Wir bloggen Berlin – Blog News Bezirke

Monatsarchiv für November 2007

Seite 3 von 3

Herbst in der Baulücke

Hof in der Hausburgstraße in Berlin-Friedrichshain - Foto: Henning Onken
Sie werden zugeparkt, umzäunt oder einfach sich selbst überlassen. Mit vielen Berliner Baulücken passiert jahrelang nichts, bis Anwohner den ungenutzten Raum in Beschlag nehmen. Für kleine Gärten, in denen im Sommer gegrillt wird oder Spielplätze mit selbstgezimmerten Abenteuerburgen. Oft währt dieser Zustand nur solange, bis das Baulückenmanagement des Senats einen Investor gefunden hat. In der Friedrichshainer Hausburgstraße hat der Bezirk anders gehandelt und ein kleines Basketballfeld angelegt.

Eine schöne Idee, doch leider stoßen auch Sportplätze nicht überall auf Zustimmung. Am Kreuzberger Chamissoplatz hat das Bezirksamt einen Bolzplatz schließen lassen. Anwohner hatten sich über den Lärm beschwert, der durch die kickenden Kids von früh bis spät zu ihnen heraufgedrungen war. Doch diese Probleme dürften uns erst wieder im nächsten Frühjahr beschäftigen.

Fotostrecke: Berliner Hinterhöfe

Berlin brutal: Das russische Konsulat

Berlin, Behrenstrasse. Von der Hektik der Parallelstraße Unter den Linden ist nicht viel zu spüren. Vor dem Konsulat der Russischen Föderation dreht ein Polizist gelangweilt seine Runden. Verstärkung braucht er offensichtlich keine. Die Wartenden wirken unscheinbar, genauso wie das Gebäude. Ein grauer Klotz, der mit dem Prunkbau der ehemaligen sowjetischen Botschaft wenig gemein hat.

Ein kleiner, schnauzbärtiger Beamter lenkt die erste Gruppe durch den Eingangsbereich zur Sicherheitsschleuse. Vorher kontrolliert er ihre Papiere. Sein Kollege im Warteraum, der wortlos Wartenummern ausgibt, scheint weniger eifrig. Das Eishockey-Spiel im Fernsehen ist spannender als die Konsulatsbesucher in ihren armseligen Regencapes. Der Warteraum erinnert an ein altes Postamt. Beamte sitzen abgeschottet hinter Glasscheiben und brüllen in Mikrophone – in einer Lautstärke, die viele Leute am Schalter erst einmal irritiert. Die Wartenden im Saal werden unfreiwillig Zeugen sehr persönlicher Angelegenheiten. Mitleidige Blicke werden ausgetauscht; schließlich könnte jeder jetzt da vorne stehen.

Die Leute am zweiten Schalter sind deutsche Einreisewillige. Ein Messevertreter, der nach Moskau will, Studenten, die einen Sprachaufenthalt planen. Der Messevertreter kann froh sein, überhaupt vom Pförtner eingelassen worden zu sein: “Sie haben keine Einladung von ihrem russischen Partner? Sie kommen morgen wieder!”, fertigt ihn die Beamtin ab. Die Studenten werden dagegen freundlich behandelt, ihre Unterlagen sind vollständig: “Wann wollen Sie das Visum haben?”, fragt die Dame hinter dem Schalter. “So schnell wie möglich, wenn …”, doch bevor der Student fortfahren kann, unterbricht ihn die Beamtin: “Also heute, ist am teuersten!”

Schalter drei nimmt Sendungen von Kurieren entgegen – Zusteller und Beamter kennen sich, größere Umschläge werden ausgetauscht. Einer der Kuriere muss eine Empfangsbestätigung ausfüllen, findet jedoch seinen Kugelschreiber nicht. “Sie haben doch meinen Stift, den roten Parker-Kuli”, verdächtigt er den Konsularbeamten. “Nein, aber hier haben sie einen roten Stift, Geschenk der Kommunistischen Partei”, schallt es aus dem Lautsprecher zurück.

Leise Töne als Erfolgsrezept? Robben und Wientjes

Er würde ein Robbe mieten, sagte der Nachmieter, ein Student aus Bielefeld. Von Berlin hatte er nicht mehr gesehen, als das Immatrikulationsbüro und die Wohnung seiner Tante, bei der er alle seine Kisten deponiert hatte. Da zieht einer in eine überteuerte Einraumwohnung mit Kohleofen am Hermannplatz, hat aber den Durchblick in Sachen Mietautos?

An Robben und Wientjes kommt kein Berliner vorbei, die Tarife für Kleintransporter sind unschlagbar. Um so verwunderlicher, dass es kaum Artikel über das Unternehmen gibt. “Wir wünschen keine Berichte über unseren Betrieb, das ist eine Policy, die intern so abgestimmt ist.”, sagt Ulrich Wientjes freundlich aber bestimmt am Telefon. Das Unternehmen wolle an seiner Leistung gemessen werden und nichts weiter. Der Erfolg stehe in engem Zusammenhang mit der Motivation der Mitarbeiter.

Motivation der Mitarbeiter – das liest man immer wieder. Ob die Strategie der leisen Töne für den Berliner Fuhrparkbetrieb aufgeht? Eine Identifikation mit der Marke Robben und Wientjes, wenn nicht mal die Geschäftsführer über ihren Erfolg sprechen? Wer nebenbei beispielweise bei dm oder Rossmann jobbt, wird überall mit Fragen zur Firmenphilosophie der Drogeriemarkt-Ketten rechnen müssen. Dm-Chef Götz Werner tingelt von Talkshow zu Talkshow und gibt lange Interviews. Zu seinem Grundeinkommen-Konzept, das auch in der Politik kontrovers diskutiert wird, hat er Anfang des Jahres ein Buch veröffentlicht.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, worauf es in einem Vorstellungsgespräch bei dm ankommen könnte. Wonach fragt man wohl bei Robben und Wientjes?

Wo der Gehsteig Falten wirft

In Randgebiete investiert man nicht gern. Das war an der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland so und ist in einigen Winkeln Friedrichshains nicht anders. Wer von der Warschauer Brücke aus in die Revaler Straße einbiegt, sieht vom Stadtumbau Ost nicht viel. Der Rand, das sind hier die S-Bahngleise, auf die man sich bis zum Ende der Straße in Ostkreuz-Nähe zubewegt. Doch zunächst verbergen sie sich hinter einem großen ehemaligen Industrie-Gelände, das seit Jahren von Künstlern genutzt wird. Im RAW-Tempel, dem einstigen Reichsbahnausbesserungswerk finden regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte und Lesungen statt. Auf Plakaten an der Mauer wird zu Aufführungen des Obdachlosentheaters “Ratten” oder zu Lesungen der Schriftstellergruppe “Chaussee der Enthusiasten” eingeladen.

Auf der anderen Straßenseite haben Wagenburgler vor Jahren eine große Baulücke besetzt. Erst nördlich von dort wird die Bau- und Sanierungswut der letzten zehn Jahre sichtbar, die dem Simon-Dach-Kiez eine Kneipenszene und viele jüngere Einwohner beschert hat.

Nach der Sanierung des Ostkreuzes in etwa zehn Jahren könnte auch die Revaler Straße attraktiv für Gewerbetreibende werden, besonders in der Gegend hinter der Modersohnbrücke. Vorläufig stößt man hier jedoch auf Gewerbehöfe mit Autowracks. In der Döringstraße rottet eine ehemalige Kindertagesstätte vor sich hin.

Die kleinen Seitenstraßen wie Niemann-, Matkowsky- oder eben die Döringstraße sind Anfang des 20. Jahrhunderts nach Berliner Sängern benannt, die heute niemand mehr kennt.

Was aber den zerfurchten Bürgersteige angeht, ist es bedauerlich, dass die Stadt nicht schon jetzt investiert. Der Bezirk Mitte mag wegen der vielen Touristen ein besonderes Interesse an gepflegten Straßen haben und deshalb vom Senat vier Millionen Euro für die Beseitigung von Schlaglöchern erhalten. Doch menschenleer sind die Gehwege in Friedrichshain auch nicht.

Bilder vom Ostkreuz

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

Zufallsfotos

Kostenlos abonnieren

Unser RSS-Feed enthält alle neuen Artikel. Ihr könnt sie auch bequem als E-Mail abonnieren
www.fensterzumhof.eu gibt es jetzt auch in einer Smartphone-Version

Anzeige

Berliner Streetart

Berlin bei Nacht

Berliner Plakate

Fassaden der Hauptstadt

Berliner Hinterhöfe

Andere Blogs


Wenn Sie auf dieser Seite verbleiben, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Anzeigen zu personalisieren. Informationen zu Ihrer Nutzung dieser Webseite werden an Werbepartner weitergegeben. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie dieser Verwendung von Cookies zu.

Schließen

Seite 3 von 3123