Herr Hepke, Frau Stumpe und das Ehepaar Schaarenberg haben zwei Dinge gemeinsam: Sie wohnen in einem unsanierten Altbau der Lychener Straße und werden am Hauseingang von Unbekannten zum Klassenkampf aufgerufen. Nanu, hat da jemand die Zeit zurück gedreht? Wir gründen Arbeiterräte und teilen die Stadt noch einmal neu auf. Ist die Mauer wieder da?
Wahrscheinlich hat dieser Spruch aber doch weit mehr Bezug zur Berliner Wirklichkeit im Jahr 2007. Dieser Tage hat unsere Stadtverwaltung den neuen Mietspiegel herausgegeben, der Mietern und Vermietern eine “Orientierung” geben soll, was sie für ihre Behausung bezahlen, beziehungsweise herausschlagen können. Leider sind Mieterverbände aus den Verhandlungen zu diesem alle zwei Jahre erscheinenden Zahlenwerk ausgestiegen. Sie werfen dem Senat vor, einen unakzeptablen “Vermieterspiegel” gegen den Willen der Mieter durchgesetzt zu haben. 900.000 Berlinern könnten durch die aktuelle Ausgabe Mieterhöhungen ins Haus flattern.
Vielleicht hat vor einiger Zeit ein Mensch von außerhalb einen der letzten unsanierten Flecken in Prenzlauer Berg entdeckt und sich in diesen Altbau verliebt. Genau genommen hat er sich wohl weniger in die Bausubstanz verguckt, als in die Entwürfe seines Architekten, die zu Hause in Stuttgart schon fertig auf dem Schreibtisch liegen und hier so prima passen könnten. Räume mit Fußbodenheizung, Dachgeschosswohnungen und restaurierter Stuck.
Und was machen jetzt Herr Hepke, Frau Stumpe und das Ehepaar Schaarenberg? Wenn nicht genug Geld in der Haushaltskasse ist, müssen sie sich vom Kachelofen verabschieden, der eingebauten Dusche und dem alten Boiler, der immer so lange gebraucht hat. Oder aber Klassenkampf - wer glaubt dran?
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Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Mietspiegel 2007














