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Archiv für das 'Protest'-tag

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“Manchmal braucht es einen Flash-Mob, um eine Kugel Eis zu kaufen”

Foto: Henning Onken

Ein Eisdielenwirt im Nollendorfkiez soll Schwule und Lesben beleidigt – ja sie sogar aus seinem Vorgarten geworfen haben. Dafür bekommt er am Sonnabend die Quittung: Knapp 1000 Menschen treffen sich vor dem “Dolce Freddo” in der Maaßenstraße zum “Knutschen bis der Wirt kommt”.

Zwanzig Minuten vor 14 Uhr trippeln  die Agentinnen des Staatsministeriums für Tuntensicherheit im Gleichschritt durch die Maaßenstraße. Sie bestellen eine Kugel Eis, die ihnen dann “leider runterfällt”. Der Wirt macht einen kleinlauten Eindruck und entschuldigt sich vor der versammelten Menge. Richtig bedrohlich wird es für ihn nicht, denn die phantasievoll kostümierte Schwester Aura Scortea – eine schwule Berliner Nonne – stellt in ihrer Ansprache klar, warum man gekommen sei: Zum Küssen – und nicht gegen etwas, sondern für Toleranz und Liebe.

Das Ereignis zeigt einmal mehr die Stärke von sozialen Netzwerken wie Facebook, wo über 300 Teilnehmer ihr Kommen zugesagt hatten. Die Lesben aus diesem schwul-lesbischen Kiez blieben bei all dem Trubel allerdings deutlich in der Unterzahl.

Wirft Christo jetzt Farbeier?

Bundesfinanzministerium in der Wilhelmstraße - Foto: Henning Onken

Seit der Mayday-Demo vom 1. Mai sieht das Bundesministerium der Finanzen in der Wilhelmstraße ziemlich bunt aus. Auch ein großes Polizeiaufgebot hat nicht verhindern können, dass Demonstranten Farbeier auf das ehemalige Reichsluftfahrtministerium warfen. Passanten, die das nicht wissen, bleiben nun verwundert stehen. Interessant. Unmöglich. Kurios. Eine Kunstaktion? Nichts da, Anfang nächster Woche wird wohl alles wieder grau geputzt.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Nie mehr Billig-Praktikant

"Kein Bock auf ne prekäre Karriere" - Foto: Anne OnkenKein Bock auf ne prekäre Karriere” stand auf Plakaten der Demonstranten der Mayday-Parade in Mitte. Haben wohl die wenigsten Studenten und die Politik sollte das ernst nehmen.  Ausgerechnet Ex-Juso-Chef Björn Böhning sucht jetzt Billigpraktikanten für den Wahlkampf. Er dürfte nicht der einzige Politiker sein.

Dass Studenten in Berlin immer wieder auf die Straße gehen und ihren Unmut Luft machen, ist ein gutes Zeichen. Berichte über prekäre Berufseinsteiger, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln, mussten sie seit Beginn ihres Studiums immer wieder lesen. Vielleicht haben sie ja gelernt und machen es anders als ihre älteren Geschwister der Generation Praktikum: Treten forscher auf, lassen sich von traurigen Geschichten über schwierige Berufseinstiege nicht beeindrucken.  Erzählen Björn Böhning, dass er ohne ihre Twitter-Kenntnisse gleich einpacken könnte und verlangen gleich eine Festanstellung. Einen Versuch wär’s wert.

Protest-Bilder von der Demo und dem 1. Mai in Berlin

Hobby: Polizei nerven oder Krawall bis der Arzt kommt

Feiernde Friedrichshainer zünden ein Feuer auf der Straße an - Foto: Henning Onken

Die Polizei-Meldungen der vergangen Woche lesen sich wie ein Tagebuch, in dem immerfort das selbe Thema weitergedreht wird.  Ostermontag: Feuer an der Kreuzung Liebigstraße Ecke Rigaer in Friedrichshain. 70 Leute hätten Gegenstände auf der Fahrbahn entzündet und Löschmaßnahmen der Feuerwehr behindert. Drei Tage später, am Mittwoch, stehen an der selben Straßenecke Müllcontainer in Flammen, am Donnerstag brennen schließlich Holzscheite in einem Einkaufswagen. Immer rückt die Polizei an, löscht zum Teil selbst und bereitet sich auf den nächsten Einsatz vor.

Am Freitag vermeldet die Polizei nichts zu dem Thema, im linken Internetpotal Indymedia schildert hingegen ein Autor unter Pseudonym einen Polizei-Einsatz am Nachmittag vor dem Hausprojekt in der Liebigstraße als “lebensbedrohlich”. Eine Person sei fast von einem fahrenden Polizeiauto mitgeschleift worden, Schlagstöcke und Pfefferspray seien zum Einsatz gekommen. Einordnend heißt es dann dazu bei Indymedia, es werde deutlich, “dass die Bullen ihre privaten Hass- und Frustrations Gefühle nicht von ihrem Amt trennen können. Wie mensch sieht haben sie keine Hemmungen, auch Menschenleben aufs Spiel zu setzen.”

Willkommen im Chaotenbezirk - Foto: Henning OnkenNatürlich vergisst der Indymedia-Autor nicht, auf die politische Dimension zu verweisen, auf den Kurs der Berliner Regierung: “Es geht darum, andere Arten von Leben, die nicht der bürgerlichen Norm und Konsumhaltung entsprechen, von der Straße und den Innenstadt-Bezirken Berlins zu verbannen. Um den notwendigen gesellschaftlichen Rückhalt für ihr Vorhaben zu bekommen, wird mit den Massenmedien zusammengearbeitet. Es werden Lügen verbreitet, aus brennenden Holzscheiten in einem Einkaufswagen werden brennende Strassenbarrikaden.”

Der Indymedia-Autor trifft damit den Nagel auf den Kopf: Es geht immer auch um gesellschaftlichen Rückhalt. Ist halt die Frage, ob man den in der Nachbarschaft und darüber hinaus gewinnt, indem man jeden Abend ein Feuerchen vor der Haustür macht. Oder ob man nicht doch lieber nach Argumenten sucht, warum bestimmte Formen des Zusammenlebens so wertvoll sind und andere davon überzeugt.

Fotostrecke: Berlin bei Nacht

Mietprotest in Kreuzberg: Paradise lost?

Klar, dass die Demonstration gegen steigende Mietpreise in Kreuzberg stattfinden wird. Im Protestbezirk. Während Leute in anderen Teilen der Stadt am Samstag Nachmittag ihre teuren Wohnungen genießen, treibt es die Kreuzberger auf die Straße: Wer weiß, wie lange sie ihre Miete dort noch bezahlen können, in welcher Beton-Wüste sie als nächstes hausen müssen. Die Zitty berichtet, besonders unter den kleineren Gewerbetreibenden herrsche Endzeitstimmung seit Investoren auf einen Aufschwung im Stadtteil setzen. Neue Mieten liegen deutlich über dem bisherigen Niveau, viele Bewohner des früheren SO 36 geben nach einer Studie von TOPOS fast ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus.

Bei aller Sympathie für die Demo: Ich glaube kaum, dass der Unterstützerkreis weit über Kreuzberg hinaus reichen wird. Exil-Kreuzberger, die längst wegen einer bezahlbaren Wohnung auf andere Bezirke ausweichen mussten, sind träge. Sie werden wohl etwas anderes vorhaben. Der neue Kiez wird nach einiger Zeit spannender, der Ärger über die Vertreibung wird von der Ahnung überschattet, mehr von der Stadt kennen gelernt zu haben. Vielleicht ist die Demo ja aber auch nur eine Generalprobe für den richtig großen Protestmarsch von Neukölln über Kreuzberg nach Friedrichshain…

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Die Finanzkrise zirkelt um meinen Kiez

Jeden Tag bricht da draußen eine Welt zusammen – aber uns kümmert’s nicht. So ungefähr liest sich der Spruch, den jemand auf ein Werbeplakat für eine Bank in der Köpenicker Straße in Mitte geklebt hat.

Dabei ahnt man gerade in Berlin, dass für die Finanzkrise am Ende die Bürger zahlen müssen, ganz wie nach der Berliner Bankenaffäre. Die Krise könnte Politiker an die Spitze spülen, gegen die sich Thilo Sarrazin mit seinem kargen Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger wie ein Weichei ausnimmt. Schwimmbäder und Bibliotheken müssen schließen, Straßen verkommen zu Schlaglochpisten und die Schlangen vor den Ämtern werden länger.

It’s the End of the World as we know it – aber mein Bäcker scheint nichts davon zu wissen. Vielleicht freut er sich klammheimlich darüber, dass es zuerst diejenigen trifft, die mit Hubschraubern über Berlin geflogen sind und tausende Wohnungen für internationale Immobilienfonds zusammengekauft haben. Sicher hofft er auch darauf, dass mit den Immobilienpreisen die Mietpreise abstürzen.

Ist die Bankenkrise in Ihrem Alltag angekommen? Schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel!

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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