Der Osterspaziergang findet doch statt. Weil Besuch aus Frankreich da ist – extra wegen des Spaziergangs. Vier belesene Franzosen. Es gebe ja gar keine schwarzen Pudel in Berlin, stellte H. enttäuscht fest. In den Bezirken, in denen ich unterwegs bin, sind mir in letzter Zeit tatsächlich keine mehr aufgefallen. Nur der Zeitungs-Bote hat noch einen Pudel, allerdings einen weißen. In Frankreich seien die Hunde nach wie vor en vogue, sagten die französischen Besucher. Es gebe Pudel-Clubs, Pudel-Websites, Pudel-Maskottchen. In einem Ostberliner Stadtteil soll es offenbar doch noch Pudel geben: In Friedrichsfelde. Dort befindet sich der bekannte Sozialistenfriedhof, auf dem von Rosa Luxemburg bis Markus Wolf alle begraben liegen, die Rang und Namen hatten. Auch die Berliner Bezirkszentrale der Stasi war dort angesiedelt. Viele der Einwohner Friedrichfeldes sind inzwischen Rentner, das Durchschnittsalter liegt dort zehn Jahre über dem Berlins, bei etwa 52 Jahren. Beim Friseur in der Siedlung Alt-Friedrichsfelde gibt es extra Tarife für Senioren. Nicht nur für Dauerwellen. Einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Durchschnittsalter eines Berliner Stadtteils und seiner Pudeldichte zu ermitteln – das dürfte die Datenlage wohl nicht hergeben. Wie auch immer, wenn der Osterspaziergang friedlich verliefe, wäre ich schon zufrieden. Von Pudeln sollte jedenfalls keine Gefahr ausgehen.


Am Sonntag in Potsdam in der Toilette eines Cafés ein Schild mit der Aufschrift: “Dieses WC wird videoüberwacht, zu Ihrer eigenen Sicherheit.” Das Schild hing in einer dunklen Ecke und fiel erst beim Verlassen des Raumes auf. Nirgends eine Kamera. Dennoch Protest darüber an der Theke eingelegt. Der Kellner antwortete nur lapidar, es sei der erste April. Liefe ich nicht wieder einmal mit der Stasi-Brille durch die Stadt, wäre ich mit der Erklärung zufrieden gewesen. Angesichts der Stasi-Brille aber Zweifel. Wer sich einen solchen April-Scherz einfallen lässt, muss einige Fantasie haben. Also doch eine Kamera im Seifenspender in dieser Potsdamer Toilette? In der künstlichen Blume auf dem Spiegelschrank? Video-Überwachung – ob real oder tatsächlich als Scherz gedacht – das erinnerte verdammt an Stasi-Methoden.
Wild Campen ist in Deutschland verboten. Ehe man sich versieht, sind die Männer vom Ordnungsamt da, und die kennen bekanntlich kein Pardon. Die Vorstellung erscheint zugegeben in einer Großstadt wie Berlin auch nicht gerade verlockend. Es fehlt die Abgeschiedenheit, der freie Blick in den Sternenhimmel. Romantisch verklärt, natürlich. Ich vergaß den Ruf des Käuzchens, den Duft von Flieder und die Waldameisen im Marmeladenglas. Auf einem schmalen Grünstreifen zwischen Gitschiner Straße und Landwehrkanal hat eine Frau mit grauen Zottelhaaren ihr Lager aufgeschlagen. Und zwar dauerhaft, wie es scheint. Zwei Einkaufswagen, mehrere Plastiksäcke und eine 10-Kilo Kiste voller Äpfel aus der Region.
Communist Street, die Entdeckung gestern. Auf dem Rückweg vom Laufen noch schnell im Supermarkt gewesen. Restlos bepackt für die nächsten Wochen, zog sich der Weg. Normalerweise achte ich auf Hundemist, gestern ausnahmsweise auf Schilder. Wollte einen Namen für dieses Blog. Unspektakulär die “Hermann-Klause”, ebenso die “Pizzeria Sole”. Dann der “Skat-Club Fidel”. Ein Castro-Fanclub in Nova Colonia? Warum nicht. Ich lief weiter. “Kiez-Räte bilden”, stand an einer Hauswand. Nach einigen Metern ein neuer Buchladen “Buchexil, der neue Ort für alte Bücher.” Die Idee: Verkauf und Verschenken gebrauchter Bücher. Communist Street, I thought, mitten in Berlins Viertel mit den meisten türkischen Läden, arabischen Internet-Cafés und kroatischen Wettbüros eine Kommunisten-Straße. Das WASG-Büro registrierte ich schon nicht mehr. Erst kommen die Kommunisten und dann die Studenten. War das so? Die These einer Bekannten, dass Neukölln Berlins neuer In-Kiez werde, wurde plötzlich greifbarer.






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