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Autorenarchiv für Henning Onken

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Streetart auf Türkisch

Bronco klebt seit Jahren Plakate mit mehr oder weniger tiefsinnigen Sprüchen in Berlin. “Ich komm in das Staunen gar nicht mehr rein” ist unter einer S-Bahnbrücke in Mitte zu lesen. “Michael Jackson ist auch nicht mehr das, was es mal war!”, heißt es an einem baufälligen Haus am S-Bahnhof Ostkreuz.

Nun überrascht der nachdenkliche Schablonenkünstler mit einem türkischen Spruch: “Cheese-bürgerine tüküren genc benim annemle cikiyor” hat er an eine Wand in der Skalitzer Straße geschrieben.

Ich habe Sevinc gebeten, das zu übersetzen. “Der auf einen Cheeseburger spuckender junger Mann geht mit meiner Mutter”, heiße das wörtlich. Sevinc, die fließend Türkisch spricht und in Neukölln lebt, wurde ähnlich schlau daraus, wie wahrscheinlich Angelsachsen aus einer Denglisch-Rede von Guido Westerwelle – nämlich gar nicht.

Aber wer wäre Bronco, wenn er nicht versuchen würde, seine Botschaft allen Besuchern und Bewohnern Berlins zu erklären – dieses Mal auf Englisch und sinnigerweise neben einem Burgerbrater geklebt.

Weitere Bronco-Motive.

Bildergalerie: Berliner Streetart

Der Tod eines Radfahrers wird nicht vergessen

Der Fahrer des Lasters sieht die Frau nicht, die neben ihm über die Kreuzung fahren will. Er schlägt das Lenkrad rechts ein und merkt erst später, dass er einen Mensch mit sich reißt. Die 49-Jährige starb am vergangenen Donnerstag auf einem Radweg in Adlershof. Zurück bleibt Fassungslosigkeit, ein zerquetschtes Rad und Blut auf der Fahrbahn. Es war die erste tote Radfahrerin in diesem Jahr, 2009 kamen neun Radler ums Leben. Benno Koch, ehemaliger Fahrradbeauftragter des Senats, macht an diesem typischen Unfall im toten Winkel besonders wütend, dass viele LKW nicht mit dem verpflichtenden sichtverbessernden Spiegeln ausgerüstet sind.

Damit der Verkehr nicht einfach weiter rollt, stellen Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) seit vergangenem Jahr weiße Fahrräder in Nähe der Unglücksorte auf – “Ghost Bikes” als Mahnmale. Die Idee stammt aus den USA und wurde in 20 Ländern aufgegriffen. Die Botschaft: Wir fahren alle die gleichen unsicheren Straßen entlang, jeder von uns könnte den Tod dabei finden.

In Berlin hat der Radverkehr in den vergangenen Jahren stark zugenommen ohne dass sich die Wahrnehmung verändert hätte. Der Senat wirbt mit “attraktiven” Sonntagsrouten zum Wannsee, doch im Alltag stören Pedalisten nur. Das wird jedem deutlich, der durch die Innenstadt zur Arbeit radelt. Radfahrer endlich ernst zu nehmen bedeutet für mich vor allem, durchgängig gut markierte Radstreifen auf der Fahrbahn einzurichten. Alles andere ist vertane Zeit.

Karte der getöteten Radfahrer 2008 (Quelle ADFC Berlin)


Getöte Radfahrer Berlin 2008 auf einer größeren Karte anzeigen

“Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!”

Diesen Satz verstehen in Berlin nur die aus dem Süden Zugezogenen, gell? So versucht man in Wien, Frauchen und Herrchen zum Eintüten ihrer Hundehaufen zu bewegen. Da freundliche Worte allein aber nicht weiterhelfen, hält der vierbeinige Pappkameraden in diesem Beet auch eine Warnung in der Schnauze: 36 Euro Strafe soll es den Verantwortlichen am anderen Ende der Leine kosten, wenn ein Haufen liegenbleibt.

Seit vier Jahren kämpfen die Wiener mit solchen Rasen-Steckern gegen die “Hundstrümmerl”, die Stadt glaubt an einen positiven Wandel. In einigen Bezirken Berlins dürfte die Lage dagegen deutlich schlechter sein, schließlich gibt es hier wesentlich mehr Hunde. Und wenig Aktionismus. Besonders wütend sind jene Berliner, die seit Frühlingsbeginn mit viel Liebe die Beete in ihrer Nachbarschaft mit Blumen und Sträuchern verschönern. Kaum lassen sie ihren öffentlichen Garten einige Tage aus den Augen, wandelt sich der in eine stinkende Kotlandschaft.

Was meinen Sie? Hilft der Trick mit dem Pappkameraden? Sollten die Bezirke so gegen Hundehaufen kämpfen?

Foto: Hartmut Balder

Zebrastreifen selbst gemalt

Unter dem Motto “Reclaim the Streets!” haben heute Farb-Aktivisten einen Zebrastreifen über die Rigaer Straße in Friedrichshain gemalt. Natürlich ist es nicht erlaubt, auf diese Weise Verkehrsregeln durchzusetzen. Doch es funktioniert: Autos bremsen und Fußgänger wechseln selbstbewusster die Seite. Dass auch Fußgänger gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind, vergessen Autofahrer leider oft.

Vermutlich ist die Farbe nach einigen Regenfällen wieder weg, ähnlich der Aktion vor einigen Wochen am Rosenthaler Platz. Dort kippten Unbekannte wasserlösliche Farbe auf die Fahrbahnen, die sich durch den laufenden Verkehr zu einem bunten Bild auswalzte.

Update 26. Mai: Heute haben Mitarbeiter des Straßenbauamts den Zebrastreifen wieder übermalt.

Update 15. Juni: Es stimmt, was Lula unten in den Kommentaren schreibt: Der Zebrastreifen ist seit etwa einer Woche wieder da. Hat das Straßenbauamt aufgegeben?

Update 23. Juni: Nein, das Amt ist wieder eingeschritten, es ähnelt schon einem Ping-Pong-Spiel …

Prenzlauer Bergs jüngstes Viertel hat sein Zentrum gefunden

Der Weg ins Herz des neuesten Viertels von Prenzlauer Berg führt über einen frisch angelegten Parkplatz. Wer sich zwischen Autos hindurch schlängelt und vollen Einkaufswagen ausweicht, die Kinder schlingernd vor ihren Eltern her schieben, steht plötzlich vor einem riesigen Einkaufscenter. Es gibt bereits drei Supermärkte in der Nähe, doch erst mit diesem schnell hin geklotzten Shoppingparadies erlebt die Gegend zwischen S-Bahnhof Storkower Straße und Eldenaer Straße jetzt das Ende ihrer Beschaulichkeit. Der Weg vom Niemandsland zwischen drei Bezirken zum Kaufland Prenzlauer Bergs war kurz.

Auf dem alten Schlachthofgelände, das an Friedrichshain und Lichtenberg grenzt, wuchert auf einigen Baugründen noch immer Gras. Doch die Zeit, in der dort Punks ohne Aufsehen durch die Zäune krochen und in Ruhe ein Bier trinken konnten, ist vorbei. Die Halle im Hintergrund des obigen Bildes wird gerade saniert, eine weitere wartet noch auf einen Investor.

Als die Gegend Anfang des Jahres den ersten Rang im Sozialatlas Rang belegte, rieben sich viele Berliner verwundert die Augen. Was, Eldenaer Straße? Wo ist die denn? In keinem anderen Viertel hat sich die Einkommen- und Arbeitsssituation derart verbessert. Kein Wunder, denn die schöne neue Vorstadtwelt besteht nur aus Townhouses genannten Mini-Reihenhäusern. Schwabenhass gibt es nicht in der anschwellenden Townhouselandschaft, denn die Zugezogenen leben ganz unter sich.

Laster haben überall Vorfahrt …

… auch auf dem Bürgersteig. Die Fußgängerin auf dem Foto blieb eine ganze Weile unschlüssig stehen, ehe sie doch auf die Straße auswich. Vermutlich verärgert ging sie an den beiden geparkten Umzugslastern vorbei.

Diese Szene hätte man genauso gut in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg beobachten können. Auf Bürgersteigen, Radwegen und in Häusereinfahrten parken Leute ganz selbstverständlich ihre Autos. Dass das verboten ist und alle anderen Verkehrsteilnehmer behindert, lernt jeder im Fahrunterricht – doch in Teilen Berlins hat sich dieses Verhalten längst eingebürgert.

Ganz so anarchisch geht es in Berlin aber nicht zu: In dieser Stadt wurden im vergangenen  Monat Tausende Radfahrer angehalten und wegen Regelverstößen bestraft.  Bußgelder gab es auch für Fahrten auf dem Gehweg oder in Fußgängerzonen.

Der Fahrer des gelben Lasters im Vordergrund hat rote Hütchen aufgestellt, um seinem Regelverstoß einen legalen Anschein zu geben. Das macht die Sache nicht besser.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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