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Tschüss Berlin: Wenn der Bus erst wieder in München hält

Jedes Jahr verlassen mehr als 100.000 Menschen Berlin. Die Glücklichen freuen sich auf besseres Wetter in Barcelona oder einen Job in Hamburg. Manch einer bekommt jedoch den Großstadtkoller und geht zurück nach Mittweida in Sachsen. Tausende andere aber fühlen sich vertrieben. Vom Arbeitsmarkt verschickt auf endlose Lehr- und Wanderjahre. Wohin geht die Reise dieses Mal? Lost in Freiburg, fremd in Buxtehude oder verzogen nach Tschechien…

Es wird von uns erwartet, mobil zu sein, unabhängig und heimatlos – und wenn wir gehen, hinterlassen wir eine leere Wohnung mit frisch geweißten Wänden und ratlose Freunde. Wir können uns ja skypen, sagt man sich. Mein Laptop hat eine Webcam.

Sollten sich zum Beispiel die Berliner Beschäftigten von Sat.1 schämen, “Olé, olé, wir bleiben an der Spree!” zu rufen? Der Sender hat die Telenovela “Verliebt in Berlin” gedreht, doch mit großen Gefühlen ist jetzt Schluss: 350 Arbeitsplätze werden nach München verlagert, 225 Stellen sollen gleich ganz wegfallen.

Irgendwann steigt man zum letzten Mal in einen BVG-Bus und wird am Bahnhof oder am Flughafen wieder ausgespuckt. Einer der letzten Eindrücke als Bewohner dieser Stadt ist eine angehende Studentin, die nervös und leicht desorientiert zwischen ihren fünf Koffern hin und hertippelt. Man schenkt ihr die nutzlos gewordene Monatskarte und es ist wie eine Übergabe beim Staffellauf. Man wechselt aus, sie wechselt ein. Irgendwo müssen die neuen Berliner ja herkommen. Willkommen!

Foto: Nicole Gräther
Fotostrecke: Liebe in Berlin

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7 Kommentare zu “Tschüss Berlin: Wenn der Bus erst wieder in München hält”



  • Das klingt schrecklich schicksalergeben und trostlos. Ist es wirklich so, so schlimm?


  • Schade dass Ich und meine Familie nicht mehr in Berlin leben kann!
    Nach eine Zeitbefristete Aufgabe in Berlin-Wilmersdorf sind wir zurück in Schweden. Wir vermissen die Stadt, die Berliner und Berlinerinnen, aber freuen uns jedesmal wenn wir eine kurze Besuch machen!
    Wir ziehen wieder nach Berlin als Rentner!


  • @Peter

    So unterschiedlich ist das: Ich als geborener Berliner möchte wenn ich Rentner bin auf keinen Fall mehr in der Stadt wohnen.

    Mir schwebt da eher was ruhiges auf dem Land vor.
    Einmal im Jahr bin ich aus familiären Gründen auch in Schweden. Schweden könnte mir im Alter gut gefallen.


  • Bin gebuertiger Berliner und lebe seit 1974 in den USA. Komme immer gerne zum Urlaub nach Berlin, aber zurueck ziehen moechte ich denoch nicht.
    Ha- ho-he…Hertha


  • also zuerst möchte ich mal erwähnen, dass zwar jedes jahr über 100.000 berliner wegziehen, aber es ziehen viel mehr leute nach berlin, als wegziehen. z.B. : 2007 verließen 114 951 berliner die stadt, gleichzeitig aber zogen 126 947 menschen nach berlin

    aber was ich eigentlich sagen wollte: Ich kann Sat.1 überhaupt nicht verstehen, der sender will nach münchen um ihre verwaltung mit der von prosieben zusammenzuführen, um kosten zu sparen, wenn es nicht anders geht, um finanziell zuüberleben, dann ist das ok, aber ich verstehe einfach nicht:

    WARUM HOLEN SIE DENN NICHT DIE RESTLICHE VERWALTUNG VON MÜNCHEN NACH BERLIN??????????????????????????????????

    also genau umgekehrt?

    wollen sich immer toll als news sender verkaufen, aber dann ist dieser schritt, also weg von berlin, weg von der regierung, doch genau das falsche!!!!

    die ziehen ja nicht mal nach münchen, sondern nach unterföhring, irgend so ein kaff irgendwo in der pampa!!!
    also da ist doch berlin mit abstand der bessere standort!!!

    meiner meinung nach sollte Sat.1 auf jeden fall nochmal ihre pläne überdenken, wenn sie auch nur ein bischen gesund menschenverstand hätten, würden sie in berlin bleiben!

    Sat.1 IST UND BLEIBT BERLIN!!!


  • Berlin ist immer eine Reise wert, aber aus der Distanz glänzt da eben doch mehr als bei näherem Kontakt zu überzeugen weiß.
    Nach langen Jahren in Schöneberg weiß man zu schätzen was man an der alten Heimat zu lieben wusste und auch wenn ich immer noch gerne hochreise so ist bei entsprechend realistischer Betrachtung München doch ein insgesamt fruchtbareres Feld.
    Wenn man vorhat Kinder aufzuziehen, die ihr Geld mit echter und weniger beaufsichtigter Arbeit verdienen wollen, wenn man erwartet, dass Übergriffe in den öffentlichen Beförderungsmitteln auch verfolgt und nicht larmoyant als Hintergrundgeräusch betrachtet werden – dann und aus unzähligen anderen Gründen ist München im Speziellen und Bayern im Allgemeinen sehr wohl die bessere Geschichte.
    Und wir sollten nicht vergessen, dass die Mediengeschichte sat1 doch irgendwann mal ein Münchner Kindel war – damals mussten auch Leute umziehen, ohne dass die Welt unter ging.
    Also Kopf hoch, er bleibt auch drauf und nach dem ersten Biergartenbesuch im Frühjahr, der ersten Runde im Englischen Garten oder auch dem ersten Glühwein am Marienplatz sieht die Welt besser aus, als man sich das so vorgestellt hat.
    Die Liberitas Bavariae kann ansteckender sein, als man sich das gerne eingesteht.


  • Das ist so die typische preußische Provinzialität. Als ob es eine Strafe wäre nicht sein ganzes Leben am selben Fleck zu verbringen. Mich persönlich würde das verrückt machen!
    Im Übrigen ist auch in München das Wetter viel besser als in BB-Sibirien, selbst der Winter ist hier eine Jahreszeit auf die ich mich freue – hät ich nie gedacht dass mir das mal so geht.
    Im Winter geht’s in die Berge zum Rodeln, Skifahren und wenn anstatt nasskaltem Schmuddelwetter die Welt in Weiß getaucht ist machen einem auch Minusgrade kaum was aus.
    Ich habe die Bayern lieben gelernt, aber auch meine Berliner Heimat neu endeckt – aber nur die besseren Lebensumstände sind es nicht die mich in München halten. Ein kleines Beispiel zum Schluß: in Berliner Lokalzeitungen wird stets berichtet wenn ein amerikanischer Promi die Stadt besucht hat, und wie er die Stadt natürlich geliebt hat (ein Amerikaner “loves” zwar alles, aber egal), in Berlin redet man von Hauptstadt und internationale Rolle und bemüht sich redlich Metropole zu sein. In München setzt man sich Abends an den Gärtnerplatz und kommt mit wildfremden Menschen ins Gespräch, nennt sich selbstironisch “Millionendorf”. Diese Gelassenheit zieht sich in München durch den Alltag, ich mag das.

Die Kommentare sind zur Zeit geschlossen.

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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