Tag Archiv für 'liebe'

Alles aus Liebe?

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Ich warte auf eine Zitty-Titelgeschichte zum Thema “Wo liebt Berlin am besten?” Das wäre mal wieder überfällig, und ich tippe auf Friedrichshain. Dort wird man von Liebesbotschaften regelrecht verfolgt. Auf der Frankfurter Allee hat jemand eine Radfahrer-Ampel zu einer Liebes-Ampel umfrisiert. Ein einsamer Mensch, der diesen Weg jeden Tag fährt und durch Zufall immer wieder mit der gleichen Frau an der Ampel steht? Oder vielleicht die Stadtverwaltung, die bei einer Auswertung der Berliner Unfallstatistik überdurchschnittlich viele Fahrradunfälle auf der Frankfurter Allee registrierte? Nach dem Motto: Denkt an eure Lieben, achtet auf rote Ampeln und riskiert keinen Zusammenstoß mit Autos - auch wenn ihr im Recht seid?

Ähnlich uneindeutig die Botschaften in der Warschauer Straße. Alle Laternen sind mit blauen Aufklebern “Besser Sex für Geld als kein Sex und kein Geld” zugekleistert. Darüber klebt pink “Orgasmusgarantie”. Klingt verzweifelt, sieht nach Kunst aus, ist aber in Wirklichkeit Reklame für einen neuen Film. “Frech, den öffentlichen Raum so in Beschlag zu nehmen”, sagte ein Freund, dem ich von der Aktion erzählte.

Das Private scheint öffentlich in Friedrichshain, aber der Schein trügt immer wieder. Spätestens seit Roland Brückner mit Linda-Plakaten halb Friedrichshain an seiner unglücklichen Liebesgeschichte teilhaben ließ - diese Aktion war übrigens auch Kunst und keine wahre Geschichte - gehen wir mit offeneren Augen durch den Bezirk. Auf der Suche nach neuen Geschichten, aber auch skeptischer.

Sonntagsblues oder: Single in Berlin

“Alles kinderverseucht hier”. Katharinas Stimme schallte über den Platz, in einer Lautstärke, die die Mütter auf den Parkbänken zusammenzucken ließ. Sonntag vormittag tummelten sich auf dem Boxi tatsächlich lauter Kinder. Sorgsam Herausgeputzte, die auf Namen wie Anton und Julius hörten. Anarchisten-Kids, die hinter Hunden herjagten. Katharina war zu der Zeit single und hatte nie viel Trara darum gemacht. Keine Verlassene, die schlecht über Ex-Freunde sprach oder in Community-Portalen herumsurfte. Ihre Reaktion auf das Gewusel auf dem Boxhagener Platz irritierte mich daher.

Singles in Berlin - notorische Partygänger und Kinderhasser? In die Jahre gekommene DJs, Nachteulen, die auflegen, während alte Studienkollegen für die Privatschule ihres Nachwuchses sparen? Nahezu jeder zweite Berliner lebt allein, die meisten in Mitte, so das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Die meisten weiblichen Singles wohnen in Charlottenburg-Wilmersdorf, alleinstehende Männer in Friedrichshain-Kreuzberg.
Kein Wunder, dass das nichts werden kann.

Viele Berliner sind Insulaner, die sich in ihren Kiezen sehr wohl fühlen und vielleicht noch Freunde in zwei anderen Bezirken haben. Überschneidungen gibt es also kaum. Die Vorstellung, dass die Charlottenburger Juristin den (gleichaltrigen) Langzeitstudenten aus Kreuzberg in einen Friseursalon auf dem Ku’damm schleift, hat was - ohne Zweifel. Scheint aber mit der Weltrevolution schlecht vereinbar.

Die meisten (aktiv) Suchenden orientieren sich offenbar an ihrer eigenen persönlichen Situation. Der Blick auf den Beruf reicht vielen Mitgliedern von Internet-Kontaktbörsen aus, um aus der Fülle der potentiellen Kandidaten gleich die Hälfte auszusortieren. Kein Abitur - durchgefallen. Unter 1,80 und unsportlich - uninteressant. Partner-Vermittlungen lassen sich ihren Service entsprechend bezahlen. Da überlegt die Studentin dreimal, ob sie wirklich Mitglied wird, oder ob das Geld nicht sinnvoller in einem Zeitungs-Abo angelegt ist. Die meisten Community-Portale funktionieren ohnehin wie Kontaktbörsen: “Werde Mitglied der StudiVZ-Gruppe “Rockt Berlin” und gleich hast du drei Typen an der Angel”, oder so. Klingt nach einem Plan.

Link: Lagerfeuer des Grauens. Ein trauriges Lied über das Single-Leben in Berlin von Rainald Grebe und der Kapelle der Versöhnung.


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Berlin bei Nacht

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