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Archiv für das 'Neukölln'-tag

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Ziegen auf die alte Landebahn

Schafe nach Tempelhof - Foto: Anne Onken

Tempelhof den Ziegen – ja, das hat was.  Anwohner könnten gegen eine kleine monatliche Gebühr ein Viech pachten, hätten täglich frische Milch. An besonderen Tagen würde das Gelände für Schul- uns Kindergartenkinder geöffnet; als riesiger Streichelzoo.

P.S. Das Plakat hängt übrigens an einem Eingang zur Hasenheide in Neukölln – einem Park, den viele Berliner leider aus den Augen verloren haben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Klischee-Maschine Neukölln: Wenn Leitmedien den Absturz suchen

Hui, Spiegel-TV ist mal wieder investigativ, hat einen Film zu Neukölln gedreht, der in mehreren Folgen auf Spiegel Online zu sehen ist. Der erste kurze Clip zum “Hinterhof der Hauptstadt” ist seit heute online und porträtiert die “letzten Deutschen” im Bezirk. Natürlich in einer Kiez-Kaschemme, ausgerüstet mit Baseball-Schlägern gegen die Abgründe da draußen. In der nächsten Folge nähert sich der Regisseur dann einigen Gangsta-Kids.

Voyeuse, die ich bin, habe ich den Beitrag zu Ende geschaut – wenn auch mit Bauchschmerzen. Die Protagonisten kommen dabei nicht sonderlich gut weg: Eine wehrhafte Wirtin, die Wert auf die Feststellung legt, kein Opfer zu sein und ein latent fremdenfeindlicher Hausmeister, der sich dem Kampf gegen Sperrmüll verschrieben hat.

Aber darum geht es nicht. Mit reißerischen Sozialreportagen können Online-Medien jede Menge Klicks machen und ihren Zuschauern das Gefühl geben, anderen ginge es noch schlechter. Ressentiments und Vorurteile werden großzügig bedient, das Boulevard-Prinzip also auch beim Spiegel. Aber genug. Sonst entsteht hier noch der Eindruck, ich wollte ernsthaft Werbung für den Film machen.

Neukölln ist ok. Aber kann man dort hinziehen?

Ich weiß nicht, zu welchem Schluss der Leser gekommen ist, der zufällig über die Google-Schlagwortsuche  “Kann man da hinziehen Neukölln” auf diesem Weblog gelandet ist und über 20 Seiten aufgerufen hat. Aber um es kurz zu machen – man kann in einigen Ecken ganz gut wohnen.

Vor zwei drei Jahren hätten die meisten wahrscheinlich noch vehement widersprochen. Neukölln galt für viele als Verlegenheitslösung, die in Kreuzberg keine Wohnung finden konnten. Mittlerweile gibt es aber – sehr zur Freude der Immobilienmakler – einen regelrechten Kreuzkölln-Hype. Es scheint aufwärts zu gehen mit dem Neuköllner Norden, was man vom Rest des Bezirks nicht gerade behaupten kann.

So überrascht es nicht, dass die ersten Gentrifizierungs-Skeptiker orakeln, die schleichende “Yuppiesierung” des Reuterkiezes stehe kurz bevor. Das Interessante dabei: Verantwortlich dafür machen die selbsternannten Sprecher des prekären Neuköllns “Latte Macchiato schlürfende Designerinnen aus der Schlesischen Straße in Kreuzberg.” Die schielten bereits nach Nord-Neukölln, um dort Boutiquen zu eröffnen.

Bei aller Paranoia: Akademiker-Familien mit Schulkindern werden so schnell nicht nach Neukölln ziehen. Zu desolat klingen die Meldungen über die Zustände an Neuköllner Schulen und über abgehängte Schüler, die kaum etwas zu erwarten haben. Aber vielleicht entwickelt sich der Nord-Neukölln ja zu einer neuen Hochburg für Singles mit hohen Ansprüchen, die lieber auf 80 Quadratmetern wohnen als zum gleichen Preis in Prenzlauer Berg auf 60 Quadratmetern. Nette Kneipen gibt es ja inzwischen genug und Leute, die sich mit dem Kiez identifizieren auch.

Foto: chaosinjune

Stadtplanung 2.0: Studis als Gentrifizierer

Ein Modell für Neukölln? Die Stadt Hamburg lockt Studenten gezielt mit subventionierten Mieten in einen “Problemstadtteil”, in dem überwiegend Hartz IV-Empfänger, Ausländer und Leute mit Migrationshintergrund leben. 178 Euro kostet ein gefördertes WG-Zimmer bei einer städtischen Wohnungsbaugenossenschaft auf der Veddel, Gentrifizierung von oben sozusagen – die Jungakademiker sollen den Stadtteil lebenswerter machen.

Wo Leerstand herrscht, will niemand wohnen, die Mietpreise fallen. Und es wird trauriger für die “Abgehängten”, die nirgendwo anders hinziehen können, so die Logik. Die Neuköllner Zwischennutzungsagentur hat gezeigt, dass leerstehende Räume temporär sehr sinnvoll an Gründer mit kleinem Geldbeutel vermittelt werden können. Der Reuterkiez, Neuköllns neues “In-Viertel” an der Grenze zu Kreuzberg, hat seinen Aufschwung wahrscheinlich nicht zuletzt dieser Initiative zu verdanken. Studenten kamen von selbst, sie sollen inzwischen sogar aus Friedrichshain an den Landwehrkanal ziehen.

Aber zum Neuköllner Westen. Oberhalb des Hermannplatzes sieht es ganz anders aus, Kneipen heißen dort Herrfurth- Eck, Pinte II, Bierbaum 3. Würde der Senat im Schillerkiez WG-Zimmer subventionieren, müssten die Mieten für Studenten noch deutlich unter dem Hamburger Preis liegen – für 200-240 Euro kann man dort aktuell nämlich schon sehr günstig wohnen. Nur fühlen sich die wenigsten Neu-Berliner wohl, kaum einer hat Lust, dort dauerhaft Sozialstudien zu betreiben. Auch mit Blick auf die Bewohner, denen es am nötigsten fehlt – nämlich an Perspektiven – scheint ein solches Projekt mehr als fragwürdig. Ohne Bauchschmerzen könnten sich Besserverdienende von morgen jedenfalls nicht vom Senat sponsern lassen…

Keine Kontrollfreaks in Neukölln

Foto: Anne Grieger

Pallettenweise hatte Familie B. aus dem Vorderhaus Katzenfutter nach Hause geschleppt, immer wieder. Sie horteten das Zeug offenbar, wenn es gerade günstig war. Dann verabschiedete sich das Tier, starb. Die Futterkonserven landeten im Hof – “für die Nachbarn”. Es folgten der Katzen-Baum, ein angenagter Sisal-Teppich. Jemand anderes stellte einen alten Kühlschrank dazu, der aussah, als hätte er jahrelang kein Putzmittel gesehen.

Die Hausverwaltung ließ mitteilen, die Kosten für das Reinigungsunternehmen würden auf alle Mieter umgelegt. “Das sieht doch noch harmlos aus”, meinte ein Freund, der in Freiburg ganz andere Erfahrungen gemacht hatte. In seinem Haus hätten Kontrollfreaks gewohnt, das sei schlimmer gewesen. “Die haben gelbe Tonnen durchwühlt, sobald jemand versehentlich Altpapier in den Recycling-Müll geworfen hat.” Der “Täter” wäre dann – sofern irgendwie identifizierbar – bei der Hausverwaltung angezeigt worden.

Irgend etwas dazwischen wäre schon gut.

Entmietet wegen Rütli, irgendwie ironisch

Wieder einmal sorgt die Rütli-Schule unfreiwillig für Negativschlagzeilen, dabei klingen die Pläne für den neuen “Campus Rütli” durchaus verheißungsvoll. Wie jetzt bekannt wurde, müssen nicht nur die Kleingärtner der benachbarten Kolonie “Hand in Hand” ihre Zelte abbrechen, sondern auch die Beschäftigten eines benachbarten Gewerbehofes. Das Bezirksamt von Neukölln soll den Betreibern mehrerer Autowerkstätten, einer Lackiererei und einem Rohstoffhändler wegen Eigenbedarf vorzeitig gekündigt haben.

Der Grund: Für den Aufbau des “Campus Rütli” werden die angrenzenden Flächen dringend gebraucht. Das Konzept sieht ein Zusammengehen der Rütli-Schule mit der benachbarten Realschule als Gemeinschaftsschule vor, zudem soll ein umfassendes Betreuungsangebot geschaffen werden. Eine Kita, ein Jugendclub, Sport- und Freizeitstätten, Werkstätten und Beratungsstellen werden alle in unmittelbarer Nähe zur Schule entstehen, rund 1400 Kinder und Jugendliche sollen hier unterrichtet und ganztägig betreut werden. So ist eine neue Grundschule auf dem Gelände der Schrebergartensiedlung offenbar beschlossene Sache, und dort, wo bis vor kurzem noch Autos repariert wurden, wird bald eine neue Quartiershalle stehen.

Gut für die Schüler? Sicherlich, nur hätte eine Einbindung der Gewerbetreibenden den Rütlianern wahrscheinlich noch mehr genutzt. Schüler hätten von einer Kooperation profitieren können – als Praktikanten und Auszubildende. In der neuen Quartiershalle dürften sich die Entmieteten wohl kaum blicken lassen.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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