Wir bloggen Berlin – Blog News Bezirke

Archiv für das 'Seitenblicke'-tag

Seite 2 von 2

Vive le Schrebergarten

Schrebergärten in Berlin-Weißensee - Foto: Anne Onken

In England lassen sich die ersten arbeitslosen Banker zu Gärtnern umschulen. Aus Liebe zur Natur angeblich. Auf diese Idee käme in Deutschland wohl selbst in der Wirtschaftskrise niemand, doch der Wunsch nach etwas Grün scheint weit verbreitet. So skurril es klingt: Immer mehr junge Menschen in Großstädten suchen Schrebergärten. Weil sie keine Lust oder kein Geld für ein Haus mit Garten im Grünen haben.

Berlins Laubenpieperkolonien dürften somit bunter werden. Familien mit Kindern werden Zaun an Zaun mit langjährigen Kleingärtnern ihre Gemüsebeete pflegen. Ungespritztes Bioobst ernten. Designerlauben aufstellen, Baumhäuser bauen. Sind das die neuen Spießer?

Wie komme ich an einen Schrebergarten?

Umsonst und draußen

Umsonst und draußen - Foto: Henning Onken

Ein Bewohner der Proskauer Straße hat offenbar Frühjahrsputz gemacht und seine überzählige Habe ganz nach Berliner Art  an den Straßenrand gestellt. Der Grill samt Kohle steht da wie gerufen für einen Feierabendausflug in den Volkspark und den Kunstblumen blüht ein zweites Leben in der schattigen Erdgeschosswohnung eines Passanten. Alle diese Sachen waren ziemlich schnell verschwunden. Aber wer braucht eigentlich jetzt einen Schlitten?

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Wir gehen auf’s Dorf – mitten in Neukölln

Kleingärtner in Neukölln - Foto: Henning Onken

“Selbstgemachte Marmelade, Äpfel, Spielzeug für Ihre Kinder” – zwei Mädchen winken mit grünen Fähnchen Passanten zum Laubenpieperfest in der Neuköllner Pannierstraße heran. In der Kolonie Freie Stunde wird gefeiert und wir sind zurück auf dem Dorf, mitten in Neukölln. Rentner mähen das Gras um ihre Gartenzwerge herum, türkische Großfamilien pflücken ihre Äpfel und Hans mistet die Ställe seiner Karnickel aus. Die Stadt mag sich rund um dieses Gelände bis zur Unkenntlichkeit gewandelt haben, doch die Schrebergärten gibt es hier seit über hundert Jahren.

Keine vergleichbare Metropole verfügt über eine so große Zahl privat nutzbarer Gärten in der Innenstadt wie Berlin, so die Stadtverwaltung. Als Grünflächen mit “wichtiger Ausgleichs- und Erholungsfunktion” sollen Schrebergärten geschützt werden. Nach einem Senatsbeschluss ist ihr Bestand zumindest auf den landeseigenen Flächen bis 2014 gesichert. Danach dürfte es etlichen Kolonien so ergehen, wie der Anlage am Olivaer Platz in Charlottenburg. Wenn sich in einigen Jahren ein Riesenrad in der Nähe vom Zoo drehen soll, scheint es unausweichlich, dass im Einzugsbereich Grünflächen für die Infrastruktur des Kommerzes geopfert werden.

Übrigens dienten Lauben in den letzten Jahren zunehmend als Wohnraum für verarmte oder gestresste Großstädter. Zwar ist es verboten, dort Strom zu legen oder einen Anschluss an das Wasser- oder Gasnetz zu installieren. Doch ein Leben mit Strom von der Autobatterie, Campingdusche und Behelfsklo ist für Aussteiger immer noch besser als die Ein-Raum-Wohnung mit Fenster zum Hof. “Das Wohnen in Lauben wird von den Nachbarn toleriert, weil so weniger geklaut wird”, erzählt Kleingärtner aus Treptow.

Ich wünsche dem Kleingartenverein Freie Stunde in hundert Jahren einen fröhlichen 200. Geburtstag.

Ausgewählte Kleingartenanlagen – Standortkarte
Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Beach-Volleyball hinter Aldi

Strandbar hinter Aldi

In Berlin wird einfach irgendwo eine Kippe Sand abgeladen und fertig ist die Strandbar. Die Illusion vom Strand ist fast perfekt hinter dem Aldi-Markt an der Revaler Straße in Friedrichshain. Wenn dort die Beach-Volleyballer Bälle übers Netz pritschen, rauscht es nebenan wie die Brandung der Nordsee. Die ist von hier aus allerdings weit weg und auch das Spreeufer ist nicht in der Nähe. Was hier rauscht, ist das Wasser der Duschen und Toilettenhäuschen.

Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch – in Lunas Strandgarten wird gebaggert, bis der Winter kommt. Hier wird man übrigens nicht wie in etlichen “Premium-Strandbars” der Hauptstadt am Eingang auf Getränke gefilzt und könnte sich theoretisch gleich ein Sixpack Sternburger von Aldi mitbringen. Es wäre aber gemein zu sagen, dies sei deshalb eine Assi-Strandbar. Auf Sand gebaut ist Trumpf in Berlin, egal wie.

Fotostrecke Berliner Seitenblicke

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

Zufallsfotos

Kostenlos abonnieren

Unser RSS-Feed enthält alle neuen Artikel. Ihr könnt sie auch bequem als E-Mail abonnieren
fensterzumhof.eu gibt es jetzt auch in einer Smartphone-Version

Anzeige

Berliner Streetart

Berlin bei Nacht

Fassaden der Hauptstadt

Berliner Hinterhöfe

Andere Blogs


Wenn Sie auf dieser Seite verbleiben, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Anzeigen zu personalisieren. Informationen zu Ihrer Nutzung dieser Webseite werden an Werbepartner weitergegeben. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie dieser Verwendung von Cookies zu.

Schließen

Seite 2 von 212