Wie viele Berliner wohl Schlüssel bei den Nachbarn hinterlegt haben, für den Notfall? Habe inzwischen eine ganze Sammlung von Schlüsseln – von Freunden. Die Sicherheit ist jedoch trügerisch. Ich habe mich ausgesperrt, am späten Nachmittag. Ich wollte eine Kiste mit alten Büchern wegwerfen, kein großer Verlust, überwiegend veraltete Publikationen zu politischen Themen. Der Schlüssel, den ich versehentlich eingesteckt hatte, war nicht meiner, sondern einer aus der besagten Sammlung. Im Pullover stand ich nun im Hof, ohne Geld, ohne Mobiltelefon.
H., eine Freundin, bei der ich einen Tee bekommen hätte, war nicht da. Hätte ich mir denken können, aber erreichen konnte ich sie eh nicht: Ich kannte ihre Handynummer nicht auswendig. Zu K., deren Schlüssel ich versehentlich eingesteckt hatte, wollte ich nicht gehen – es war klar, dass sie noch auf der Arbeit sein würde, einfach selbst die Wohnungstür aufzuschließen ohne sie vorher zumindest telefonisch vorzuwarnen, erschien mir falsch. Also blieb nur der Treppenabsatz vor der Wohnung.
Horrorszenarien über Horrorszenarien: Was, wenn der Mitbewohner doch noch nach der Arbeit einen Kaffee trinken gehen würde und sich ewig viel Zeit ließe? Was, wenn ich K., die ich zum Kino treffen wollte, nicht würde erreichen können ohne Handy-Nummer im Kopf? Nicht einmal die Nummer des Mitbewohners kannte ich auswendig. Alles entwickelte sich in meinem Sinne, der Mitbewohner kam sogar früher nach Hause, als erwartet. Aber ich habe gelernt: Die wichtigsten Mobilfunknummern sollte man auswendig aufsagen können, am besten sogar rückwärts.









noch auf der Arbeit sein würde, – es heisst nicht auf der Arbeit!!! sondern bei der Arbeit
@Anonymous:
Leider liegen Sie da falsch: “bei der Arbeit” bezeichnet den Prozess, “auf der Arbeit” den Ort.
Hier ein Link zum Zwiebelfisch-Alphabet von Bastian Sick
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,309633,00.html