Indien war der Anfang vom Ende, sagt die Frau vom Landwehrkanal und legt die Häkelnadeln beiseite. Ohne Geld und Krankenversicherung in Indien mit einem Neugeborenen. Dies hier – sie deutet auf ihr provisorisches Lager aus Einkaufswagen, Taschen und Plastikbeuteln – sei nichts dagegen. Die Frau heißt Mo und ist Schauspielerin, ausgebildet vom Lehrer von Götz George. George schätzt sie bis heute, er sei “einer der ganz Großen“. Es sei schwer gewesen, damals an Frauenrollen zu kommen, erzählt sie. Zumindest an die, die sie hätte annehmen können. In die “Provinz“ – an westdeutsche Bühnen außerhalb von Berlin – will sie nicht. “Dort werden junge Frauen auf einen bestimmten Typus reduziert: Bitte recht artig lächeln und bloß nicht schlagfertig sein“, sagt sie. Sie will Brecht spielen, am liebsten die heilige Johanna.


Wild Campen ist in Deutschland verboten. Ehe man sich versieht, sind die Männer vom Ordnungsamt da, und die kennen bekanntlich kein Pardon. Die Vorstellung erscheint zugegeben in einer Großstadt wie Berlin auch nicht gerade verlockend. Es fehlt die Abgeschiedenheit, der freie Blick in den Sternenhimmel. Romantisch verklärt, natürlich. Ich vergaß den Ruf des Käuzchens, den Duft von Flieder und die Waldameisen im Marmeladenglas. Auf einem schmalen Grünstreifen zwischen Gitschiner Straße und Landwehrkanal hat eine Frau mit grauen Zottelhaaren ihr Lager aufgeschlagen. Und zwar dauerhaft, wie es scheint. Zwei Einkaufswagen, mehrere Plastiksäcke und eine 10-Kilo Kiste voller Äpfel aus der Region.






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