
Punks ziehen mit dem Einkaufswagen um, Studenten leihen sich eine Robbe und der saturierte Mittelstand lässt sich das Klavier von Umzugs-Profis die Treppen rauf wuchten. Das ist natürlich ein Klischee, aber oft kann man so im Vorbeigehen mit ansehen, wie sich der Kiez verändert. Stürzt er ab? Steigt er auf? Wird’s hier bald “igittigit?”
Besser geht das Kiezwatching nur noch auf einem Bürgerfest im Park. So wie auf dem Friedrichshainer Forckenbergplatz. Wer blühende Landschaften sucht, kann zumindest dort eine finden. Auf der Wiese krabbeln Babyherden wie am Kollwitzplatz, Kinder schaukeln und ihre Eltern reden über Schwangerschaftsprobleme.
Die ehemaligen Platzhirsche sind jetzt zu Zaungästen geworden und nur bei näherem Hinsehen zu entdecken. Mitten im Trubel sitzt einer von ihnen – ganz wie früher trinkt er gedankenverloren sein Bier. Auf einer Bank am Rand wartet ein struppiger Mischling vergeblich darauf, dass ihm sein bunt-geschecktes Herrchen ein Stöcklein wirft. “Arschlecken” hatte jemand quer über das Schild mit der neuen Parkordnung geschrieben. Doch die neuen Regeln kamen Schritt für Schritt mit den neuen Nachbarn.
In einem Punkt jedoch laviert der nun familienfreundliche Samariterkiez weiter vor sich hin: Es fehlen geeignete “Nachwuchs-Verwahr-Anstalten”, die jeder aufstrebende Kiez braucht. Es werden zwar schicke Townhouses en masse gebaut, doch vor der Plattenbau-Kita in der Liebigstraße bleiben junge Eltern schockiert stehen. Es sind noch Plätze frei aber mein Kind hier in dieser Asbest-Falle? Wenig einladend auch die Äußerlichkeiten einer neuen Kita in der Warschauer Straße. “Trotzdem würde ich dort mit meinem Sohn mal reinschauen”, sagt ein Vater aus Prenzlauer Berg, der in Ostdeutschland geboren ist. Es wird noch eine Weile dauern, bis hier Läden mit französischer Kindermode Geld abwerfen…


















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