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Annette will in den Bundestag

Annette will in den Bundestag - Foto: Anne OnkenAnnette Köhn steht vor ihrem Atelier, der Musenstube, und malt mit Wasserfarben die letzten Plakate für die Bundestagswahl am 27. September aus: 150 hat die unabhängige Direktkandidatin aus dem Reuterkiez schon mit ihren Mitstreitern ausgemalt und aufgehängt -  alles Illustrationen von befreundeten Grafikern und Künstlern, die die 33-jährige Frau mit schwarzer Kastenbrille zeigen. “Erststimme Annette: Für MeinGeld – Bedingungsloses Grundeinkommen” steht auf einem, “Für Erhalt und Erschaffung kreativer Räume!” auf einem anderen.

“Ich konnte mir nicht vorstellen, mit meinem Foto hier überall im Kiez zu hängen”, sagt sie und deutet auf ein Portrait von Yusuf Bayrak, einem anderem parteilosen Neuköllner Direktkandidaten. Von Leuten auf der Straße erkannt zu werden – das wäre ihr doch nicht so recht.

Dabei dürfte die Freiberuflerin, die seit drei Jahren gemeinsam mit vier Mitstreiterinnen die Musenstube – eine Mischung aus Büro, Atelier und derzeit Wahlkampfzentrale – betreibt, im Kiez inzwischen bekannt sein. Immer wieder fanden Ausstellungen und Konzerte in der Musenstube statt, Annette hat mit Schülern der benachbarten Rütli-Schule einen Flyer zur Selbstdarstellung der Schule entworfen.

Wohl wegen ihrer Kiez-Prominenz könnte auch die Bergpartei auf Annette aufmerksam geworden sein: Sie hatte Annette einen Listenplatz in Neukölln angeboten – was diese zunächst entschieden abgelehnt hatte. Das Manifest der Partei von Berliner Kulturaktivisten überzeugte sie dann aber doch. Da die Bergartei nicht zur Bundeswahl zugelassen wurde, weil der Bundeswahlleiter Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Partei hatte, kandidiert Annette nun als eine von 23 unabhängigen Direktkandidatin in Berlin:   “Zu Ehren der Bergpartei”, wie sie in ihrem Weblog schreibt.

“Ich will mit meiner Kandidatur alle ansprechen”,  sagt Annette, “auch wenn die Kreativen natürlich meine Zielgruppe sind.”  In Neukölln, wo jeder vierte arbeitslos ist, könnte die Idee des unabhängigen Grundeinkommens einige Anhänger finden.  Sie selbst arbeite auch einen Teil ihrer Zeit unentgeltlich, erzählt Annette. Auch ihr Wahlkampf ist ein Low-Budget-Projekt, sie hat gerade einmal 250 Euro ausgegeben – die Arbeitszeit einmal nicht eingerechnet.

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12 Kommentare zu “Annette will in den Bundestag”



  • Unter den Berliner Direktkandidaten ist die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen weit verbreitet, wie man auch in diesem Artikel sieht. Besonders natürlich in den Ostbezirken und Armutsquartieren wie Neukölln.

    Woran es mangelt sind nicht sogenannte Freiräume für Kreativität, sondern einfach die Kreativität mal endlich eine Bewerbung abzuschicken. Sicher kriegt nicht jeder und jede sofort das tolle Jobangebot, aber sich ein bisschen bemühen sollte doch drin sein…


    • Lieber Carsten, die Idee des Grundeinkommens entspricht nicht einem “Ersatz” für geleistete Arbeit, sondern soll es “bedingungslos” ALLEN ermöglichen, das Leben zu leben, welches sie wünschen. Deine Argumentation kommt noch aus Wirtschaftswunderzeiten, wo jeder “der sich anstrengt” Geld verdient. Punctum. Lieber Carsten, manchen Menschen reicht eben der Kontoauszug nicht. Sie möchten sich selbst verwirklichen und leisten dadurch einen Beitrag für die Gesellschaft. Es geht also nicht darum “irgendein Jobangebot” anzunehmen, sondern die eigenen Vorstellungen eines “guten Lebens” umzusetzen.
      Aber Du brauchst keine Angst zu haben, du darfst sicherlich auch nach Einführung des Grundeinkommens noch arbeiten – ganz sicher sogar ;-)


  • Nun ja darauf warten wir ja alle.

    Eine (gescheiterte?) Künstlerin will in die Politik. Das klingt sehr lebensfern aber passt zu dem genannten Zielen und diesem Bezirk.

    Selbstverständlich ist sorgt ein Wahlkampfpunkt -bedingungsloses Grundeinkommen für alle- für Wählerstimmen.
    Wer sagt denn nein zur Forderung “Geld ohne Gegenleistung”? Vor allem in einem Bezirk mit viel Arbeitslosigkeit.

    Wenn die Dame dann aber gewählt wurde profitiert leider nur sie. Sie hat (endlich?) ein festes (gutes) Einkommen. Ihre Wahlziele sind vergessen weil, nicht umsetzbar. Weder finanziell noch mehrheitsfähig.

    Leider lässt sich aber Neukölln nur mit viel Arbeit reformieren.

    Wobei der Reuterkietz mit seiner Nähe zu Britz noch geht. Dort wohnen noch viele Deutsche. Nordneukölln ist eher ein Schwerpunkt.

    Der einzige der mich da derzeit überzeugt ist Hr. Buschkowsky. Selbst der hat aber keine Mehrheit und die nötigen Mittel für eine Verbesserung der Situation.


    • Hallo Sarah, wer sagt denn, dass diese Frau eine gescheiterte Künstlerin ist? Vielleicht ist sie im Gegensatz zu etablierten Politikern einfach näher dran und weiß, was viele Menschen in ihrem Kiez beschäftigt. Ob Herr Buschkowsky als Bezirksbürgermeister mit seinen unorthodoxen Methoden da immer so richtig den Durchblick hat, wage ich zu bezweifeln. Grüße, Jana


      • Selbstverständlich sind Hr. Buschkowsky´s Methoden anders als die “Kuschelpolitik” von Rot/Grün oder Rot/Rot.
        Sie wird ja mit “Fordern und Fördern” bezeichnet.
        Wer nicht will bekommt kein Geld. Nur so gehts.

        Das diese Methode funktioniert steht jedenfalls ausser Frage da ja in anderen Ländern damit erfolgreich gearbeitet wird.

        Ob diese Künstlerin erfolgreich ist oder nicht spielt eigentlich keine Rolle. Ist aber sehr unwarscheinlich.

        Sie mag auch näher dran sein aber darauf kommt es in der Politik nicht an.
        Die Forderung nach mehr Raum für Kreative hört sich auch eher nach Graffittisprayer an.


        • Ich habe zwei Bilder der Künstlerin in meiner Wohnung zu hängen.

          Schön, dass Sie sie erst abqualifizieren wollen und im nächsten Beitrag behaupten es sei unerheblich.


  • Bin ja ganz verwundert über diese merkwürdigen Kommentare und könnte jetzt auf viele Punkte eingehen und seitenweise schreiben, aber ich muss ja auch noch an meine Arbeit denken und mir die Zeit für diese nehmen.
    Aber ein paar Punkte muss ich doch mal richtig stellen:
    1. ich bin nicht gescheitert! Ich bin arbeitstüchtige, bewerbungsschreibende, selbständige Grafikdesignerin und gefühlte Künstlerin, dazu Galeristin, Mutter, Freundin und gerade eben auch Politikerin
    2. ich fordere das bedingungslose Grundeinkommen für ALLE ein
    3. ich würde genauso weiterarbeiten wie bisher (viel und mit viel Engagement)
    4. Freiraum heisst nicht Verschandelung von privaten Hauswänden, sondern Plätze, Orte, Räume, die nicht kommerzialisiert werden, damit wir hier FREI leben und kreativ sein können und wir Einfluss nehmen können auf unser Stadtbild/Lebensraum.


    • Damit wäre das geklärt.

      Punkt 1 sagt alles aus was noch offen war. Den lasse ich mal so stehen.

      Der Rest liest sich so wie es im Wahlkampf von Kandidaten zu erwarten ist.

      Ich glaube zwar nicht das Sie tatsächlich den Hauch einer Chance haben aber trotzdem viel Glück.
      Das ist aber grundsätzlich nicht schlimm weil sie eh allein nichts hätten umsetzen können sondern nur als “Mehrheitsbringerin” für die großen Parteien da gewesen wären.


  • Zitat Sahrah:
    Wobei der Reuterkietz mit seiner Nähe zu Britz noch geht. Dort wohnen noch viele Deutsche. Nordneukölln ist eher ein Schwerpunkt.

    Zitatende

    noch mehr NORDneukölln als der Reuterkiez geht doch wohl gar nicht. Du weiß nicht einmal, wo der liegt……


    • Sind sie schon mal dort gewesen? Ich glaube nicht und denke sie verwechseln da was.

      Ich wohne dort übrigens. Über Neukölln sollten übrigens lieber nur nur Neuköllner schreiben. Denke ich mal.


      • Sie sind ja niedlich.
        Wenn alle nur über das schreiben wovon sie Ahnung haben, dann wäre es hier ganz schön still. Auch Ihre Äußerungen zum Scheitern von Annette wären uns erspart geblieben.

        Außerdem bleibt die Frage ob das Bewohnen einer bestimmten Gegend zu qualifizierteren Aussagen führt.


      • Zitat Sarah
        “Wobei der Reuterkietz mit seiner Nähe zu Britz noch geht. Dort wohnen noch viele Deutsche. Nordneukölln ist eher ein Schwerpunkt….”

        “Sind sie schon mal dort gewesen? Ich glaube nicht und denke sie verwechseln da was.

        Ich wohne dort übrigens. Über Neukölln sollten übrigens lieber nur nur Neuköllner schreiben. Denke ich mal.”

        Ende Zitat

        Der Reuterkiez ist das Areal um den Reuterplatz, Und das ist nun eindeutig Nord-Neukölln und nicht unbedingt in der Nähe zu Britz oder sonstwo….

        Und ich wohne Sonnenallee / Ecke Reuterstrasse, ist zwar nicht im, aber doch am Reuterkiez, meine Kinder gehen IM Reuterkiez zur Schule….

        Woimmer Sie wohnen, wenn Sie meinen der Reuterkiez sei dort (Britz??? Fritz-Reuter-Allee????) und nicht in Nord-Neukölln…..

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
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