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Monatsarchiv für Juni 2008

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Zertrümmern und weg. Warum diese Wut?

Foto: Henning Onken

Ausgerechnet Brad Pitt. In “Fight Club” schlägt er mit dem Baseballschläger auf schicke Karren mit Stern, Sportvehikel und Geländeautos ein. Man könnte denken, dieser Film sei in Berlin gedreht worden, denn hier winkt vielen Karossen ein ähnliches Schicksal. Platt gemacht, angekratzt, abgefackelt. Autos sind wehrlos und stehen nachts unbewacht in leeren Gassen. Längst haben google-maps-Begeisterte eine Karte von den Brandanschlägen angefertigt. Schuld sind meistens “Extremisten” aus Friedrichshain und Kreuzberg, natürlich.

“In der vergangenen Nacht haben Unbekannte” …bla bla… “der Staatsschutz ermittelt”. Längst überlesen wir solche Meldungen im Polizeiticker, die im Hintergrund weiterrauschen. Am Ende folgt die Statistik. Wen es noch interessiert: es sind in diesem Jahr 54 Autos angesteckt und weit mehr beschädigt worden. Zuletzt traf es 29 jener Umzugsfahrzeuge, die in Berlin jeder als “Robben” kennt.

Vergleichsweise harmlose Öko-Rebellen lassen die Luft aus den Ventilen, andere Täter sprühen Schablonen auf Motorhauben. Das Wort “Meins” stand vor zwei Tagen in Schöneberg auf mehr als einem Dutzend Oberklasse-Autos. Von Sozialneid über Kritik an bestimmten Firmen bis zu Öko-Aktivismus – viele Motive stecken hinter solchen Aktionen.

Die Besitzer sollen sich rechtfertigen, warum ihnen die U-Bahn, das Rad oder ein gebrauchter Golf nicht reicht. Warum sie an ein wenig mehr Glanz in ihrem Leben glauben und kräftig dafür zahlen. Und weshalb sie mit tonnenschweren Geländewagen durch die Stadt brausen, während ältere Kleinwagen vor der Umweltzone Halt machen müssen.

Dabei siegt oft die Vernunft von ganz alleine über zehn Liter plus x. Eine Freundin fuhr ihr BMW-Cabrio nur einen Sommer lang, dann war ihr die Kutsche zu teuer.

Ich will dich wiedersehen

Foto: Anne Grieger

Hui, der Sommer der Liebe sollte zumindest nicht an der BVG scheitern. Ich stolperte gerade über eine Anzeige für die Webseite “Meine Augenblicke”. Dort können Fahrgäste Mitreisenden eine Nachricht schreiben, die ihnen sympatisch waren. Ein Busfahrer aus Spandau sucht eine Frau, die er ein paar Stationen befördert hat, ein Backpacker, der gerade aus Großbritannien zurückgekommen ist, blickte bei der Fahrt im Bus 171 in die schönsten blau-grauen Augen, die er je gesehen hat. Und und und.

Klingt ganz niedlich, aber ob das Konzept funktioniert? “Ich war unterwegs mit der U7, Berlins schlimmster Linie, da stand plötzlich dieser Mann, den ich unbedingt einmal treffen muss..?” Der Beginn einer langen Freundschaft via BVG-Rettungsseite? Nun ja – Kontaktbörsen im Internet sind wahrscheinlich auch nicht besser und kosten sogar noch. Der Service der BVG ist jedenfalls umsonst…

Fotostrecke: Liebe in Berlin

Berlins neue Dörfer und ihre Feinde

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Nein, diese Fotos zeigen nicht die Neubausiedlung eines verschlafenen Bonner Vororts, das ist Berlin, die Metropole. Auf dem Gelände des alten Schlachthofes, an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, schießen seit einigen Monaten sogenannte “Townhouses” aus dem Boden, “Stadthäuser”, wie es hier auf dem Schild ein wenig missverständlich heißt. Das “Reihenhaus” gehört der Vergangenheit an, mit seinen Scheibengardinen und Terracotta-Sonnen im Blumenbeet. Von wegen Vorort-Charme – die Häuser verfügen vielfach über Dachterrassen und der Kiez liegt nur ein paar hundert Meter weit entfernt.

Wer müde geworden ist, ständig mit den Nachbarn um einen Kinderwagen-Abstellplatz im Treppenhaus zu feilschen, freut sich, hier eine Parzelle in Handtuchbreite zu ergattern. Die Infrastruktur scheint für Kinder ideal, auch Hunde bekommen Gesellschaft: Viele der Punks aus dem Samariterkiez halten ebenfalls Hunde. Das Ganze als eine Win-Win-Situation zu sehen, wäre sicher falsch, denn diese Bauvorhaben haben viele Gegner. In der “schönen neuen Townhouse-Welt” wittern sie wie Bild.de eine Abgrenzung der bürgerlichen Mittelschicht – und zwar mit Schlagbaum abgeriegelte Straßen. Durch Farbbeutel-Attacken werden die neuen Fassaden zwar fleckig, doch wird man sich in Berlin an dieses Bild gewöhnen müssen. Auch auf der Halbinsel Stralau, in Mitte hinter dem Auswärtigen Amt und in Prenzlauer Berg sind ähnliche Wohnanlagen entstanden.

Fotostrecke: Architektur in Berlin

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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