Die Frau mit den orange-grünen Zöpfen löscht ihre halb aufgerauchte Fluppe mit den Fingern, sie will später noch ein paar Mal daran ziehen. Dann steigt sie in die U-Bahn der Linie 5. Ihr Hund, ein Husky,  schnuppert an Fahrgästen, stupst sie an und läuft von einem zum anderen. Ein Mann steht abrupt auf und wechselt den Wagen, andere streicheln dem Tier über den Kopf. Natürlich, der Schlittenhund ist ein Guter.

Das ist der Berliner Alltag, wie wir ihn kennen. Und hin und wieder zu schätzen wissen. Menschen in der U-Bahn betrachten, bis sie wieder aussteigen. Einige Minuten da sitzen und das Leben anderer Leute an sich vorbei rauschen lassen. Klar -  der freundliche Husky läuft ohne Leine herum, trägt weder Plakette noch Chip oder Maulkorb. Würde seine Halterin noch einen Kinderwagen die Rolltreppe hoch schieben – dann hätte sie in Berlin gegen die wichtigsten der neuen Vorschriften schon verstoßen. Aber was, wenn das niemanden beeindruckt?

Auf einem Spaziergang durch Kreuzberg sehe ich dutzende Autos ohne grüne Plakette oder Ausnahmegenehmigung.  In Prenzlauer Berg sagt eine Frau der Abendschau, sie wolle ihren Mops wie gewohnt auf dem Kollwitzplatz ausführen; Ordnungsgeld von 35 Euro hin oder her. Vielleicht hätte die Politik besser auf einige der neuen Gesetze, Normen und Verordnungen verzichtet. Sie erscheinen sinnlos, wenn bei Verstößen keine Sanktionen folgen. In den uns bekannten Verhältnissen wirken sie nur lächerlich – und das kann unmöglich ihr Zweck gewesen sein.

Meist diskutierte Artikel