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Archiv für das 'Prenzlauer-Berg'-tag

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Die Kinderwagen-Mafia

Man muss kein Fan schneller Autos sein, um sich für einen sportlichen Kinderwagen zu entscheiden. Fand zumindest Nina, die sich nicht auskannte mit Kinderwagen, Buggys etc. In Prenzlauer Berg sehen das offenbar viele junge Eltern so – die gleichen Modelle tauchen immer wieder auf. Bugaboo und Quinny heißen die Porsches unter den Baby-Karren. Glaubt man einer Freundin aus Hamburg, haben Leute, die mit einem Billig-Buggy durch die Straßen laufen, in Stadtteilen wie Hamburg-Eimsbüttel oder eben auch Prenzlauer Berg ein ernsthaftes Image-Problem.

Außenstehende mögen diesen Gruppendruck vielleicht komisch finden – Eltern scheinen aber andere Sorgen zu haben. In Geburtsvorbereitungskursen in Prenzlauer Berg geht das Gerücht um, eine Kinderwagen-Mafia habe es auf Edel-Kinderwagen abgesehen und breche selbst Hoftore und Kellertüren auf. “Über Fahrrad-Diebe können die nur lachen”, meint Nina, “wer schließt schon einen Kinderwagen vor einer Bäckerei ab?” Ihre Hebamme kenne Familien, die ihren Kinderwagen bei Ebay wiedergefunden hätten. Im Internet tauschen besorgte oder beklaute Eltern hier oder hier oder hier Tipps und Strategien aus.

Foto: Tim Lossen

Berlins neue Dörfer und ihre Feinde

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Nein, diese Fotos zeigen nicht die Neubausiedlung eines verschlafenen Bonner Vororts, das ist Berlin, die Metropole. Auf dem Gelände des alten Schlachthofes, an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, schießen seit einigen Monaten sogenannte “Townhouses” aus dem Boden, “Stadthäuser”, wie es hier auf dem Schild ein wenig missverständlich heißt. Das “Reihenhaus” gehört der Vergangenheit an, mit seinen Scheibengardinen und Terracotta-Sonnen im Blumenbeet. Von wegen Vorort-Charme – die Häuser verfügen vielfach über Dachterrassen und der Kiez liegt nur ein paar hundert Meter weit entfernt.

Wer müde geworden ist, ständig mit den Nachbarn um einen Kinderwagen-Abstellplatz im Treppenhaus zu feilschen, freut sich, hier eine Parzelle in Handtuchbreite zu ergattern. Die Infrastruktur scheint für Kinder ideal, auch Hunde bekommen Gesellschaft: Viele der Punks aus dem Samariterkiez halten ebenfalls Hunde. Das Ganze als eine Win-Win-Situation zu sehen, wäre sicher falsch, denn diese Bauvorhaben haben viele Gegner. In der “schönen neuen Townhouse-Welt” wittern sie wie Bild.de eine Abgrenzung der bürgerlichen Mittelschicht – und zwar mit Schlagbaum abgeriegelte Straßen. Durch Farbbeutel-Attacken werden die neuen Fassaden zwar fleckig, doch wird man sich in Berlin an dieses Bild gewöhnen müssen. Auch auf der Halbinsel Stralau, in Mitte hinter dem Auswärtigen Amt und in Prenzlauer Berg sind ähnliche Wohnanlagen entstanden.

Fotostrecke: Architektur in Berlin

Kastanienallee – Allee der Dixi-Klos?

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In Bahnunterführungen halten wahrscheinlich viele unterbewusst die Luft an. Es könnte ja stinken. Die Bewohner dieses Hauses in der Kastanienallee kennen das wohl nur allzu gut. Auf der Feiermeile in Prenzlauer Berg werden Hauseingänge gern als öffentliche Toilette missbraucht. Ich bin gespannt, ob im Zuge des geplanten Straßenumbaus Toiletten-Häuser aufgestellt werden. Die würden zwar das Straßenbild verschandeln, den Bewohner aber vielleicht ein Stück Lebensqualität zurückgeben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Es kann nicht ewig Winter sein…

Es kann nicht ewig Winter sein - Foto: Henning Onken

…diese erfreuliche Erkenntnis ist in Prenzlauer Berg offenbar weit verbreitet. Jemand hat sie unübersehbar groß an eine Wand in der Greifenhagener Straße gepinselt.

Sticker am Frankfurter Tor - Foto: Henning Onken

Im Nachbarbezirk Friedrichshain wähnt man sich schon eine Jahreszeit weiter und ist im Frühling angekommen, zumindest am Frankfurter Tor. Das wird auch Zeit, denn im Baum vor meinem Haus singen schon längst die Vögel. Die haben auch keine Lust mehr auf Nachtfrost.

Fotostrecke: Urban Art aus Berlin

“In die Schwabenhauptstadt wollen wir nicht”

Simon-Dach-Straße - Foto: Henning Onken

Sie gehöre auf die andere Seite der Spree, sagt Steffi, 27, Studienabsolventin. Nicht wegen der Kirche mit den vernagelten Fenstern oder der vielen türkischen Läden, sondern einfach, weil Neukölln in Westberlin liegt. “Wenn wir das nächste Mal umziehen, dann definitiv nach Friedrichshain.” Steffi ist in Lichtenberg aufgewachsen, in einer Wohngegend, für die wohl kein Kiez-Begriff existiert. Partys werden woanders gefeiert, ein paar Stationen mit der U5 weiter westwärts, im Friedrichshainer Südkiez.

Ines und Thomas zieht es nach sechs gemeinsamen Jahren in Hellersdorf ebenfalls nach Friedrichshain. Drei Zimmer sollen es sein, vielleicht auch vier. “Über Prenzlauer Berg hatten wir nachgedacht, das erschien nahe liegend.” Aber sie haben den Gedanken schnell wieder verworfen. Fragt man weiter, so wird deutlich: Prenzlauer Berg ist für viele, die in den Oststadtteilen aufgewachsen sind, nicht mehr Berlin. Die Menschen, die dort die Cafés, Spielplätze und Galerien bevölkern, sind Zugezogene. “Wessis” vorwiegend aus dem Schwabenland, Hessen oder NRW, die dort ihr Brauchtum pflegen und selbst Kirchen einen unverhofften Mitglieder-Boom bescheren.

Friedrichshain scheint da (noch) anders zu sein. Sicher, auch dort trifft man auf Leute aus Wuppertal oder Nürnberg, aber nicht so geballt. Der Stadtteil mit der “guten U5-Anbindung” wirkt heterogener: Punks leben neben Senioren, dazwischen Techno-Fans, Studenten aus Marzahn und Hausbesetzer. Aber auch die kommen in die Jahre, ziehen aus Hausprojekten aus und in kleine Wohnungen mit Zentralheizungen.

Einfach eine Frage der Zeit. Eine Prenzlaubergisierung des Stadtteils hat eingesetzt, zweifellos. Das ist gut für den Haushalt. Wo Leute über regelmäßige Einkommen verfügen, steigt das Steueraufkommen. Und natürlich nimmt die Zahl der Geburten zu: Bereits in diesem Jahr ist die Geburtenrate Friedrichshain-Kreuzbergs prozentual stärker gestiegen als die Prenzlauer Bergs. Ob Neugeborene allerdings ähnliche Namen erhalten, wie in Prenzlauer Berg oder Charlottenburg, bleibt allerdings eine spannende Frage

Foto: Henning Onken

Berliner Hinterhöfe: Anarchie vorm Treppenhaus

Hinterhof in der Lenbachstraße in Berlin Friedrichshain - Foto: Henning Onken
Gehen Sie da mal runter, dahinter sieht’s aus wie im Zuchthaus!”, sagte er und zeigte auf eine modrige Treppe. Mein Hausmeister hatte Recht, dieser kleine nur über einen Keller erreichbare Hof in Friedrichshain war wirklich grauenvoll: Es kam mir vor als sei ich in den lichtlosen Schlund eines tiefen Brunnens gefallen. Ob dieser kleine hagere Hausmeister mit den dunklen Augenhöhlen diesen Zuchthaus-Vergleich aus eigener Anschauung gezogen hatte, also schon selbst ein paar Jahre lang auf 20 Quadratmetern im Kreis gegangen war? Jedenfalls war ich froh, dieser beklemmenden Atmosphäre zu entkommen.

Warum sollte ich also über Hinterhöfe schreiben? Über von Hausmüll vergoren riechende Luft, über Haufen von Fahrradleichen, durch die sich verstohlen eine Katze schlängelt. Oder über durchsanierte Plätze, die – fügsame Bewohner vorausgesetzt – über Jahre so akkurat jeder Spur von Leben trotzten, als seien die Architekten erst gestern am Werk gewesen. Wozu also Worte verlieren über diese Orte der Langeweile? Über den Schmutz, und Gestank, den Verfall?

Trotzdem, an solchen Orten habe ich die besten Teile meiner Wohnungseinrichtung gefunden. Die Staffelei, das Regal oder den alten Lehnstuhl, der zugegeben, lange ziemlich modrig gerochen hat. Einmal kam ein Freund mit einem Fernseher an, der unten wochenlang im Regen gestanden hatte. Es zischte und stank, als er das Ding einsteckte, aber nach ein paar Tagen war tatsächlich ein Bild da.

Hin und wieder habe ich zu meiner Freude Dinge bei Nachbarn wiedergefunden, die ich im Hof “zwischengelagert” hatte. Höfe funktionieren manchmal wie Umsonstläden und solange niemand abgeschlossene Fahrräder knackt oder dort klammheimlich alte Futons entsorgt, blüht der Kieztausch. Und der kennt außer der um Ordnung besorgten Hausverwaltung nur Gewinner.

Lebensraum Hof ist verschwunden

Früher muss die Welt der großstädtischen Höfe übrigens mal ganz anders ausgesehen haben. Das fällt mir bei Filmen aus den 20er Jahren ein, “der letzte Mann” von Friedrich Wilhelm Murnau (1924) oder etwa Fritz Langs “M” (1931). Der alternde Hotelportier im “letzten Mann” schreitet auf dem Heimweg in seiner stolzen Uniform durch mehrere Hinterhöfe, die alle jeweils wie ein eigener Kosmos wirken. Es gibt dort spielende Kinder, kleine Geschäfte und immer wieder Menschen, denen man jeden Tag begegnet.

Painting Streetart in einem Hof in der Kastanienallee in Berlin Prenzlauer Berg - Foto: Henning Onken

Heute sind die meisten dieser Blöcke längst entkernt, begrünt oder abgerissen. Einige davon lassen sich noch entdecken, wenn man in Prenzlauer Berg auf Verdacht an einer Haustür ruckelt. Aber die Lebenswelt Hof ist verschwunden. Heute haben wir zum Einkaufen Lidl und Co, die Kinder einen Spielplatz und die lebenslustige Großstadtbagage lässt sich lieber in Cafés blicken. Nur in der DDR hatten einige Traditionen der “alten Zeit” länger überlebt. So etwa das Hoffest mit den Nachbarn, das es hin und wieder auch heute noch gibt. Also, runter vom Reißbrett und “Take on me”, Hinterhof! Es lebe die Anarchie vor meinem Treppenhaus!

Fotostrecke: Berliner Hinterhöfe

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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