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Berliner müllen ihre Stadt zu

Kreuzberg Oranienstraße

Eine dpa-Meldung von Freitag: Berliner verursachen nach Hamburg den meisten Müll. Very unsexy, liebe Hauptstädter! Fahrt ‘mal ins Ländle… Kein Witz: Baden-Württemberg bildet nach einer Studie des dortigen Umweltministeriums das Schlusslicht mit im Schnitt “nur” 147 Kilogramm pro Jahr und Einwohner – Berliner produzieren fast das Doppelte (288 Kilo).

Ich habe es fast geahnt. Im Ländle – ich kann hier nur über Freiburg schreiben – herrschen andere Verhältnisse. Wer Abfall produziert, zahlt: Es gibt eine Müllgebühr, die zusätzlich zur Miete erhoben wird, Mülltonnen werden in unterschiedlicher Größe bereitgestellt. Und sie sind mit Schlössern versehen: Damit die Studenten-WG ihren Müll nicht einfach bei den Nachbarn in die Tonne wirft.

Müllvermeidung ist eine Erziehungsfrage – insbesondere Hausmeister scheinen rigorose Erzieher zu sein. Einmal hatte jemand im Hof eines Freundes mehrere gelbe Säcke abgeladen und von Restmüll über Kleidungsstücke und alte Zeitungen alles reingestopft, was man nicht mehr braucht, wenn man die Breisgau-Stadt für immer verlässt. Mit dem Teppichmesser machte sich der Hausmeister über die Säcke her, um den Täter anhand eines unbedacht weggeworfenen Briefumschlags zu identifizieren. Man stelle sich das mal in Berlin vor.

In Neuköllner Hausfluren hängen Zettel mit Botschaften wie:

Sehr geehrte Mieterin, sehr geehrter Mieter,

anlässlich einer Hausbegehung haben wir festgestellt, dass die Treppenhausteppiche durch Essensreste, Papier und Tempotaschentücher usw. stark verschmutzt werden.

Wir bitten Sie, dafür Sorge zu tragen, dass der Hausmüll aus defekten (sic!) Mülltüten nicht im Haus liegen bleibt und anderer Unrat [Hundescheiße] nicht auf den Teppichen verteilt und breitgetreten wird.

Wir hoffen im Interesse aller Mieter auf Ihr Verständnis …

Berlin und Freiburg – zwei Städte, die nicht ohne weiteres zu vergleichen sind. Die eine eine arme Millionenstadt, die andere eine relativ wohlhabende Universitätsstadt mit Öko-Image. Fehlt noch Hamburg, die wohlhabende Großstadt mit strukturell schwachen Stadtteilen, die mit 361 Kilogramm Müll pro Einwohner der größte Umweltsünder im Müllvergleich ist. Die dortige Stadtreinigung (“Wir sind für jeden Dreck zu haben”) wirbt auf ihrer Homepage mit “umweltgerechter Müllentsorgung” und “stabilen Gebühren für die graue Hausmülltonne”.

Gebühren: Darin liegt wahrscheinlich die Hauptursache der Hamburger Müllmisere und der große Verdienst der Freiburger Stadtverwaltung. Make them pay!

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