Wild Campen ist in Deutschland verboten. Ehe man sich versieht, sind die Männer vom Ordnungsamt da, und die kennen bekanntlich kein Pardon. Die Vorstellung erscheint zugegeben in einer Großstadt wie Berlin auch nicht gerade verlockend. Es fehlt die Abgeschiedenheit, der freie Blick in den Sternenhimmel. Romantisch verklärt, natürlich. Ich vergaß den Ruf des Käuzchens, den Duft von Flieder und die Waldameisen im Marmeladenglas. Auf einem schmalen Grünstreifen zwischen Gitschiner Straße und Landwehrkanal hat eine Frau mit grauen Zottelhaaren ihr Lager aufgeschlagen. Und zwar dauerhaft, wie es scheint. Zwei Einkaufswagen, mehrere Plastiksäcke und eine 10-Kilo Kiste voller Äpfel aus der Region.
Ich war irritiert, als ich die etwa 60-Jährige zum ersten Mal in der Sonne sitzen sah. Sie strickte an einem langen lilafarbenen Schal. Eine Altachtundsechzigerin in Frührente? Eine Soziologie-Professorin, die ihr Forschungsfreisemester für einen Selbstversuch nutzt? Um dann ein kluges Buch über Entfremdung in der modernen Gesellschaft zu schreiben? Wohl kaum. Die Geschichte wäre zu niedlich. Ich tippe eher auf Altersarmut. Rolltreppe abwärts – Jobverlust, Hartz IV, Verlust enger Bezugspersonen. Ehe ich mich in weiteren Spekulationen ergehe, sollte ich noch einmal vorbeiradeln und nachfragen. Um dann wahrscheinlich eine Geschichte zu hören, die völlig anders ist. Wilder und trauriger. Und mit Camping nicht das Geringste zu tun hat.













