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Archiv für das 'tempelhof'-tag

Tempelhofer Depressionen

Ich hatte gedacht, in Tempelhof würde man sich über das Ende des Flugbetriebs freuen.  Über ruhige Abende ohne donnernde Triebwerke, leere U-Bahnen, weniger Straßenverkehr. Eine ziemliche Fehleinschätzung. Eine Rentnerin erzählt, sie habe vom Fluglärm in den letzten Jahren kaum noch etwas mitbekommen. Heute ärgert sie sich über vermüllte Grünflächen und leer stehende Ladenlokale. Der türkische Lebensmittelladen sei raus, Edeka habe geschlossen, außerdem zwei Banken. Das verstehe keiner, sagt die Frau, die seit 40 Jahren am Platz der Luftbrücke wohnt.

Der Besitzer des Fliegerladens hat eine Erklärung. Ein Investor habe die Mietpreise derart angezogen, dass viele Geschäfte in der Nachbarschaft aufgeben mussten. Kein Wunder, dass sich keine neuen Mieter fänden, wenn nicht klar sei wie es weiter gehe, mit dem Flughafengelände. Er schimpft auf die Politik, die kein überzeugendes Nutzungskonzept für den Flughafen vorgelegt habe. Auf die Modemesse könne er gut verzichten. “Zwei Mal im Jahr für zwei Wochen Bread & Butter, das ist doch kein Konzept.”  Ein Museum für Luftfahrt, das wäre was. Dann käme auch wieder mehr interessierte Laufkundschaft in sein Geschäft.

Ein anderer Ladenbesitzer kann seine ausländerfeindliche Gesinnung schlecht verhehlen. Hinter vorgehaltener beklagt er sich über Großfamilien, die zunehmend in große leer stehende Wohnungen zögen. Eine Neuköllnisierung Tempelhofs stehe bevor, orakelt er. In diesen neuen Nachbarn sieht er keine neuen Kunden.

Wäre das ein Viertel, in dem man sich wohlfühlen würde? In dem man bei jedem zweiten Einkauf Hasstiraden und nostalgische Geschichten anhören muss? Ich habe da so meine Zweifel. Aber ein riesiger öffentlicher Park in der Nähe, das wäre schon was. Wenn es denn irgendwann dazu kommen sollte.

Ziegen auf die alte Landebahn

Schafe nach Tempelhof - Foto: Anne Onken

Tempelhof den Ziegen – ja, das hat was.  Anwohner könnten gegen eine kleine monatliche Gebühr ein Viech pachten, hätten täglich frische Milch. An besonderen Tagen würde das Gelände für Schul- uns Kindergartenkinder geöffnet; als riesiger Streichelzoo.

P.S. Das Plakat hängt übrigens an einem Eingang zur Hasenheide in Neukölln – einem Park, den viele Berliner leider aus den Augen verloren haben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Krieg? Es rummst im ganzen Stadtgebiet

Sie nennen es “Feuerwerkskunst der Superlative” aber für viele Berliner ist das, was seit gestern auf dem Tempelhofer Flughafengelände stattfindet, ein Mordsgetöse. Wahrscheinlich hat es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr so laut gekracht wie in den drei Tagen der Pyromusikale. Während Pyromanen unter der Begleitung der Berliner Philharmoniker (!) Sprengsätze in den Nachthimmel ballern, klirren in Neukölln die Scheiben. Ein Bekannte hörte ihre Nachbarn schreien und macht sich nun Sorgen um im Bosnienkrieg traumatisierte Anwohner. Selbst in Lichtenberg ist das Spektakel noch zu hören.

Die Berichterstattung über dieses Event klingt dagegen fast euphorisch: “35.000 Besucher zeigen sich begeistert”, heißt es bei der Nachrichtenagentur dpa. Erstaunlich, dass ihnen nicht die Trommelfelle platzen. Immerhin ging am ersten Abend auch etwas schief: “Be Berlin”, der Mantra der Hauptstadtkampagne blieb dunkel. Der Trick aus 20.000 bengalischen Feuern scheiterte angeblich, weil Füchse die Zündkabel angefressen hatten. Guten Appetit!

Dass Berliner für solche Events Eintritt zahlen, ist allerdings verständlich. Denn zugegben: Ein Feuerwerk sieht gut aus. Immer.

Macht Euch keine Sorgen um Tempelhof!

_Am Rollfeld des Flughafens Tempelhof - Foto: Henning Onken

Es könnte Berlins Central Park werden, ein riesiger See, ein Berg oder ein neues Wohngebiet. Doch das sind Hirngespinste. Für viele Berliner ist ihr Flughafen Tempelhof so etwas wie das Grab eines nahen Verwandten: Nach der schmerzhaften Schließung im vergangenen Oktober hegt und pflegt man das Andenken so lange es geht. “Was habt ihr denn gegen den Zaun?”, raunzt ein weißhaariger Rentner aus der Neuköllner Nachbarschaft junge Demonstranten an, die am Jahrestag der Luftbrücke papierne Leitern an das Gatter heften. “Ihr wollt wohl ‘ne Haschwiese, wa?” – Man grinst und redet aneinander vorbei.

Die Initiative zur Massenbesetzung des Ex-Airports arbeitet an Tempelhof die bekannte Gentrifizierungsdebatte ab. Höhere Mieten durch den Bau von Luxuslofts auf dem Gelände verdrängen die sozial Schwächeren in den umliegenden Quartieren. Was dagegen passiert, wenn der Zaun einfach stehenbleibt, lässt sich schon jetzt beobachten: Gras wuchert durch das Asphalt der Rollbahn, Bäume schlagen in Beton-Nischen Wurzeln. Die Natur holt sich langsam ihr Terrain zurück, während der Senat plant, verwirft und diskutiert. Bald schon könnte es hier aussehen wie im ehemaligen Treptower Spreepark im Plänterwald. Wer dort durch ein Loch im Zaun krabbelt, findet im hohen Gras ein verrostetes Riesenrad, umgekippte Dinosaurier und Überreste einer Achterbahn. Willkommen im Ruinenpark Tempelhof!

Fotos vom Flughafen Tempelhof

Echte Männer pflanzen Bäume in Tempelhof…

Foto: Henning Onken“Rosinen ohne Bomber”? Ja, es gibt sie noch, die Bergpartei, und sie beteiligt sich an der Debatte um Tempelhof. Während Tempelhof-Gegner und Befürworter seit Monaten hoch emotionale Kampagnen zur Zukunft des Flughafens führen, mobilisiert die Friedrichshainer Partei mit mehr oder weniger subtilen Spitzen gegen den Volksentscheid. “Nur Schweine können fliegen” heißt es auf einem anderen Plakat.

Man wolle keine Empfehlungen für die Abstimmung geben, aber allein schon die Tatsache, dass die CDU eine Offenhaltung des Flughafens befürwortet, sei Grund genug, am kommenden Sonntag dagegen zu stimmen. Andererseits seien auch die Pläne von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), einen neuen Stadtteil aus dem Boden zu stampfen, “Schmetterlinge aus Beton”. Die Wahl zwischen Pest und Cholera sozusagen – oder mit den Worten der Bergpartei – zwischen “blöd und bescheuert”. Von steigenden Mieten und verbauten Aussichten für die Anwohner ist da die Rede.

Natürlich ist die Bergpartei nicht nur dagegen, auch wenn sich der Eindruck durchaus aufdrängt. Neben einem absoluten Bauverbot und einer Einstellung des Flugbetriebs wollen die Leute um Hauke Stiewe, dass jeder Berliner einen Baum auf dem Flughafengelände pflanzt. Da es wohl nicht dazu kommen wird, muss an dieser Stelle nicht nachgerechnet werden, ob die 386 Hektar Freifläche überhaupt ausreichen würden. Eine Anleitung zum Baum pflanzen gibt ansonsten das Männermagazin Men’s Health: “Drei Dinge muss der Mann bekanntlich im Leben vollbringen: Einen Sohn zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen. Letzteres wird in unserem überbauten Land langsam zur schwierigsten Aufgabe [...].”

Foto: Henning Onken

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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