“Die Größe der Stadt ist egal, Hauptsache ein Fluss oder Kanal”, meinte eine Freundin, die nie ohne Boot auskam. Das ist Jahre her. Gestern dann im “Freischwimmer“ am Schlesischen Tor, am Wasser. Der Steg am anderen Ufer ist voll – so voll, dass er schon bedrohlich schwankt. Lauter Erstsemester, denke ich. Diesmal bin ich es nicht, die den Altersdurchschnitt senkt. Beruhigend. Irgend etwas irritiert aber, schwer zu sagen, was. Ein Déjà-vu?
Das Bild eines Dauercampingplatzes mit Deutschland-Fahnen und Gartenzwergen, eine surreale Szene. Angst aufzuwachen, das Bild zu vergessen. Am Steg Angler. Männer in Shorts, dünnen weißen Supermarkt-T-Shirts und Plastiksandalen. Farblich passende Anstreicher-Hüte als perfekter Schutz für die Glatze. Ein Tag am Wasser und man sieht aus wie ein gekochter Krebs. Frauen? Irgendwo im Hintergrund, aber nicht angelnd. “Totale Reizüberflutung hier”, sagt die Ruder-Freundin aus Kindertagen. “Wir können unmöglich bleiben.”
Am anderen Ufer des Landwehrkanals an der Kaimauer wird ebenfalls geangelt. Zwei Angler in Zivil – ohne Hütchen und Weste. Einer holt seinen Schwimmer ein, etwas hat angebissen. Spannung auf unserer Seite des Kanals, einige Café-Gäste applaudieren freudig. Der Angler betrachtet den zappelnden Fang eine Weile, um ihn dann wieder ins Wasser zu werfen. Vielleicht ein Schwermetallfisch, denke ich. Den zweiten Fisch ereilt das gleiche Schicksal. Ebenso den dritten und vierten. Dumpf platschen die regungslosen Körper auf die Wasseroberfläche. “Die armen Fische”, sagt K., die Fisch auf dem Teller hasst. Der Unmut ist nicht zu überhören. “Ob die später alle mit einem großen Netz aus dem Wasser gezogen werden?”, überlegt sie.
Es ist dunkel geworden, unbemerkt haben sich die beiden Angler davon gemacht. Nach dem vierten Fisch habe ich nicht mehr weitergezählt. Das Thema beschäftigt uns aber doch noch eine Weile. Das Ergebnis: Die Angler fischen, um selbstauferlegte Quoten zu erfüllen. Planerfüllung schafft Sicherheit. Ob die weggeworfenen Fische mit dem Bauch nach oben flussabwärts treiben, ist den Anglern egal. Sobald sie ihre Quote erfüllt haben, gehen sie Hause. Zum Glasperlenspiel?









Und Ferrari-Flaggen vor dem Camper, und einen Jägerzaun drumherum. Vielleicht noch ein paar käsige Kinder, die sich zwischen toten Fischen um ein Schlauchboot kloppen.