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Monatsarchiv für Juni 2008

Nur Kunst: Neue Plattenbauten im Kiez

Während die halbe Republik Fußball schaut, könnte der ein oder andere Künstler die Gelegenheit ergreifen, ungesehen Plakate zu kleben. Dieser zu einem Plattenbau umfrisierte Stromkasten stand schon so im Friedrichshainer Südkiez, bevor Deutschlandfahnen vor vielen Balkonen wehten.

Wer mehr Streetart sehen möchte: Am 5. Juli eröffnet in Friedrichshain die Streetart und Urban Art Ausstellung URBAN AFFAIRS. Viele der bekannten Berliner Streetartisten werden dort vertreten sein.

Die Ausstellung läuft vom 5. Juli bis zum 3. August 2008 in der Brauerei Friedrichshöhe, Landsberger Allee 54.

Fotostrecke: Berliner Streetart

Berlin brutal #10: Den Jobverlust täglich vor Augen

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Klare Ansage oder einfach nur Schikane? In der Ankunftshalle des Flughafen Tegel müssen Mitarbeiter an einem Schild vorbei, auf dem ihnen offen mit Kündigung gedroht wird: “Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Gefährden Sie nicht Ihren Arbeitsplatz. Bitte achten Sie darauf: AUSWEISTRAGEPFLICHT in allen Flugsicherheitsbereichen.” Und der entsprechende Paragraf dazu.

Eine E-Mail oder ein Anschreiben gleichen Inhalts hätten es nicht getan? Das Personal wird für offenbar für so zerstreut gehalten, dass es ständig erinnert werden muss. Fluggäste können nur erahnen, wie es hinter den Kulissen des Unternehmens zugehen muss. Nach eigener Darstellung sind die Berliner Flughäfen mit über 15 000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg.

Berlin von oben: Nie mehr auf dem Dach tanzen!

Berlin von oben - Foto: Christian Hetey

Ein Sonnenuntergang auf dem Dach ist wie eine kleine Flucht aus dem Ghetto: Endlich öffnet sich der Himmel, der sich sonst in den Häuserfluchten der Innenstadt nur einen Spalt weit zeigt. Und meistens bleibt man dort unter sich – kein stressiger Verkehr, keine Touristenhorden. Party auf dem Dach, Picknick mit Freunden, eine Runde Schach oder in Ruhe ein Buch lesen – alles ist möglich. Ja, manche schlafen sogar dort droben. Es ist sozusagen Urlaub light.

Leider lässt sich in Berlin immer seltener durch Luken steigen und von Dach zu Dach balancieren. Es hat nicht immer etwas mit Sicherheit zu tun, wenn die Tür zum Dachboden verschlossen ist. In Altbaukiezen ist meistens der Ausbau von Dachgeschosswohnungen dafür verantwortlich. Wo früher Mieter ihre Wäsche aufhängten oder Gerümpel abstellten, ist jetzt der teuerste Wohnraum des Hauses. Das ist schade, oder? Schließlich ist “summer in the city – meet me at the rooftop“.

Foto: Christian Hetey

Kiez im Wandel: Tschüss Hundekackwiese, hallo Kinderladen!

Foto: Anne Grieger
Punks ziehen mit dem Einkaufswagen um, Studenten leihen sich eine Robbe und der saturierte Mittelstand lässt sich das Klavier von Umzugs-Profis die Treppen rauf wuchten. Das ist natürlich ein Klischee, aber oft kann man so im Vorbeigehen mit ansehen, wie sich der Kiez verändert. Stürzt er ab? Steigt er auf? Wird’s hier bald “igittigit?”

Besser geht das Kiezwatching nur noch auf einem Bürgerfest im Park. So wie auf dem Friedrichshainer Forckenbergplatz. Wer blühende Landschaften sucht, kann zumindest dort eine finden. Auf der Wiese krabbeln Babyherden wie am Kollwitzplatz, Kinder schaukeln und ihre Eltern reden über Schwangerschaftsprobleme.

Die ehemaligen Platzhirsche sind jetzt zu Zaungästen geworden und nur bei näherem Hinsehen zu entdecken. Mitten im Trubel sitzt einer von ihnen – ganz wie früher trinkt er gedankenverloren sein Bier. Auf einer Bank am Rand wartet ein struppiger Mischling vergeblich darauf, dass ihm sein bunt-geschecktes Herrchen ein Stöcklein wirft. “Arschlecken” hatte jemand quer über das Schild mit der neuen Parkordnung geschrieben. Doch die neuen Regeln kamen Schritt für Schritt mit den neuen Nachbarn.

In einem Punkt jedoch laviert der nun familienfreundliche Samariterkiez weiter vor sich hin: Es fehlen geeignete “Nachwuchs-Verwahr-Anstalten”, die jeder aufstrebende Kiez braucht. Es werden zwar schicke Townhouses en masse gebaut, doch vor der Plattenbau-Kita in der Liebigstraße bleiben junge Eltern schockiert stehen. Es sind noch Plätze frei aber mein Kind hier in dieser Asbest-Falle? Wenig einladend auch die Äußerlichkeiten einer neuen Kita in der Warschauer Straße. “Trotzdem würde ich dort mit meinem Sohn mal reinschauen”, sagt ein Vater aus Prenzlauer Berg, der in Ostdeutschland geboren ist. Es wird noch eine Weile dauern, bis hier Läden mit französischer Kindermode Geld abwerfen…

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Schwarz-Rot ohne Gold: Wenn Fahnenfänger zuschlagen

Schwarz-Rote Fahnen in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Wer sein frisch ans Auto gehängten Deutschlandfähnchen vermisst, könnte zwischen zwei Ost-Laternen in Friedrichshain fündig werden. In der Rigaer Straße hängt eine Leine mit schwarz-roten Fahnen über die Straße. An dem ausgefransten Rot sieht man, dass hier ein Streifen entfernt wurde. Bei einigen klafft ein Loch, wo sich früher der Bundesadler stolz aufplusterte.

Das ist natürlich verboten: Wer bundesdeutsche Flaggen beschädigt oder “beschimpfenden Unfug daran verübt”, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, heißt es im Strafgesetzbuch.

Macht nichts, denken Aktivisten der linken Medienplattform Indymedia und haben einen Wettbewerb gestartet – mit dem Motto “Fang die Fahne 2008“. Eine kleine Deutschlandfahne gibt zwei Punkte, eine große drei und auch die gelben Streifen alleine zählen.

“Wer an meinem Auto rumfingert, kriegt n Arsch voll!”, warnt ein Leser die Fahnenklauer.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Stadt als Beute: Diese Riesen herrschen über Berlin

Werbung am Rosenthaler Platz - Foto: Henning Onken

Sie zwingen uns zu ihnen aufzuschauen, thronen über der Stadt: Ihre Wucht wächst in Quadratmetern zu einer Göttlichkeit, die uns zu dem macht, was wir sind: Kleine Leute mit ein bisschen Geld in den Taschen. Kauf meinen BH, befiehlt die Göttin einer Unterwäschefirma, und wo du schon dabei bist, bestell dir DSL aus dem Wunderland, gebietet die magere Blondine nebenan.

Schon seit hundert Jahren wird in Berlin mit Großformaten geworben, doch wohl nie mit der Penetranz der letzten Jahre. Zur EM haben sich die Poster mal wieder verselbständigt. Godzilla ist leider nicht in Sicht, Adblocker wie im Internet gibt es nicht. Die Reizüberflutung ist kaum zu umgehen – es sei denn, man sitzt in einem der vielen zugepappten BVG-Busse oder Straßenbahnen lässt sich kaum aus dem Fenster sehen.

Firmen, die ihre “Grußbotschaften” im öffentlichen Straßenland pflanzen, müssen zahlen. Oft läuft der Deal so: Ihr gebt uns Geld für die Sanierung unserer Denkmäler, Brunnen, Bäder und Kirchen – dafür überlassen wir euch diese Plätze eine Zeit lang als Beute, pappt sie ruhig zu. Im Behördendeutsch heißt das “Kompensation öffentlicher Leistungen durch Werbung”. Die Stadtverwaltung könnte damit angeblich noch erheblich mehr Kasse machen.

Das hört sich nach einer soliden Partnerschaft an, die viele Orte wieder in neuem Glanz erstrahlen lässt. Die kleinen Buswartehallen finanzieren sich selbst – wunderbar. Der Brunnen wird saniert und sprudelt wieder – toll. Aber braucht man dazu wirklich das Geld von Hugo Boss, eBay und Co? – Schließlich zahlen wir doch Steuern.

Wie viel Werbung verträgt Berlin eigentlich? Vielleicht wird es uns die Grenzen klar, wenn Schulsponsoring erlaubt ist und Kinder das falsche Trikot tragen. Pepsi etwa statt Bionade und runter vom Schulhof?

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Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

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Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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