Wäre heute nicht eine Flaschensammlerin in eine dieser Telefonzellen hinein gestiegen, hätte ich diese fast schon archaisch anmutenden Boxen wohl kaum wahrgenommen. Ich kenne sie nur als Ruinen und sie könnten jeden Tag verschwinden. Und niemand dürfte sie vermissen. Dabei standen noch Anfang der 90er Jahre Menschen auf der Warschauer Straße Schlange vor Telefonzellen. Längst nicht alle Haushalte in den Ostbezirken hatten einen eigenen Telefonanschluss.
Kaum vorstellbar heute, wo man schon ohne einen Internet-Zugang Beklemmungen kriegt. Es ist stressig, darauf angewiesen zu sein, dass der freundliche Nachbar wieder einmal sein W-Lan einschaltet, das mitgenutzt werden darf, bis der langsame Kundendienst der Telekom endlich den Anschluss für einen anderen Anbieter freigibt. Informationsjunkies brauchen hier und jetzt einen Zugang zum Netz, es könnte ja jemand eine Mail geschickt haben. Oder Friedbert Pflüger vielleicht doch auf die Kandidatur um den Berliner CDU-Parteivorsitz verzichtet haben. Das interessiert sofort, nicht erst morgen.
Nach ein paar Tagen der Entwöhnung muss ich feststellen, dass ich plötzlich mehr Zeit habe. Dass es auch ausreicht, nur einmal am Tag nach Mails zu schauen. Ich lese mehr Zeitung und fühle mich sogar besser informiert. Auch ohne Festnetzanschluss lebt es sich ganz gut, auch wenn das nicht unbedingt nachahmenswert erscheint. Die Handygebühren sind dann irgendwann doch zu hoch und öffentliche Telefonzellen? Können Sie lange suchen.










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