Ziemlich gruselig, was hier in der Nachbarschaft passiert: Mitten im beschaulichen Friedrichshain schlagen zwei Polizisten einen Radfahrer offenbar krankenhausreif, der ohne Licht auf dem Bürgersteig unterwegs ist und sich vor den Beamten in einen Hauseingang flüchtet. Der Radfahrer, ein Brite, ist nach Informationen der taz zuvor bereits einmal Opfer von Polizeigewalt geworden und soll aus Angst das Weite gesucht haben. Nach dem Zusammentreffen mit der Polizei musste er vier (!) Platzwunden behandeln lassen. Die Überschrift der Polizeimeldung, die überall zu lesen war, lautete lapidar: “Zwei Polizisten leicht verletzt”.
Nicht weniger befremdlich liest sich eine Meldung, die so nur die Springer-Presse bringen kann. Da feiern tatsächlich Leute eine Willkommensparty mit Solitresen für den ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar. Hallo? Klar war am 19. Dezember nach 26 Jahren Haft entlassen worden und hat sich von seiner RAF-Vergangenheit nicht distanziert.
Vielleicht steigt die nächste Soli-Party ja für Opfer von Polizeigewalt. Das ist weniger rückwärtsgewand und wohl auch eher mehrheitsfähig.
In diesem Sinne ein gutes neues Jahr.
Fotos von Plakaten aus Berlin

“Wenn ich abends aus dem Fenster meines Hotels schaue, sehe ich im ganzen Straßenzug überhaupt nichts festlich leuchten”, beklagt sich ein Gast, der für ein paar Tage in Berlin ist. Keine Lichterketten, keine Leuchtgirlanden. Es hängt nicht mal ein einsames Terror-Blink-Gesteck in Nachbars Fenster.
Ja, das ist bitter für den Gast, der in so hoch weihnachtlicher Stimmung Halt in der Dunkelheit sucht und nur das kalte Licht von Energiesparlampen findet. Wie anders sei das in seiner Kleinstadt, jammert er weiter und erzählt von liebevoll gebastelten Krippen, von Sternen, Lichterbögen und Erzengeln. Die Menschen in Berlin hätten halt keine Werte mehr.
Dabei hat er Unrecht. Das Weihnachtsgeblinke breitet sich auch in Berlin aus, springt von Fenster zu Fenster. Das kann man nur einen Block weiter besichtigen. Und wenn nicht: Es gibt Energiesparlampen längst auch in warmweiß. Die strahlen fast so festlich wie eine Kerze.
Fotostrecke: Berlin bei Nacht
Es wurde viel darüber spekuliert, wer in die neuen Townhouses in Mitte und Friedrichshain einziehen würde – in jene mehrgeschossigen Reihenhäuser mit Vorstadt-Charme und meist kleiner Grundfläche. Könnten Gardinen und Wandfarben Aufschluss geben über den Geschmack der Besitzer, Autos in den Vorgärten?
Interessant ist in dem Zusammenhang das Weblog Townhouse Chronicles, das zwei künftige Bewohner führen. Auch wenn bislang nur die Bodenplatte ihres Neubaus liegt, machen sich Dangerfunker und Biggi seit einem guten halben Jahr Gedanken über neue Nachbarn, Inneneinrichtung und eben auch Wandfarben. A bissl exhibitionistisch? Und wenn schon…

Glas klirrt, im Hof durchwühlt jemand Altglas-Tonnen. Es ist nicht das erste Mal, dass Leute darauf hoffen, in unserer Straße ein paar Cents durch Mehrwegflaschen dazu zu verdienen – aber dafür durch Hinterhöfe streifen? Im benachbarten Park konnte man im Sommer abends oft die gleichen Gesichter beobachten, Menschen, die verschämt nach leeren Bierflaschen griffen, um diese dann eilig in ihren Taschen verschwinden zu lassen.
Da zieht ein älterer Herr mit Aktentasche los, ein scheinbar normaler Frührentner in Popelin-Klamotten, der zur Aufbesserung seines Monatsbudgets offenbar auf diesen Nebenverdienst angewiesen ist. Viele seiner “Kollegen” sind bei näherer Betrachtung ähnlich unscheinbar: Ältere Frauen mit Einkaufsrollern, die sich nach einem Blick in den Müllbehälter schnell wieder unauffällig unter die Leute mischen.
Vielleicht ist der Eindruck selektiv, aber die Zahl derer, die jenseits von regulärer Erwerbsarbeit, Hartz IV oder nach verspekulierten Lehmann Brothers Zertifikaten ihre Haushaltskasse aufbessern müssen, scheint weiter zu steigen. Es gibt kaum noch einen Supermarkt in Friedrichshain, vor dem kein Straßenzeitungsverkäufer sein Glück versuchen würde, von S- und U-Bahnen ganz zu schweigen. Auf der Fahrt mit der S-Bahn nach Potsdam begegnet man pro Strecke mindestens zwei Zeitungsverkäufern und einem Straßenmusiker, oft sogar mit Kindern im Schlepptau.
Wenn Henner Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, dann auch noch fordert, arme Berliner sollten sich ein Zubrot durch Rattenjagd verdienen, kann einem nur schlecht werden.
Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Drängeln, schubsen oder wahlweise anderen volle Einkaufstüten in den Bauch rammen – in diesen Tagen am Ostkreuz keine Seltenheit. “Es geht hier zu wie auf dem Schlachthof”, grummelt ein Mann in grauer Daunenjacke, der seine Familie vor sich her schiebt, bemüht, schnell wegzukommen. Der Bahnhof, der seit über zwei Jahren im laufenden Betrieb umgebaut wird, ist alles andere als gemütlich.
Bahnsteige werden erneuert, Fahrgäste zum Umsteigen gezwungen. Niemand will länger als nötig im eisigen Wind stehen, wer eben kann, meidet das Ostkreuz. Hier trotzdem einige Eindrücke..
Fotostrecke: Ostkreuz-Umbau
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