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Berlin brutal #2: Eine mongolische Studentin erzählt

Im Dezember werden die Grenzkontrollen zu den meisten neuen EU-Mitgliedstaaten entfallen, und ab 2009 dürfen Polen, Tschechen und andere wohl endlich in der Bundesrepublik arbeiten. Alina nützt das herzlich wenig, für Nicht-EU-Ausländer ändert sich nichts. “Ich habe schon umsonst gearbeitet, am Anfang”, erzählt sie. Um den Lohn geprellt wurden auch Freundinnen. “Die wissen, ohne Papiere kann man sich nicht wehren.”

Als Teilnehmerin an einem Deutsch-Kurs hatte Alina zunächst keine Arbeitserlaubnis und jobbte in einer Eisdiele in Potsdam. Eine unschöne Zeit, es gab immer wieder Kunden mit “schlechten Manieren”, sagt sie. In dem Charlottenburger Café, in dem sie jetzt arbeitet, ist zumindest die Atmosphäre netter. Keine fremdenfeindlichen Musterdeutschen. Viele Gäste hocken stundenlang über ihrer Zeitung, aber am Ende haben die meisten doch nur zehn Cent Trinkgeld übrig.

Fallstrick Krankenversicherung

Eigentlich zählt Alina zu den Privilegierten, die Eltern sind Diplomaten. Die Entscheidung, dass die Tochter im Ausland studieren würde, fiel ohne deren Einwilligung. “Als 17-Jährige konnte ich nicht mitreden.” So lernte sie Deutsch, durchlief das für Ausländer obligatorische Studienkolleg zur Vorbereitung auf ein Studium und suchte sich einen Job als Kellnerin, um das Studium zu finanzieren.

Ein kurzer Krankenhausaufenthalt noch vor Semesterbeginn kostete Alina jedoch zwei Jahre: Ohne Krankenversicherung war die Privatrechnung für den Rettungswagen und einen kurzen stationären Aufenthalt immens. Mit 2500 Euro Schulden war an ein Studium erst einmal nicht zu denken.

“In der Mongolei ist vieles einfacher”, sagt sie. “Man kennt jemanden, der jemanden kennt, der einen behandelt.” Bestechung also? Alina lacht und spricht von “Freundschaftsdiensten”. Wenn sie in zwei Jahren nach Asien zurückkehren wird, will sie bei einer Hilfsorganisation arbeiten. “Dort gibt es so viel zu tun, die brauchen immer Leute.” Für Praktika während des Studiums bleibt keine Zeit.

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16 Kommentare zu “Berlin brutal #2: Eine mongolische Studentin erzählt”



  • Nach langem Auslandsaufenthalt lebe ich erstmalig in Berlin. Über die Rücksichtslosigkeit und Frechheiten der Berlin bin ich zuerst entsetzt. Über die Ellebogenmanier und die schlechten Manieren bin ich schockiert. Als deutsche habe ich selten so ein rüdes Verhalten in einer anderen Stadt deutschlands erlebt und kann mich dem Empfinden Ole von Beuys nur anschließen. Dass aber Menschen für verrichtet Arbeit auch keinen Lohn bekommen ist der absolute Abstieg unsere deutschen Gesellschaft. Nichts wie raus aus Berlin und alle Freunde warnen ist meine Parole.


  • …und wenn sie endlich ausgebildet sind mit allen Mühen, die man sich kaum vorstellen kann, dann werden Studenten aus Ländern der Dritten Welt wieder ausgewiesen. Das nenne ich eine paradoxe Bildungspolitik. Hier in Deutschland herrscht Fachkräftemangel und Vergreisung und dort Chaos, Korruption und Bürgerkrieg.


  • Und was will uns jetzt dieser Artikel eigentlich sagen?? Vieles darin ist doch sehr unklar: Wenn die Mongolin einen Aufenthaltstitel hatte dann war sie auch krankenversichert. Wenn nicht, war sie illegal in Deutschland. Wenn sie arbeitet, ohne eine Arbeitserlaubnis zu besitzen, dann ist das ebenfalls illegal. Und die Korruption in der Mongolei als “Freundschaftsdienst” zu verharmlosen lässt mich doch sehrdaran zweifeln, ob diese Art von Migranten ein Gewinn für dieses Land wären..


  • Schon mal was von einer Reisekrankenversicherung gehört?? Wenn ich ins Ausland reise, schliesse ich ein solche ab. Basta. Alles andere ist grob fahrlässig. In keinem Land der Welt kann man damit rechnen,kostenlos behandelt zu werden. Im übrigen gibt es genug Deutsche, die sich inzwischen keine Krankenversicherung mehr leisten können (wollen?),
    prekäre Selbstständigkeit genannt. Wer in anderen Ländern schwarz arbeitet, kann auch dort übers Ohr gehauen werden. Das ist unschön, aber
    passiert. Insofern, finde ich den Artikel schlecht geschrieben, es bleiben zu viele Fragen offen.


  • wie es so schön heisst (wenn auch plakativ) ”andere länder, andere sitten”. aber, wie hr. trasolt geneigt ist, die sogenannten freundschaftsdienste mit korruption gleichzusetzen ist mE eine nicht haltbare anschuldigung und darüberhinaus gar eine diskriminierung derjenigen die eben nicht in prüder rechtsstaatlichkeit aufgewachsen – von dieser geprägt – sind und in ein ‘entfremdetes’ deutschland kommen (aus welchen gründen auch immer sei dahin gestellt) und anderes (solidarität wäre denkbar, oder?!) gewohnt sind. ferner richtet sich diese ->genormte>freundschaftsdienst = korruption<<) mit korruption gleichzusetzen ist denke ich wert kritisch hinterfragt zu werden und sich und seine einflüsse in diese überlegung miteinzubeziehen und sich den unterschieden bewusst zu werden und darin auch alternativen für einen selbstgerechteren umgang zu sehen – anstatt zu verurteilen. der ausspruch ”ob diese art von migranten ein gewinn für dieses land wären” fundiert meine erwägung. was ist denn ein gewinn für dieses land – konformität?


  • (im vorrigen post wurde ein teil meiner äusserung, warum auch immer, geschluckt. hier die rekonstruktion des geschriebenen)

    ferner richtet sich diese genormte vorstellung gegen menschen die in jenen ländern leben und ein anderes ‘miteinanderumgehen’ pflegen. ich möchte dem verfasser keine rassistischen motive unterstellen, aber gemäß einer stoiberischen leitkultur, die andersheit nicht akzeptieren, tollerieren zu wollen, unterschiede abzuwerten und ‘migranten’ jener herkunft daher aus der ‘deutschen gesellschaft’ auszuschliessen ist mE eine aufwertung der eigenen person (wenn auch oftmals unbewusst – erfolgreich! sozialisiert) und im zuge dessen die abwertung des anderen. die motivation, “Dienste des allgemeinen Wohls” mit korruption gleichzusetzen ist es denke ich wert kritisch hinterfragt zu werden und sich und seine einflüsse in diese überlegung miteinzubeziehen und sich den unterschieden bewusst zu werden und darin auch alternativen für einen selbstgerechteren umgang zu sehen – anstatt zu verurteilen. der ausspruch ”ob diese art von migranten ein gewinn für dieses land wären” fundiert meine erwägung. was ist denn ein gewinn für dieses land – konformität?


  • @ Jens

    Was für´n Stoff hast Du da geraucht? Komm mal wieder runter!


  • das bleibt mein geheimnis..
    was mich stört ist die gleich- und somit unterstellung.. es kann ja durchaus sein, dass korruption in der mongolei vorherrschend ist, aber davon wird in der aussage von “alina” nichts erwähnt, sie nennt es freundschaftsdienste, was für sie, hr trasolt, nach korruption klingt. das bild was sich aus dem zusammenhang ergibt ist jenes der stereotypisierung, sie nehmen also ohne jeglichen anhaltspunkt an, dass es so ist. gut, jetzt könnte man dem entgegenbringen, dass die eltern diplomaten sind und somit ohnehin in anderen kreisen im gegensatz zur allgm bevölkerung verkehren und dadurch sich andere möglichkeiten eröffnen. aber selbst wenn man sich darauf stützen würde, wäre es noch kein indiz für ‘kriminelle machenschaften’ denn es ist ein anderer “kultur”kreis mit ebenso anderen “wert”vorstellungen. und eben jene gleichsetzung mit der ‘provokanten’ frage/äusserung am schluss ihres komentars ist mE wert die darin liegende verallgemeinerung und abwertung zu thematisieren. abwertung insofern, dass die behauptung aufgestellt wird das alle aus der mongolei (was auch beliebig durch andere, der nicht westlichen zivilisation und ihren wertvorstellungen und normierungen entsprechenden, länder ersetzt werden kann) kriminelle seien und denjenigen somit der zugang verwährt werden sollte. das wäre dem ausspruch gleichzusetzen: “türkische männer unterdrücken ihre frauen”. und mal ganz im erst: in deutschland gibt es keine korruption??


  • Also ich finde den Artikel frech.

    Die gute Frau kommt aus einen Entwicklungsland in ein seit Jahrhunderten hoch entwickeltes Land und wundert sich darüber das hier vieles anders ist.

    Komisch.

    Das man Versicherungen erst abschließen sollte, muss sich sich doch schon rumgesprochen haben? Und das man in einer fremden Stadt/Land ggf. keine Freunde hat ist doch auch schon vorher klar.

    Vieleicht sollte die Gute überdenken zu studieren.

    Wäre doch schade wenn wir dann hier darüber lesen würden, dass Berlin oder Deutschland Schuld daran ist weil Sie Ihr Studium nicht geschafft hat.


  • tja, die utopie – “dass auschwitz nicht nochmal sei” – wird wohl auch (leider!) lediglich als solche bestehen bleiben..
    eigentlich wollte ich es bei meinen abgegeben kommentaren belassen, aber bei diesen haltungen juckt es mich schon dagegen zu sprechen, denn bei solchen äusserungen verwundert es nicht, dass die npd in einigen bundesländern im landtag vertreten ist.
    wie anmaßend zu behaupten, dass deutschland seit jahrhunderten ein HOCH ENTWICKELTES land ist.. wäre es das (gewesen), wäre auschwitz nie geschehen. HOCHtechnisierung gut und schön, aber ist das eine HOHE ENTWICKLUNG? ist es eine hohe entwicklung, wenn t-mobile manager die unternehmenssteuerreform beklagen und zusammen mit dem dachverband der unternehmerverbände einen ihnen geneigten gesetztentwurf präsentieren, der dann nahezu 1zu1 vom finanzministerium (eichel’s aera) übernommen wird, nur weil man seinen eigenen profit geschmäht sieht und damit steuerliche belastungen auf andere bereiche der gesellschaft umlegt..? ist es eine hohe entwicklung, wenn der bahnvorstand die eigenen bezüge ad libitum erhöht und die forderungen der angestellten an der basis ignoriert? (vielleicht ein nicht ganz so geignetes beispiel, dafür aber aktuell) – also wo bitteschön sind wir HOCH ENTWICKELT? technisch vieleicht, aber menschlich?
    ist klar, wir deutschen mit unserer hoch”kultur, mit der wir uns so sehr brüsten – dabei war selbst j.w.goethe nachfahre von migranten aus dem gebiet der jetzigen türkei (großvater), ebensolches trifft auf beethoven zu dessen vorfahren aus dem flämischen brabant stammten… seltsam nicht? unser aller ‘kultur’ ist migrations’kultur’? deswegen nochmals die frage: wo sind wir hoch entwickelt? sind WIR hoch entwickelt? ist der nationalsozialismus eine HOHE ENTWICKLUNG (gewesen)?

    “halbbildung beschränkt sich längst nicht mehr auf den geist, sondern entstellt das sinnliche leben” (t.w.a.)


  • Sain bainuu!

    Diese ganze Diskussion läuft ja wohl etwas schief.
    Jeder, der mal längere Zeit in der Mongolei gelebt hat, weiß, dass diese sogenannten “Freundschaftsdienste” nicht für jeden erschwinglich sind. Auch wenn es “unhöflich” klingt: Korruption bleibt Korruption, dazu gibt es sogar einen internationalen Index, den sich jeder anschauen kann. Da kann man sehen, wo sich die Mongolei einreiht.
    Falls dies “Alina-Geschichte” nicht völlig ausgedacht ist, zeugt sie für mich von einer sozial-romantischen Vorstellung der Verfasserin über in Deutschland lebende Ausländer und zweitens von Dummdreistigkeit oder Extremnaivität dieser “Alina” (Alina ist auch kein mongolischer, sondern ein russischer Name).

    Alle Mongolen, die ich kenne, in der Mongolei oder in Berlin, wissen genau, dass man für einen Studienaufenthalt eine Krankenversicherung sowie eine gewisse Summe Bargeld benötigt, die man nachweisen muss.
    Das ist übrigens genau so, wenn man in Australien oder den USA studieren will.
    Woraus hier jetzt ein “Berlin brutal” konstruiert werden soll, ist mir ein Rätsel.
    Übrigens, ich bin Ausländer in der Mongolei, ich habe eine Krankenversicherung (muss die Ärzte trotzdem extra bezahlen) und darf ohne Arbeitserlaubnis auch nicht arbeiten, weil ich sonst abgeschoben werden kann!

    Altan urag


  • Nachsatz:

    Dass das Mädchen um ihren Arbeitslohn geprellt wurde ist natürlich unrecht.
    Aber auch in der Mongolei werden Ausländer um ihren Arbeitsverdienst geprellt, vor allem die dort auf dem Bau tätigen Chinesen.
    Und wie die Mongolen ihre Kellner behandeln, möchte ich hier lieber nicht beschreiben…
    Frag’ mal nach bei Alina!

    Altan urag


  • dass es so sein mag bestreite ich auch nicht, ich finde jedoch die konstruktion der argumente und die kopflose verallgemeinerung sehr fragwürdig und habe meine kommentare lediglich darauf bezogen.
    dass es ungleichheit nicht nur hier in deutschland gibt ist mir auch bewusst, jedoch wurde in den vorranstehenden kommentaren mit dummdreistigkeit und extremnaivität (um diese wortschöpfungen mal zu verwenden) nur so um sich geworfen, anstatt zu hinterfragen…


  • alina geschichte ist 100 pro erfunden mit vielen denkfehlern. nicht mal eine diskussion wert.


  • Die Geschichte ist leider wahr. Der Name wurde geändert.


  • Hallo zusammen,
    habe als Deutscher 4 jahre in Ulan Bator gelebt und gearbeitet.Habe dort erfahren müssen,wie man dort als Ausländer behandelt wird.Habe überwiegend dort Misstrauen und Neid, und zum Teil Fremdenhass zu spüren bekommen.
    Dieses Land koruppt vom kleinsten Mitglied dieses Volkes,bis zum Parlamentabgeordneten.Ohne Bestechungen im
    täglichen Leben,hast Du keine Möglichkeiten,dort etwas zu erreichen,oder in Ruhe zu leben.Bin sehr froh,wieder hier zu sein.Meine Frau ist Mongolin,sie sagt mir oft,daß Sie ihr Heimatland nicht vermisst.Sie schätzt unser Land sehr,und will hier leben.Ich rate jedem,der in unserem Land
    nicht glücklich ist,er möge doch mal in der Mongolei leben.
    In diesem Sinne

    Viele Grüße

    H.Weyhmann

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