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Archiv für das 'Gesundheit'-tag

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Umparken oder umsteigen: Aufräumen in der Umweltzone

Ausgeträumt der Traum vom Hippie-Bus, den man während des Sommers bewohnt und im Winter gegen eine Wohnung mit Ofenheizung eintauscht. Die Umweltzone setzt den stinkenden Benzinschleudern ein jähes Ende, aus dem Straßenbild sind die aber bislang nicht verschwunden. Erst ab Februar werden Fahrzeughalter zur Kasse gebeten, bekommen einen Punkt in Flensburg und zahlen eine Mahngebühr in Höhe von 40 Euro. Dies betrifft auch geparkte Autos ohne Umweltplakette.

Immer häufiger versuchen Besitzer daher, alte Autos wie diesen klapprigen Opel Corsa los zu werden. Sie tun gut daran, denn nach Berlin, Köln und Hannover planen offenbar weitere 20 Städte Umweltzonen. Natürlich gibt es Berliner, die auf Sonderregelungen spekulieren. In Schöneberg hat etwa ein Restaurant-Besitzer einen ausrangierten Bus zum Raucher-Mobil umgebaut. Seine Gäste können trotz des Rauchverbots ohne zu frieren genüsslich ihrer Sucht frönen.

Kaum eine gesündere Alternative, als zu Hause den Kohleofen anzuwerfen: Der kann nämlich neben Giften wie Dioxin und Teer auch krebserregende Kohlenwasserstoffe (PAH) produzieren. Nicht zu vergessen die Unmengen an Feinstaub, die ja im Straßenverkehr mit der Umweltzone begrenzt werden sollen.

Warum also nicht gleich etwas mehr Miete zahlen und auf das Auto verzichten? Gesünder wäre es in jedem Fall.

Alles Grün, aber retten wir so den Kiez?

Schon ironisch, dass ausgerechnet die Bild-Zeitung über das Ende des derzeit ältesten Berliner Bioladens berichtet. Der Inhaber der “Sesammühle” muss den Laden nach 33 Jahren schließen – die Konkurrenz durch die neuen Ketten sei einfach zu groß geworden. Dass der Laden nun Schlagzeilen macht, ist kein Zufall: Einen Nachruf auf einen anderen, noch älteren Bioladen, konnte man bereits im vergangenen Juni im Tagesspiegel lesen.

Die von Hannes Wader besungenen “schrumplig weiche[n] Möhren, die man [...] zu Kringeln biegen kann”, findet man in den neuen Biomarkt-Ketten kaum noch, die Auswahl an Müslis, Nudeln und Feinkost ist groß. Brötchen aus hellem (!) Biomehl und Fleisch gehen selbstverständlich auch über die Theke. Die Mitarbeiter sehen ebenfalls anders aus: Weniger alternativ, blonder, ungesünder. Nun ja.

Die Zeiten, in denen sich Verwandte auf Familienfeiern über “Grünen Kuchen” beklagen, sind vorbei seit selbst Fernsehköche “Vollwertkost” servieren. Die großen Discounter haben den Trend längst erkannt und bieten manchmal sogar nur Bio-Bananen an. Eine Frage der Zeit, bis die Bild-Zeitung mit Rezepten nachzieht…

Arme Balkonraucher

Nur noch 18 Tage – dann gibt Silke das Rauchen auf. Nicht wegen des Rauchverbots, sondern weil Rauchen “unschicklich” sei. Und ungesund. Die wenigsten ihrer Freunde wissen von ihrer “Schwäche” wie sie sagt. Eine Heimlich-Raucherin, die sich erst auf ihren Kreuzberger Balkon traut, wenn die Sonne untergegangen ist. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ihre Patienten von der Raucherei Wind bekämen, sagt die Ärztin.

Irrational das? Die Ängste einer Frau mittleren Alters, die raucht, wie Millionen anderer Deutscher auch und sich dennoch schämt wie ein junges Mädchen? Vielleicht nicht. Wenn Raucher zunehmend aus der Öffentlichkeit verschwinden und Berlins Boulevardblätter schaurig schöne Geschichten über die letzten Raucherinseln in sozialen Brennpunkten verbreiten - wenig verwunderlich, dass die Gruppe der bekennenden Raucher nicht größer wird.

Dabei fällt das Berliner Rauchverbot vergleichsweise lax aus: In Bars, Kneipen und Kultureinrichtungen, in denen kein Essen serviert wird, darf in abgetrennten Räumen auch weiterhin geraucht werden. Bis Juli 2008 sollen keine Bußgelder verhängt werden – zur Eingewöhnung. Natürlich ist Bayern da weiter. Gestern wurde dort das schärfste Nichtrauchergesetz der Republik durchgesetzt. Richtig so, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Es gehe nicht darum, Rauchern den Spaß zu verderben, sondern um die Gesundheit. Auch Passivraucher seien bereits stark herzinfarktgefährdet.

Nichts Neues? Warum kümmert es dann in Berlin trotzdem nur schräge Hausverwaltungen, die das Verbot zum Anlass nehmen, um ihren Mietern das Rauchen auf dem Balkon zu verbieten?

Winterdepressie, halb so schlimm

Nicht nur Hanfplantagen brauchen Licht. “Schau mal, die Sonne kommt raus.” Eine Frau springt von ihrem Stuhl auf, kämpft sich zum Fenster durch, will es öffnen. “Ach, lass mal lieber zu, viel zu kalt”, hindert sie ihr Begleiter. Er hat Tee mit Grog bestellt, seine Augen sehen verquollen aus, die Nase rot. Er grummelt unverständliches Zeug vor sich hin. “Ich will nicht, dass Winter ist”, bricht es plötzlich aus ihm heraus, “es soll nur drei Jahreszeiten geben.”

Lichttherapie gegen Winterdepressionen, gab es nicht so etwas? In den Niederlanden, aber auch in skandinavischen Ländern ist dieser Therapie-Ansatz weit verbreitet. Wintermonate sind dort besonders ungemütlich und das Sonnenlicht sehr schwach. Licht regt die Ausschüttung von Hormonen aus den Nebennieren an, die den Stoffwechsel und die Reaktion des Körpers auf Stress regulieren. Eine Therapie mit Licht erscheint daher plausibel, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Behandlung erfolgt meist durch einen Psychiater, Patienten werden einem hellen Kunstlicht ausgesetzt. 20-60 Minuten blickt der Patient täglich in eine Speziallampe, meist zu Hause vor dem Aufstehen.

Wem das Ganze zu esoterisch anmutet: Die Zitty hat in ihrer neusten Ausgabe 77 Gründe zusammengetragen, warum Berlin auch im Winter liebenswert ist. Leider hat die Redaktion den Text nicht online gestellt. Also weitergrummeln…

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Foto: Wikipedia

Dicke Kreuzberger lechzen nach McDonald’s

Protest-Plakat gegen McDonald's in Kreuzberg - Foto: Anne Grieger

Wann kommt er endlich, der Kreuzberger McDonald’s? Als ich heute morgen am Görlitzer Park an diesem Plakat vorbeiradelte, traute ich meinen Augen kaum: Meinten die mit diesem Plakat wirklich Leute wie mich?

Zugegeben: Ich habe McDonald’s betreten, früher mal. Es gab Freunde, die gerne einen Milchshake tranken und wirklich nicht wie Filmschauspieler aussahen. Natürlich waren sie keine Kreuzberger, als richtiger Kreuzberger kann man nur mit Sonnenbrille getarnt in solche Burgerschuppen gehen. Oder in der Wiener Straße vegetarische Burger essen, die wirklich gut schmecken.

Für Wahlkreuzberger, die sich gegen die Eröffnung eines McDonald’s im Wrangelkiez stark machen, dürfte die Burger-Braterei mit dem gelben M wohl keine Bedrohung darstellen. Ungesunde Essgewohnheiten seien vor allem ein Problem der sozial Benachteiligten, so der Historiker und Publizist Paul Nolte. Gerade Kindern würde einiges zugemutet durch die “Dauerernährung in Schnellrestaurants”. Nolte, Mitauslöser der umstrittenen “Unterschichten-Debatte”, macht weniger große Konzerne als die Eltern selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Ernährung als Bildungsthema also.

Doch sieht man einmal ab von der Tatsache, dass bestimmte (ohnehin benachteiligte) Gruppen angesichts der Eröffnungs-Angebote der Fastfood-Kette schwach werden könnten: Wie wird sich Kreuzberg, die letzte McDonald’s freie Zone verändern? Was, wenn sich der Burger-Konzern etabliert haben sollte? Werden andere Hackbräter und Hühnerfrittierer nachziehen? Argentinische Steakhouse-Ketten neben Döner-Schuppen? Ich weiß nicht.

Komasaufen in Zahlen

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Jährlicher Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol, in Liter 2001: 10,4
Jährlicher Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol, in Liter 2005: 10,0
Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in Deutschland, in Millionen Euro 2001: 575
Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in Deutschland, in Millionen Euro 2005: 564
Werbeaufwendungen für Bier in Deutschland, in Millionen Euro 2001: 360
Werbeaufwendungen für Bier in Deutschland, in Millionen Euro 2005: 409

Zahl der Bundesbürger, die akut alkoholabhängig sind, in Millionen: 1,6
Zahl der Bundesbürger, bei denen Alkoholmissbrauch vorliegt, in Millionen: 2,66
Zahl der Jugendlichen bis 25, die stark alkoholgefährdet sind, in Tausend: 160 000
Zahl der “Mit-Betroffenen” Familienangehörigen von Alkoholikern, in Millionen: 8
Zahl der Kinder in Deutschland, deren Eltern alkoholabhängig sind, in Millionen: 2,65
Anteil der Gewaltakte, die unter Alkoholeinfluss begangen werden: 1/3
Anteil der Todesfälle bei Männern zwischen 35 und 65 Jahren, die auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind: 1/4
Bundesbürger, die jährlich in Folge schädlichen Alkoholkonsums sterben, in Tausend: 40.000
Verkürzung der Lebenserwartung für Personen mit chronischem Alkoholmissbrauch, in Jahren: 23

Risikoarme Schwellendosis bei gesunden Menschen pro Tag, in Gramm, bei Männern: 20-25
Risikoarme Schwellendosis bei gesunden Menschen pro Tag, in Gramm, bei Frauen: 10-12
Menge Bier, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Männern: 0,5-0,6
Menge Bier, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Frauen:0,25-03
Menge Wein, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Männern: 0,25-0,3
Menge Wein, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Frauen: 0,125-0,150

Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-jährige männliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2004: 127
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-jährige männliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2007: 150
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-Jährige weibliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2004: 42
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-Jährige weibliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2007: 53

Binge drinking

Anteil der Jugendlichen, die angab, im letzten Monat mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben, in Prozent, 2005: 40
Anteil der Jugendlichen, die angab, im letzten Monat mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben, in Prozent, 2007: 50

Anzahl der Gläser Tequila, die im März zum Tod eines 16-Jährigen Zehlendorfer Schülers führten: 52
Preis für einen Liter Tequila von Aldi, in Euro: 7,99
Preis für ein Glas Tequila in der Bar in Berlin-Kreuzberg, in Euro: 1-3
Taschengeld, das Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 16 Jahren 2006 laut Hamburger Abendblatt monatlich zur Verfügung hatten, in Euro: 10-30
Taschengeld, Jugendliche im Alter von 17 bis 18 Jahren 2006 laut Hamburger Abendblatt monatlich zur Verfügung hatten, in Euro: 35-50

Zahl der Medienberichte, die seit März 2007 print und online im Tagesspiegel, der Berliner Zeitung und der Berliner Morgenpost zum Thema Jugendliche und Alkoholmissbrauch erschienen sind: 75

Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Foto: MightyMin

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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