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Archiv für das 'Streetart'-tag

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Was hat drei Augen und nervt ganz Berlin?

Foto: Henning OnkenBlinky ist es nicht, Mr. Burns verstrahlter Fisch aus der TV-Serie “The Simpsons”. Aber so ähnlich: Ein dreiäugiger Frosch wirbt in ganz Berlin für Mobilfunkgeräte zum Chatten. Daran ist nichts ungewöhnlich, ganz wie Blondinen für Internet-Produkte oder Unterwäsche Modell stehen. Anscheinend hat es der Firma mit dem penetranten Frosch aber nicht gereicht, die Stadt mit Plakaten voll zu kleistern: Werbung im Graffiti-Style findet man auch an vielen Wänden, bei deren Bemalung andere wegen Sachbeschädigung angezeigt werden.

Auf der beworbenen Webseite flackert dem Besucher eine aufwändig produzierte Kampagne für besagtes Gerät entgegen. Der Link zum Impressum läuft allerdings ins Leere, verantwortlich ist anscheinend niemand. Aber die Shop-Weiterleitung zum Kauf des Geräts und Abschluss eines Vertrags funktioniert – natürlich. Das ist wohl leider wie mit Spam in E-Mails – am Ende will es keiner gewesen sein. Beispiellos ist diese Werbeform in Berlin allerdings nicht, wie im letzten Jahr die eifrig gekleisterte Borat-Kampagne zeigte. Aber mal ehrlich, was ist einem denn lieber – ein Komiker oder die Blinky-Kopie?

Fotostrecke: Berliner Streetart

Der Graffiti-Faktor

Man kann darüber streiten, ob Graffiti an Friedrichshainer Hauswänden Kunst, Reviermarkierungen oder Schmierereien sind. Verhindern können Eigentümer diese schnell geposteten Botschaften kaum. Ein Hausbesitzer in der Kinzigstraße hat sich daher etwas anderes überlegt, das zusätzlich Geld einbringt: Reklame. Unterhalb der Fenster im Erdgeschoss hängen Plakate, auf denen Konzerte, Ausstellungen und Nachtflohmärkte beworben werden. Komisch nur, dass bislang niemand “nachgebessert” und die Poster mit politischen Parolen überkleistert hat. Vor einigen Wochen waren nahezu alle Kreuzberger Litfaßsäulen und Werbetafeln von Aktivisten als “Public SPAM Kreuzberg” markiert worden: Radio Eins – “Spam”, die Dame, die für Berliner Pilsner wirbt, ebenfalls. Die Besetzung des öffentlichen Raum durch Konzerne als Zumutung.

Foto_Joerg VoglerWie auch immer. Eine Erklärung für Friedrichshainer Graffiti-Exzesse findet sich in einem Treppenhaus in der Simon-Dach-Straße: Hier befürchten Bewohner hohe Mieten, wenn alles saniert ist und sauber aussieht. “Fuck Gentrification” steht auch an einer Hauswand im Samariter-Kiez: Noch ehe das Baugerüst verschwunden war, mit dem die Fassade aufwendig restauriert worden ist, hatten Anwohner signalisiert, dass sie der Aufwertung der Nachbarschaft nichts abgewinnen können. Ob sie in der Minderheit sind, oder das artikulieren, was viele Menschen in dem Kiez bewegt?

Foto: Jörg Vogler

Brennende Autos als Auftragskunst?

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“Burn a car.” An einer Hauswand an der Oberbaumbrücke prangt dieser Spruch gleich sechs Mal. Nicht schnell hingekritzelt, sondern sorgsam auf eine weiße Kachel aufgetragen, die an ein Stuck-Ornament erinnert. Die brennenden Autos – seit vielen Monaten eine Dauererscheinung insbesondere im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – als Kunst?

Die Brandstiftungen werden militanten Umweltschützern zugeschrieben und treffen vor allem Fahrer von Luxuskarossen mit einem hohen Benzinverbrauch. An einigen Brandstellen fanden sich Bekennerschreiben, in denen der hohe CO2-Ausstoß von Sport- und Geländewagen und die Folgen für den Klimawandel genannt wurden. Insgesamt 99 Brandanschläge auf Autos in Berlin, darunter auf 24 Mercedes’, registriert Uwe Frers, Betreiber der Website Brennende Autos, für dieses Jahr. Zudem sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Autos die Luft aus den Reifen gelassen wurde. Eine erste Verhaftung hat es in dem Umfeld offenbar gegeben. Ausgerechnet ein Clown, der auf Kindergeburtstagen auftritt – vielleicht steckt sogar die Clown-Armee dahinter, die während des G8-Gipfels den Zaun um Heiligendamm erstürmen wollte.

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Aber zurück zu der Kachel mit der Aufforderung, Autos in Brand zu setzen: Sie wirkt auf dieser Wand harmlos kitschig – geradezu wie ein Wegweiser zu einem Puppenhaus. Und sie geht optisch fast unter, weil das Bild eines riesenhaften Menschenfressers – zweifellos antikapitalistisch – an der selben Fassade alle Blicke auf sich zieht. Trotzdem: Wer kommt auf solche Ideen? Hängt diese Kachel noch anderswo im Bezirk, oder handelt es sich um ein Unikat?

Website: Google-Karte Brennende Autos

Klassenkampf am Klingelschild

Klassenkampf am Klingelbrett in der Lychener Straße in Berlin Prenzlauer Berg - Foto: Henning OnkenHerr Hepke, Frau Stumpe und das Ehepaar Schaarenberg haben zwei Dinge gemeinsam: Sie wohnen in einem unsanierten Altbau der Lychener Straße und werden am Hauseingang von Unbekannten zum Klassenkampf aufgerufen. Nanu, hat da jemand die Zeit zurück gedreht? Wir gründen Arbeiterräte und teilen die Stadt noch einmal neu auf. Ist die Mauer wieder da?

Wahrscheinlich hat dieser Spruch aber doch weit mehr Bezug zur Berliner Wirklichkeit im Jahr 2007. Dieser Tage hat unsere Stadtverwaltung den neuen Mietspiegel herausgegeben, der Mietern und Vermietern eine “Orientierung” geben soll, was sie für ihre Behausung bezahlen, beziehungsweise herausschlagen können. Leider sind Mieterverbände aus den Verhandlungen zu diesem alle zwei Jahre erscheinenden Zahlenwerk ausgestiegen. Sie werfen dem Senat vor, einen unakzeptablen “Vermieterspiegel” gegen den Willen der Mieter durchgesetzt zu haben. 900.000 Berlinern könnten durch die aktuelle Ausgabe Mieterhöhungen ins Haus flattern.

Vielleicht hat vor einiger Zeit ein Mensch von außerhalb einen der letzten unsanierten Flecken in Prenzlauer Berg entdeckt und sich in diesen Altbau verliebt. Genau genommen hat er sich wohl weniger in die Bausubstanz verguckt, als in die Entwürfe seines Architekten, die zu Hause in Stuttgart schon fertig auf dem Schreibtisch liegen und hier so prima passen könnten. Räume mit Fußbodenheizung, Dachgeschosswohnungen und restaurierter Stuck.

Und was machen jetzt Herr Hepke, Frau Stumpe und das Ehepaar Schaarenberg? Wenn nicht genug Geld in der Haushaltskasse ist, müssen sie sich vom Kachelofen verabschieden, der eingebauten Dusche und dem alten Boiler, der immer so lange gebraucht hat. Oder aber Klassenkampf – wer glaubt dran?

Fotostrecke Berliner Seitenblicke
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Mietspiegel 2007

Backjumps III: Vom Protest der Zeichen

Reclaim Your City - Karte in der Ausstellung Backjumps - Foto: Henning Onken

“Was, fördern wir jetzt Sachbeschädigung?” – Vor zwei Jahren ging ein Aufschrei durch die Berliner Lokalpresse: Die Ausstellung Backjumps sei ganz klar als “Aufforderung zum Rechtsbruch” zu verstehen, so ein CDU-Sprecher. Völlig schleierhaft, wie die Kreuzberger Grafitti-Schau dann auch noch mit mit 35.000 Euro vom Hauptstadtfonds gefördert werden konnte. Der Gründer des gleichnamigen Magazins, Adrian Nabi, hatte gemeinsam mit dem Leiter des Kunstraums Bethanien nach Berlin eingeladen und neben der zentralen Ausstellung Aktionen wie etwa das gemeinsame und legale Bemalen von Fassaden veranstaltet.

Beim dritten Backjumps-Event sind wieder eine Reihe von bekannten Künstlern dabei. Die Geschwister Os Gemeos zeigen Fotografien, die in aller Welt entstanden sind, hauptsächlich aber in ihrem Heimatland Brasilien. Straßenkunst in der Millionenmetropole Sao Paulo wirkt anders als in Kreuzberg, zumal die beiden viel von den dortigen Lebensverhältnissen mit ins Bild rücken. Vor zwei Jahren zerschlugen sie vermummt ihre eigene ausgestellte Installation – einen kleinen “Bunker” – und hinterließen diese bemalte Hauswand in der Oppelner Straße.

Zum dritten Mal dabei ist der Kopenhagener Künstler Ash, der mit seiner großen Wandbemalung “Punks are not dead” an die Seelenwanderung am Ende des Films “Easy Rider” erinnert. Die Dachkantenmaler von Reclaim your city verbreiten einfach nur die Botschaft, in einer von oben bis unten mit Werbung zugekleisterten Stadt öffentliche Räume zu besetzen.

Insgesamt fehlt dieser Schau ein wenig eine Klammer, die den Betrachter führt. Manches erinnert mehr an Kunsthochschule als an einen “Aufstand der Zeichen” (Baudrillard), der Urban Art immer auch gewesen ist – auch wenn Banskys Londoner U-Bahnkunst inzwischen unter dem Schutz der Obrigkeit steht der Künstler damit viel Geld verdient. Streetart bleibt ein Erlebnis, das sich schwer in geschlossenen Räumen präsentieren lässt.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die große Karte mit vielen in Berlin verzeichneten Werken: Rausgehen, selber schauen, die Stadt erobern. Entgangen ist den Ausstellungs-Machern allerdings, dass es Berlins bekanntesten Rooftop nicht mehr gibt: “Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten” – an der Fassade des ex-besetzten Kulturprojekts Köpi.

Ausstellung: Backjumps – The Live Issue#3
Öffnungszeiten: täglich 12 – 19 Uhr

Kunstraum Kreuzberg / Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin (Kreuzberg)

Website: Reclaim your City
Website: Just2.blogsport.de
Fotostrecke: Berliner Streetart

Lindas Ex: Der Stalker vom Boxi

Lindas Ex - Foto: Henning OnkenDies ist die Geschichte einer tragischen Liebe, jedenfalls dachte ich das, als ich anfing, diesen Text zu schreiben. Jemand klebt Nacht für Nacht den Friedrichshainer Kiez zwischen Boxhagener Platz und Ostbahnhof mit selbstgezeichneten Plakaten zu: Die Motive ändern sich, die Botschaft bleibt gleich: “Linda, komm zurück – Scheiß Winter ohne Linda, Linda hat gesagt, ich sei erbärmlich.” Trennungsschmerz im Linda-Mantra bis zur Besinnungslosigkeit. Inzwischen sind drei Jahre vergangen und noch immer finden sich Überreste dieser besessen gekleisterten Kunst an Hauswänden.

Wer ist Lindas Ex? – ist er endlich glücklich mit jemand anders geworden oder hat sie ihn erhört? Ist er nach Indien gefahren und hat in einem Ashram ein Glück gefunden, das nicht von dieser Welt ist?

Google weiß es besser. Lindas Ex ist Roland Brückner, ein in Berlin lebender Künstler aus Lindau – deshalb der Name Linda, die es niemals gab, wie er schreibt. Das Projekt Lindas Ex hat er aufgegeben, eine Kunsthochschule besucht und ist mit der Ausstellung “Tracing Linda” im Museum für Kommunikation gelandet. Inzwischen zeichnet er Cover für die zitty und hat das Bloggen für sich entdeckt.

Ob öffentlicher Phantomschmerz oder tief empfundenes Leid: Roland Brückners Kampf um seine Linda ist so etwas wie eine urbane Legende des Friedrichshainer Südkiezes geworden.

Weitere Bilder von Lindas Ex

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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