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Monatsarchiv für April 2009

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Reisen ins unbekannte Land vor unserer Haustür

Hof im brandenburgischen Dorf Steinhöfel im Landkreis Oder-Spree - Foto: Henning Onken

Viele Berliner sind auch an den Stränden von Goa in Indien zu Hause, oder haben schon in den Londoner Docklands einen Kaffee getrunken. Ich wage allerdings zu behaupten, dass bei aller Weltläufigkeit die Mehrzahl dieser Globetrotter das Land vor ihrer Haustür ausklammert.

Sie verachten Brandenburg, weil sie den Gemeinheiten Rainald Grebes Gehör schenken, hinter jedem Acker die Nazis von Potzlow vermuten und die Geschichten über Babyleichen im Hinterkopf behalten. All jenen sei gesagt: Es ist tatsächlich schrecklich hier, es sieht fast überall so aus wie im Spreewald bei Lübbenau, wo sich Kanuten in dem dichten Netz aus Kanälen nur verirren können (Bild Mitte).

Kanäle im Brandenburger Spreewald, nördlich von Lübbenau - Foto: Henning Onken

Und nun zu den schönen Seiten Brandenburgs: Es gibt gut ausgebaute Radwege, schöne Landschaften und freundliche Menschen. Ein Tagesausflug in die Uckermark, den Spreewald oder die Märkische Schweiz ist nur zu empfehlen. Man plant eine Tour, kauft eine Radkarte dazu und verabredet sich mit Freunden. Das Brandenburg-Ticket der Bahn kann man sich teilen.

Blick in der Uckermark auf das Uckertal. Fotografiert vom Rastplatz Seenblick, der am Radweg zwischen Potzlow und Fergitz liegt. - Foto: Henning Onken

Radtourenvorschläge für Brandenburg
ADFC: Regionale Radwege in Brandenburg

Umsonst und draußen

Umsonst und draußen - Foto: Henning Onken

Ein Bewohner der Proskauer Straße hat offenbar Frühjahrsputz gemacht und seine überzählige Habe ganz nach Berliner Art  an den Straßenrand gestellt. Der Grill samt Kohle steht da wie gerufen für einen Feierabendausflug in den Volkspark und den Kunstblumen blüht ein zweites Leben in der schattigen Erdgeschosswohnung eines Passanten. Alle diese Sachen waren ziemlich schnell verschwunden. Aber wer braucht eigentlich jetzt einen Schlitten?

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Durchs Netz gefallen

Ungefähr 350.000 Mal im Jahr fährt irgendwo in Berlin ein Möbelwagen vor. Fast so alltäglich wie ein innerstädtischer Umzug ist das Anliegen, den Internet-Vertrag dabei mitzunehmen. “Das ist natürlich überhaupt kein Problem”, sagt der Kundenberater meines Anbieters, den ich nach einer unendlich nervenden Prozedur von Sprachcomputern schließlich an der Strippe habe. Alles ist abgemacht, doch sechs Wochen später kommt eine Absage: “Aus technischen Gründen müssen wir Ihren Auftrag leider stornieren”, heißt es in der Mail. Den nutzlos gewordenen alten Vertrag soll ich aber weiterbezahlen.

Ich glaube an einen Witz, schließlich bin ich mitten in Berlin nur in eine Wohnung auf der anderen Straßenseite gezogen. Doch auch die Konkurrenz schickt Absagen: Mal heißt es , “bei Ihnen in der Straße sind alle Ports belegt”, mal liegt meine Bleibe nicht im Ausbaugebiet des Anbieters. Nach einem halben Jahr wackligem Wlan eines netten Nachbarn rettet mich schließlich das Kabelnetz.

Diese Begebenheit erzählte ich kürzlich einer Bekannten, die ganz ähnliche Erfahrungen mit dem gleichen Anbieter gemacht hatte. Die eher zurückhaltende Freundin gestand, in ihrer Wut am liebsten auf Werbestände “einschlagen” zu wollen…

Es wäre vielleicht hilfreich, wenn beim Senat mal jemand den Finger hebt, wenn die Bundeskanzlerin wieder davon spricht, in ländlichen Regionen das Internet auszubauen.

Picknick auf dem Dach

prinzipzeichnung_berliner_dach

Der Tür zum Dachboden fehlt die Klinke, doch mit einem Löffel lässt sie sich ohne weiteres öffnen. Es wäre einfach, mit einer Flasche Wein durch eine Dachluke ins Freie zu steigen und die Straße zu beobachten. Aber die Idee kommt mir erst nach sechs Jahren Berlin. Aus Ärger über zugemüllte Parks.

Berliner Dächer sind toll. Firste sind viel breiter, als man als ängstlicher Mensch vermuten würde und dort, wo es bislang nur wenige Dachgeschosswohnungen gibt, sind sogar kleine Spaziergänge möglich. Und diese Ruhe. Kaum ein Nachbar, der sich sechs Stockwerke hochschleppen und an einer verschlossenen Tür rütteln würde.

Bleibt zu hoffen, dass sich Berliner Hausbesitzer vorerst keine Gedanken über Solarzellen machen und sich mit dem Ausbau von Dachgeschossen Zeit lassen.

Abbildung: Wikipedia

Im Herzen doch Neuköllner..

img_2015bAuf die Idee muss man erst mal kommen: Bei Facebook machen sämtliche Bekannte den Test “Welcher Berliner Bezirk bist du?” Die Fragen reichen von der bevorzugten Musikrichtung über den beruflichen Kontext bis hin zur Lieblingsdroge. So what?

Bei einer Freundin kam Neukölln raus,  das hat ihr zu schaffen gemacht. Sie hat wohl als Lieblingsessen gutgläubig Currywurst statt Biobrot mit Biobelag angekreuzt, und zugegeben, “am liebsten einfach rum zu zappen”. Autsch. Ist doch klar, dass die sozial erwünschte Antwort, die für Kreuzberg oder Prenzlauer Berg qualifiziert, lauten muss: “Ich hab’ keinen Fernseher. Ich lese lieber.”

Ich empfehle zur Lektüre den neuen Berliner Sozialstruktur-Atlas 2008. Der ist heute von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgestellt worden, und zeigt, dass sich in den Bezirken Neukölln und Mitte die Armut verfestigt hat. Dass Pankow wegen Prenzlauer Berg einen leichten Anstieg der Pro-Kopf-Einkommen gegenüber 2003 verzeichnet, der Randbezirk Marzahn-Hellersdorf im Vergleich zur vorherigen Untersuchung vier Plätze im Ranking der Bezirke abgestürzt ist.

Und vieles mehr, das wir insgeheim geahnt haben – zum Beispiel, dass es aufwärts geht, mit einigen Kiezen in Friedrichshain-Kreuzberg.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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