unausgesprochenen Worte

Judith Hermann wird auch in diesem Jahr keinen neuen Erzählungsband veröffentlichen. Sie arbeite an einem Buch, der Erscheinungstermin sei aber noch völlig offen, teilte ihr Verlag mit. Heute wird sie 37 – ein guter Anlass für einen Rückblick. Man muss sich die Fans der Berliner Autorin als geduldige Menschen vorstellen. Erst zwei Bände mit Erzählungen hat sie bisher veröffentlicht. Ihr Debüt Sommerhaus später (1998) wurde von Kritikern gefeiert und prompt zum Publikumserfolg, 2003 bewies sie ihr literarisches Talent mit Nichts als Gespenster erneut.

Was ist das Besondere an ihren Erzählungen? Kein spannender oder spektakulärer Plot – allzu viel passiert in den Alltagsgeschichten von Judith Hermann nicht. Ihre Hauptpersonen sind meist passiv, introvertiert, unentschlossen. Die Autorin vermag den Leser aber vom ersten Satz an in den Bann zu ziehen, indem sie eine große Intensität und Dichte erzeugt. Einfühlsam schildert sie die kleinen Ereignisse im Leben ihrer Helden, ihre Gefühle und Gedanken. Die Grundstimmung ist melancholisch. ‘Die Prosa der unausgesprochenen Worte’ weiterlesen

Die Musenstube

Illustration: Annette Köhn“Mein Name ist Spielmann, ich komme für die Kiezlupe, die Frage ist, ob Sie Interesse haben, für sich und Ihr Angebot zu werben.“ Wenn es die Qualität meines Bandes es hergäbe, würde ich diesen Satz einstellen. Als Endlosschleife.

“Mein Name ist Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann Spielmann …”

Klang wie Ludwig Erhardt in den 50er Jahren.

Montag in der Musenstube, Annette Köhn erzählt gerade von ihrem Projekt mit Schülerinnen der Rütli-Schule. “Wer nicht wirbt, der stirbt“, fährt der Anzeigenverkäufer fort. Eine These, die vielleicht auf den ein oder anderen Trödelladen in der Nachbarschaft zutreffen könnte, auf den Laden von Annette wohl aber weniger. Es sind gerade Projekte wie die Musenstube, die den Reuter-Kiez neu beleben. Auch wenn sie den Initiatoren einigen Mut abverlangen. ‘Die Musenstube’ weiterlesen

Tschüss, Herr Actionfotograf!

“New York is a friendly town”, heißt es auf einer Leuchtreklame, an der hin und wieder jemand vorbei geht und in die Nacht verschwindet. Weegee, der Fotograf, muss gelacht haben als er abdrückte. Denn die meisten seiner Bilder zeigen die Abgründe New Yorks: Jugendliche Banditen, Erschossene im Rinnstein, Mörder in Handschellen auf der Polizeistation. Oder die Fotografierten sind in einen grausamen Verkehrsunfall verwickelt. Fast immer sind es Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.

An dieser Ausstellung im Berliner Postfuhramt sind mir nicht nur interessante Bilder aufgefallen, sondern auch eigene Vorurteile bewusst geworden: Der Mann, der in seiner Blutrache lag, musste ein Schwarzer sein. Jemand, der irgendwie den HipHop Gangsta Style von heute mit dem Look von damals kultivierte. Stattdessen tragen die Leichen im New York der 30er Jahre gepflegte Anzüge, italienische Schuhe und meistens liegt auch noch ein Hut in Reichweite. Kurz, es sind oft Menschen die aussehen, als seien sie gerade auf dem Weg ins Theater. ‘Tschüss, Herr Actionfotograf!’ weiterlesen

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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