
Obamatized, baptized – ja, es scheint ein Segen für Amerika zu sein, endlich einen neuen Präsidenten vorweisen zu können. Einen Präsidenten, für den man sich im Ausland nicht ständig rechtfertigen muss. Sie haben mir leid getan, die Exil-Amerikaner in Berlin. Ehrlich. “Wir haben Bush nicht gewählt, Bush ist scheißa.” Harte Worte, aber immer wieder gehört, von Kristen, Dasha und anderen. Amerika ist nicht gleich Bush – und genauso wenig gleich Obama, aber dazu später mehr.
Das Obama-Fieber hat Europa längst gepackt. Amerika-Fähnchen haben plötzlich nichts Anrüchiges mehr und werden so selbstverständlich verteilt wie Brownies: Was sie jetzt mit der Fahne machen solle, fragt eine Bekannte etwas ratlos, als wir in der S-Bahn sitzen und rollt die Mini-Fahne zusammen, die ihr eine Frau auf der Inauguration-Party im Schleusenkrug in die Hand gedrückt hat. Wegwerfen? Oder aufheben für den nächsten Obama-Besuch in Berlin?
Man stelle sich eine völlig enthusiasmierte Menge vor, die Angela Merkel Deutschland-Fähnchen schwenkend zujubelt. Oder an Frank-Walter Steinmeiers Lippen hängt, wenn dieser etwas von Zuversicht und Hoffnung murmelt? Grotesk.









“Einen Präsidenten, für den man sich im Ausland nicht ständig rechtfertigen muss.” – Da können sich die Leute hier aber an der eigenen Nase fassen. Eine in Berlin lebende US-Studentin (und Bush-Gegnerin) hat mir erzählt, unter welchem Druck sie stand, sich als Erstes für Bush entschuldigen zu müssen, sobald sie jemand neu kennengelernt hat. Sozusagen als Teil des Begrüßungsrituals.
Zwei Dinge, die mir bei Obama nicht gefallen:
Erstens – die Truppenverstärkung in Afghanistan. Mehr Soldaten bedeuten fast nie Frieden. Für die Milliarden Dollar, die jetzt wieder auf den Steuerzahler zukommen sollte man lieber ein gigantisches Aufbauprogramm hochziehen. Straßen, Wasser, Strom, Gesundheitsversorgung, Bildung… für alle – schon wird es der Terrorismus schwerer haben. Allerdings müsste sich dann Obama vom Wähler fragen lassen, warum nicht erstmal für die Landsleute angemessene Bildung und Gesundheitsversorgung (siehe “Sicko” von Moore) gewährleistet wird.
Zweitens – Obama hätte die Möglichkeit den alten Präsidenten für die Völkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen juristisch zu belangen und beispielsweise an den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte zu überstellen – Obama meint aber, dass das Land derzeit andere Probleme habe. Mit der Glaubwürdigkeit und der Vermittlung von Recht und Gesetz in der Welt durch die USA wird es so natürlich wieder schwierig.
“Yes we can!” – immerhin konsequent, denn Können ist eben nicht Machen.