Dicke Kreuzberger lechzen nach McDonald’s

Protest-Plakat gegen McDonald's in Kreuzberg - Foto: Anne Grieger

Wann kommt er endlich, der Kreuzberger McDonald’s? Als ich heute morgen am Görlitzer Park an diesem Plakat vorbeiradelte, traute ich meinen Augen kaum: Meinten die mit diesem Plakat wirklich Leute wie mich?

Zugegeben: Ich habe McDonald’s betreten, früher mal. Es gab Freunde, die gerne einen Milchshake tranken und wirklich nicht wie Filmschauspieler aussahen. Natürlich waren sie keine Kreuzberger, als richtiger Kreuzberger kann man nur mit Sonnenbrille getarnt in solche Burgerschuppen gehen. Oder in der Wiener Straße vegetarische Burger essen, die wirklich gut schmecken.

Egal. Für Wahlkreuzberger, die sich gegen die Eröffnung eines McDonald’s im Wrangelkiez stark machen, dürfte die Burger-Braterei mit dem gelben M wohl keine Bedrohung darstellen. Ungesunde Essgewohnheiten seien vor allem ein Problem der sozial Benachteiligten, so der Historiker und Publizist Paul Nolte. Gerade Kindern würde einiges zugemutet durch die “Dauerernährung in Schnellrestaurants”. Nolte, Mitauslöser der umstrittenen “Unterschichten-Debatte”, macht weniger große Konzerne als die Eltern selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Ernährung als Bildungsthema also.

Doch sieht man einmal ab von der Tatsache, dass bestimmte (ohnehin benachteiligte) Gruppen angesichts der Eröffnungs-Angebote der Fastfood-Kette schwach werden könnten: Wie wird sich Kreuzberg, die letzte McDonald’s freie Zone verändern? Was, wenn sich der Burger-Konzern etabliert haben sollte? Werden andere Hackbräter und Hühnerfrittierer nachziehen? Argentinische Steakhouse-Ketten neben Döner-Schuppen? Ich weiß nicht.

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6 Antworten zu “Dicke Kreuzberger lechzen nach McDonald’s”


  1. 1 pEtEr Aug 23rd, 2007 at 15:04

    Es gibt doch schon längst eine Filiale einer großen Burger-Kette in Kreuzberg, Yorckstrasse.
    Und was soll dieser Fettschuppen in Kreuzberg schon großartig ändern?

  2. 2 Katharina S. Aug 24th, 2007 at 13:21

    Der Kampf von Kreuzberger Bürgern gegen MCDonald’s steht stellvertretend für den Kampf gegen die Arroganz großer Konzerne gegenüber jedweder Kultur.

    Wir wollen keine sterilen Abflüllstätten, die uns Menschen auf das Niveau von Kühen bringt, die in Futterstationen hängend abgemolken werden.

    Gegen MCBlöd in der Skalitzer Straße!

  3. 3 Der Nobbi aus Pankow Aug 24th, 2007 at 14:54

    Mac Donalds ist gut - Millionen Menschen in der ganzen Welt können sich nicht irren. Und außerdem: Der Wrangelkiez gehört doch zu den ärmsten Flecken in Berlin. Da werden endlich ein paar Arbeitsplätze geschaffen.

  4. 4 M. Aug 24th, 2007 at 23:45

    “Kampf gegen die Arroganz großer Konzerne gegenüber jedweder Kultur.”

    Das ich nicht lache. Wenn der Konzern so arrogant wäre, warum hat er dann so viele Kunden? Warum ist er so erfolgreich, auch und gerade hierzulande? Abgestimmt wird eh mit den Füßen - wenn der Laden nicht rund läuft, dann wird der schon wieder dichtmachen. Übrigens, die ganzen Dönerbuden in der Gegend bieten auch nicht gerade das gesündeste Essen an…

    Da offenbart sich einiges, wenn sich die Linken schon an so einer Bagatelle hochziehen müssen.

  5. 5 Kreuzberg rules! xxoxx Aug 25th, 2007 at 07:32

    Das ist keine Bagatelle. Und von wegen Abstimmung mit den Füßen: Das haben die Deutschen 1933 auch getan - und was ist dabei herausgekommen? - Eine Katastrophe!

  6. 6 Chris K. Aug 25th, 2007 at 10:06

    Auch wenn bei den Reichtagswahlen 1933 (darauf spielst du ja wohl an) nachweislich nicht mit den Füßen sondern mit konventionellen Wahlscheinen abgestimmt wurde… davon abzuleiten, das Demokratie in Deutschland nicht funktioniert und der Standort von Wirtschaftsbetrieben von oben dekretiert werden muss… Oh, je. Was’n Weltbild…

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