Wildschwein-Alarm: Die Rückkehr der Borstenviecher

Wenn Ihnen heute ein Wildschein über den Weg laufen würde, wie würden Sie reagieren? Weglaufen, vor Verzückung die Digitalkamera ziehen? Keine Antwort parat? Schade, sollten Sie nämlich. Die Chance, einem Wildschwein zu begegnen, ist durchaus gegeben, wenn man der Berliner Lokalpresse Glauben schenken darf. Rund 6000 Tiere sollen das Stadtgebiet inzwischen bevölkern. Sie tummeln sich nicht nur in Parks, sondern auch auf Parkplätzen, in Wohnstraßen. Selbst auf dem Alexanderplatz wurden schon einige gesichtet. Intelligente Borstenviecher, die herausgefunden haben sollen,  dass sie in der Innenstadt sicher sind. Wie, das bleibt allerdings das Geheimnis der Berliner Morgenpost.

Bei aller Aufregung: Die Nachricht, dass Wildschweine vom Aussterben bedroht wären, dürfte wohl für mehr Wirbel sorgen. Umweltgruppen sähen sich auf den Plan gerufen, für den Schutz der Tiere zu trommeln. Wie der Zufall es aber will, rückt ein in Berlin längst ausgestorben geglaubtes Spezies in den Fokus des medialen Interesses: Der Jäger, der in diesem Zusammenhang ehrenamtlich durchaus sinnvolle Arbeit leistet, aber dennoch schlecht weg kommt. So titelt etwa Bild über einen Rentner aus Kleinmachnow: “Ich bin 81 und knalle Wildschweine ab”.

Ich warte immer noch auf eine Geschichte über einen Schwarzmarkt für Wildschweinfleisch. Sollte etwas dran sein an den Berichten über eine vermeintliche Wildschweinplage, so dürften die Hobby-Jäger ihren privaten Bedarf längst gedeckt haben - ihre Kühltruhen müssten randvoll sein. Einen Weihnachtsbraten mit Preisselbeeren und Klößen würde ich aber ganz anderen Leuten gönnen.

Verschenke-Ecken: So einfach ist der Kieztausch

In der Ohlauer Straße in Kreuzberg hat jemand diese Verschenke-Ecke vor einen Hauseingang gemalt. Sie ist leer, doch eigentlich dafür gedacht, dass Nachbarn hier miteinander tauschen. Damit ausgelesene Bücher, Spielzeug oder zu knapp gewordene Klamotten nicht in der Tonne landen, wie so oft.

Es gibt einige Stellen in Berlin, an denen ähnlich gewirtschaftet wird: Umsonstläden, Freeboxen oder der Nachbar, der seine Wlan-Station für fremde Computer öffnet.

Leider werden diese Orte oft missbraucht, um Schrott loszuwerden: Computer aus dem letzten Jahrhundert, Lumpen und versiffte Matratzen verwandeln gut gemeinte Initiativen in Müllhalden. Selbst die verschlossenen Kleiderboxen des Roten Kreuzes werden umgekippt und rücksichtslos geplündert. Zurück bleibt ein Schlachtfeld und eine Frage: Welche dieser Plätze funktionieren eigentlich? Und brauchen wir mehr davon?

Berlin brutal #12: Im Hitler-Look über die Landsberger Allee

In den meisten Bezirken Berlins ist es egal, wie man sich gibt, mit welchen Klamotten man herumläuft. Das fällt immer wieder Leuten auf, die vorher in vermeintlich chiceren Städten gewohnt haben. Mehr als befremdlich heute ein Fast-Zusammenstoß mit einem Hitler-Double in Friedrichshain - Frisur und Schnäuzer saßen nahezu perfekt. Der Kerl sah nicht aus, als wolle er zu einem Drehtermin, auf der Rückbank seines Autos lümmelte ein Typ in Armee-Outfit.

Intuitiv blieb ich stehen, obwohl die Fußgänger-Ampel grün zeigte. Starrte in den roten (!) Kleinwagen mit Brandenburger Kennzeichen. Der Mann am Steuer starrte zurück, gab dann aber Gas. Ich malte mir aus, Friseuse in einer brandenburgischen Kleinstadt zu sein: Da poltert dann ein Kerl herein, der “einmal wie Hitler” verlangt? Grotesk. Überhaupt: In welchem Umfeld bewegen sich solche Leute, welcher Arbeitgeber würde sie beschäftigen? Als Kundenberater? Wofür?

In Köln planten Rechtsextreme vor einigen Wochen einen Kongress, auf dem selbst rechte Spitzenpolitiker der aus dem europäischen Ausland teilnehmen sollten. Die Veranstaltung ist grandios gescheitert, unter anderem, weil sich die Taxi-Fahrer der Stadt weigerten, Teilnehmer zu befördern, Kneipiers kein Bier ausschenkten und und und. Sollte das nicht auch in Berlin und Brandenburg möglich sein?

Die Überlebenden der Umweltzone kehren zurück

Verschwunden im Umland oder billig gen Osten verschachert: Aufgeräumt sollte Berlins Autobestand eigentlich sein, seit mit dem Start der Umweltzone im Januar ältere Autos draußen bleiben müssen - oder für viel Geld mit Feinstaubfiltern nachzurüsten sind. Die Sünder der Umweltzone verstecken ihre Karren seither auf Privatparkplätzen oder außerhalb der neuen Demarkationslinie. In der Kiefholzstraße in Treptow, zum Beispiel, finden Anwohner kaum noch Parkplätze, weil alles voll steht mit alten Wagen.

In den letzten Monaten ähneln die Einschränkungen jedoch mehr dem Rauchverbot in Kneipen: Erst pafft man draußen, dann wieder drinnen: Vergesst die Strafen, weg mit der Dummweltzone! Der Senat verzeichnet eine starke Zunahme der erwischten Zonensünder, auch wenn die zu zwei Dritteln als Touristen nach Berlin kommen und die Strafzettel als eine Art Willkommensgruß erhalten.

Glück hat, wer mit seinem Oldtimer der “Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes” dient und sich den Ärger sparen kann.

Draußen vor der Tür: Gar nicht angenehm

Wie viele Berliner wohl Schlüssel bei den Nachbarn hinterlegt haben, für den Notfall? Habe inzwischen eine ganze Sammlung von Schlüsseln - von Freunden. Die Sicherheit ist jedoch trügerisch. Ich habe mich ausgesperrt, am späten Nachmittag. Ich wollte eine Kiste mit alten Büchern wegwerfen, kein großer Verlust, überwiegend veraltete Publikationen zu politischen Themen. Der Schlüssel, den ich versehentlich eingesteckt hatte, war nicht meiner, sondern einer aus der besagten Sammlung. Im Pullover stand ich nun im Hof, ohne Geld, ohne Mobiltelefon.

H., eine Freundin, bei der ich einen Tee bekommen hätte, war nicht da. Hätte ich mir denken können, aber erreichen konnte ich sie eh nicht: Ich kannte ihre Handynummer nicht auswendig. Zu K., deren Schlüssel ich versehentlich eingesteckt hatte, wollte ich nicht gehen - es war klar, dass sie noch auf der Arbeit sein würde, einfach selbst die Wohnungstür aufzuschließen ohne sie vorher zumindest telefonisch vorzuwarnen, erschien mir falsch. Also blieb nur der Treppenabsatz vor der Wohnung.

Horrorszenarien über Horrorszenarien: Was, wenn der Mitbewohner doch noch nach der Arbeit einen Kaffee trinken gehen würde und sich ewig viel Zeit ließe? Was, wenn ich K., die ich zum Kino treffen wollte, nicht würde erreichen können ohne Handy-Nummer im Kopf? Nicht einmal die Nummer des Mitbewohners kannte ich auswendig. Alles entwickelte sich in meinem Sinne, der Mitbewohner kam sogar früher nach Hause, als erwartet. Aber ich habe gelernt: Die wichtigsten Mobilfunknummern sollte man auswendig aufsagen können, am besten sogar rückwärts.

Muckibuden im Herbst: So schwitzen wir gemeinsam

Sie müsse unbedingt Mitglied in einem Fitness-Studio werden, meinte eine Freundin kürzlich, es sei nicht auszuhalten im Winter ohne Sport.  Ob Step-Aerobic oder Thai Bo - die Kurse dort sind offenbar alle ansprechend. Ich kann mir weder unter Step Aerobic noch Thai Bo etwas vorstellen, aber verkneife mir jeglichen Kommentar, sonst werde ich noch zum Probe-Training mitgeschleppt. Im Fitnessstudio gestählte Körper finde ich unästhetisch. Man sieht sehr wohl, ob bestimmte Muskelpartien an Geräten gezüchtet wurden, mit Präparaten gepäppelt oder einfach durch Leichtathletik oder Volleyball ausgebildet wurden. Einmal abgesehen davon sehe ich andere lieber aus der Ferne schwitzen, beim Joggen, und nicht beim Gewichte stemmen.

In diesem Sommer sind mir im Volkspark Friedrichshain eine Reihe mir bislang unbekannter Sportarten aufgefallen. Da stürmen Leute mit Plastik-Knüppeln aufeinander los, mit dem Ziel, ihr Gegenüber nieder zu ringen. Ob das jetzt schon als Kampfsport gilt, kann ich nicht sagen, jedenfalls wirkt das Ganze sehr geordnet. Interessant auch, dass immer mehr Berliner ihr Gleichgewicht testen wollen. Der Park ist voller Leute, die sich auf’s Seil wagen, zwischen zwei Bäumen balancieren. Hin und wieder versuchen einige, direkt einen Baumstamm zu erklimmen, kein Witz. Am coolsten fand ich jedoch die Kids mit ihren Spezial-Fahrrädern, die auf einem dafür eigens angelegten Platz abenteuerliche Kunststücke vollziehen - auf einem Rad einen kleinen Hügel herunter fahren, sich drehen oder einfach nur springen.

Ob das etwas für die Fitness-Studio-Tester wäre? Wahrscheinlich bekommt man dabei genauso Muskeln, wenn nicht sogar mehr und welche, die natürlich aussehen…




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