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Potsdam, du Schöne

Foto: Anne Grieger

Freitag ist der Tag der Süddeutschen – wegen des Magazins. Heute ein Glücksgriff, die Seite Drei der Zeitung ist Potsdam gewidmet. Ich bin selbst auf dem Weg nach Potsdam. Artikel über Orte, an denen ich mich aufhalte, lese ich gern. Potsdam sei die am meisten boomende Stadt der Republik, inzwischen für viele attraktiver als Hamburg. Vor wenigen Jahren noch als Stadt der Depressiven abgeschrieben, als Stadt der früheren DDR-Bonzen, habe Potsdam mittlerweile eine Entwicklung durchgemacht, die ohne Beispiel sei. Eine der wenigen ostdeutschen Städte, die nicht schrumpft, sondern kontinuierlich (wohlhabende) Neubürger hinzu gewinnt und eine Akademikerquote von rund 18 Prozent aufweist. Namen wie Günther Jauch, Wolfgang Joop und Nadja Uhl werden seit längerem mit Potsdam in Verbindung gebracht, weitere Promis folgten und kauften leerstehende Villen rund um die Seen.

Am Bahnhof Charlottenhof steige ich mit lauter Touristen aus. Auch sie wirken verloren, wollen offenbar in Richtung Neues Palais und sind zu früh ausgestiegen. Gegenüber des Neuen Palais befindet sich die Universität, ein Gebäudekomplex, der einladend wirkt. “Die absolute Traumstadt zum Studieren”, meinte mal eine Bekannte, die aus Süddeutschland kam, und sich bewusst gegen Berlin entschieden hat. “Die neue Spießerstadt des Ostens”, meinte ein anderer Kumpel, ein Potsdamer, dem “snobistische Wessis” suspekt sind, und der sich als Chronist des Wandels gebärdet. Auch Potsdam polarisiert offenbar.

Ich komme selbst immer nur als Touristin nach Potsdam – mit meinem Berliner Semester-Ticket ging das bis vor kurzem umsonst. Ein paar Stunden in Potsdam lassen die Hässlichkeit meiner Wahlheimat Neukölln jedes Mal stärker zutage treten, als mir lieb ist. Zurück am Hermannplatz will jemand mein Bahnticket haben, Zigaretten, die ich nicht besitze, und zwei kleine Roma-Mädchen lassen mir keine Ruhe. Potsdam, das kleine Paradies im Osten, liegt nur gute 30 Kilometer weit entfernt.

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2 Kommentare zu “Potsdam, du Schöne”



  • “Freitag ist der Tag der Süddeutschen – wegen des Magazins.”
    haha
    bei mir auch, mit Grüßen aus Wedding nach Neuköln


  • Hallo, liebe Fluchtneuköllner und -weddinger, ich fahre fast täglich in die umgekehrte Richtung – und fühle mich dabei wohl!!!

    Was haben Neukölln und Potsdam gemeinsam? Kaum zu glauben, aber wahr: Die prozentuale Jugendkriminalität!!! Potsdam ist nämlich mehr als die von Touristen in Filzpantoffeln plattgetretenen preußisch-holländischen Quadratkilometer! Mehr als die Hälfte der Einwohner leben in der Platte.

    18% der Bürger Akademiker? Was tun die mit ihrer gesammelten Intelligenz? Das zweite frei gewählte Brandenburgische Parlament baut ein Preußenschloss wieder auf!!! Ist das das richtige Symbol für eine zukunftsfähige Stadt, die Ressourcen in neuen Wirtschaftszweigen entwickelt?

    Unsere ausländischen Gäste können wir nicht abends allein mit der Straßenbahn fahren lassen. Eine chinesiche Abiturientin, die lange in Potsdam gelebt hatte, wollte hier keinen Studienplatz – und ging nach München! Auch deshalb, weil die Aufenthaltsbürokratie dort entgegenkommender war als in Brandenburg. Bei jedem Bürokratietermin, den Sie hier hatte, mussten wir sie begleiten, damit sie überhaupt in den Genuss elementarer deutsch-bürgerlicher Höflichkeit kam.

    Es gibt anscheinend eine Nachfrage nach deutschen Nostalgiestädten ohne große historische Hinterfragung. In Kalifornien und China werden sie nachgebaut. Damit sollten wir uns zufrieden geben und andere Profile entwickeln.

    Dieter

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
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  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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