Ich hatte gerade Besuch. Eine Bekannte aus meinem erweiterten Netzwerk. Leute aus dem erweiterten Netzwerk treffe ich nur alle Jubeljahre, wobei man sich dieses nicht als zusammenhängende Gruppe vorstellen muss, sondern als Pool aus lauter Einzelpersonen, die nichts miteinander zu tun haben müssen. Das erweiterte Netzwerk ist insofern interessant, als es Informationen liefert, an die ich sonst nicht im Traum gedacht hätte. Es beruht auf Gegenseitigkeit, das ist wichtig. Erzähl’ mir die letzten eineinhalb Jahre in zwei Stunden, die aktuelle Situation und gelange zu einer Einschätzung, die Langzeitbeobachter so gar nicht hätten geben können. Wertvoll das.
Meine Netzwerkfreundin von heute hat mit mir Soziologie studiert. Ihre Eltern kamen aus der Türkei. Irgendwann, vor vielen Jahren. Ich hatte eigentlich wegen eines Blogbeitrags über das türkische Berlin angefragt, aber sie sei da nicht die Richtige, hatte es schon in der E-Mail geheißen.
Die türkische Gemeinschaft in Berlin ist diverser, als man gemeinhin annehmen könnte. Keine homogene Gruppe, im Gegenteil. Viele unterschiedliche Strömungen und Weltanschauungen, die nicht einfach zu fassen seien, meinte S. dann beim Kaffee. Ein Rechercheaufwand, der ihr gerade zu groß sei. Nur soviel dazu: während eines Interviewerjobs sei ihr dies selbst klar geworden, als sie türkische Professoren, Hausfrauen und Selbstständige befragen musste. Die Parameter verlaufen entlang der religiösen Strömungen der Sunniten und Alleviten, aber überlappend dazu zwischen konservativer und liberaler Gesinnten. Kopftuchträgerinnen sind nicht gleich Kopftuchträgerinnen. Allein schon die Art, wie das Kopftuch gewickelt ist, deutet auf eine bestimmte Einstellung hin. Kaum möglich für Außenstehende, dort den Überblick zu behalten. ‘Das erweiterte Netzwerk’ weiterlesen


Blase war einer der Ersten , die sich in dem baufälligen Haus einquartierten. Ein Sportclub war gerade ausgezogen und hatte Funktionärsräume, sozialistische Fahnen und mehrere Kegelbahnen hinterlassen. Das war 1990. Keiner der Besetzer, mit denen Blase das verlassene Gebäude in der Köpenicker Straße zum selbstverwalteten Kulturzentrum “Köpi” ausbaute und die schließlich sogar Miete zahlten, interessierte sich für’s Kegeln.
“Mein Name ist Spielmann, ich komme für die Kiezlupe, die Frage ist, ob Sie Interesse haben, für sich und Ihr Angebot zu werben.“ Wenn es die Qualität meines Bandes es hergäbe, würde ich diesen Satz einstellen. Als Endlosschleife.
“New York is a friendly town”, heißt es auf einer Leuchtreklame, an der hin und wieder jemand vorbei geht und in die Nacht verschwindet. Weegee, der Fotograf, muss gelacht haben als er abdrückte. Denn die meisten seiner Bilder zeigen die Abgründe New Yorks: Jugendliche Banditen, Erschossene im Rinnstein, Mörder in Handschellen auf der Polizeistation. Oder die Fotografierten sind in einen grausamen Verkehrsunfall verwickelt. Fast immer sind es Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.






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