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Archiv für das 'Charlottenburg'-tag

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Leih-Cabrio: Einen Tag durch Berlin protzen

“Geilomat, die Kulisse – wenn diese Typen nicht im Weg stehen würden.. Geht weg da, Trottel!” Drei BMW-Fahrer vor dem Olympia-Stadion ärgern sich über Besucher, die ihre Kameras ausgepackt haben, und ihnen das Bild zu versauen drohen. Gleich müssen die beiden Mietwagen zurück gebracht werden und ein Schnappschuss mit den Autos vor dem schrecklichen Monumentalbau von Werner March fehlt noch. Erfolgreich haben sie bereits vor der Siegessäule posiert und auch das Schloss Charlottenburg haben sie im Kasten.

Ich habe schon Leute mit komischen Vorlieben getroffen. Die ihren Verwandten Ballon-Fahrten geschenkt haben oder einen Tag in einem Erlebnis-Park, in den ich nie freiwillig einen Fuß setzen würde. Traurig auch die Entscheidung einer Freundin, ihren 30. Geburtstag auf einer Go-Cart Bahn in Reinickendorf zu feiern. “30. Geburtstage sind immer furchtbar, warum also nicht gleich dorthin gehen, wo es richtig weh tut?”, hatte sie gesagt.

Aber von einem 24-Stunden-Gutschein für ein Cabrio habe ich bislang nicht gehört. Es handelt sich um einen teuren Spass, wie die Google-Suche ergab. Einen VW-Beetle kriegt man ab 99 Euro, richtig teuer ist ein Bentley Continental GTC (1000 Euro). Für einen BMW Z4 muss man etwa 130 Euro pro Tag berappen.

Kein Wunder, dass es die Leiher der Cabrios eilig hatten und sportlich weiterheizen mussten…

Sonntagsblues oder: Single in Berlin

“Alles kinderverseucht hier”. Katharinas Stimme schallte über den Platz, in einer Lautstärke, die die Mütter auf den Parkbänken zusammenzucken ließ. Sonntag vormittag tummelten sich auf dem Boxi tatsächlich lauter Kinder. Sorgsam Herausgeputzte, die auf Namen wie Anton und Julius hörten. Anarchisten-Kids, die hinter Hunden herjagten. Katharina war zu der Zeit single und hatte nie viel Trara darum gemacht. Keine Verlassene, die schlecht über Ex-Freunde sprach oder in Community-Portalen herumsurfte. Ihre Reaktion auf das Gewusel auf dem Boxhagener Platz irritierte mich daher.

Singles in Berlin – notorische Partygänger und Kinderhasser? In die Jahre gekommene DJs, Nachteulen, die auflegen, während alte Studienkollegen für die Privatschule ihres Nachwuchses sparen? Nahezu jeder zweite Berliner lebt allein, die meisten in Mitte, so das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Die meisten weiblichen Singles wohnen in Charlottenburg-Wilmersdorf, alleinstehende Männer in Friedrichshain-Kreuzberg.
Kein Wunder, dass das nichts werden kann.

Viele Berliner sind Insulaner, die sich in ihren Kiezen sehr wohl fühlen und vielleicht noch Freunde in zwei anderen Bezirken haben. Überschneidungen gibt es also kaum. Die Vorstellung, dass die Charlottenburger Juristin den (gleichaltrigen) Langzeitstudenten aus Kreuzberg in einen Friseursalon auf dem Ku’damm schleift, hat was – ohne Zweifel. Scheint aber mit der Weltrevolution schlecht vereinbar.

Die meisten (aktiv) Suchenden orientieren sich offenbar an ihrer eigenen persönlichen Situation. Der Blick auf den Beruf reicht vielen Mitgliedern von Internet-Kontaktbörsen aus, um aus der Fülle der potentiellen Kandidaten gleich die Hälfte auszusortieren. Kein Abitur – durchgefallen. Unter 1,80 und unsportlich – uninteressant. Partner-Vermittlungen lassen sich ihren Service entsprechend bezahlen. Da überlegt die Studentin dreimal, ob sie wirklich Mitglied wird, oder ob das Geld nicht sinnvoller in einem Zeitungs-Abo angelegt ist. Die meisten Community-Portale funktionieren ohnehin wie Kontaktbörsen: “Werde Mitglied der StudiVZ-Gruppe “Rockt Berlin” und gleich hast du drei Typen an der Angel”, oder so. Klingt nach einem Plan.

Link: Lagerfeuer des Grauens. Ein trauriges Lied über das Single-Leben in Berlin von Rainald Grebe und der Kapelle der Versöhnung.

Verloren in Berlin

Foto: Beige AlertBernadette T., Brice E. und Claire G. waren nur einige der Namen, die der Besitzer dieses Moleskine-Adressbuchs notiert hatte. Sorgfältig mit Bleistift, damit Adressänderungen schnell übernommen werden können. Daraus wird wohl nichts. Das Büchlein ist Pfutsch. Vergessen vor der Gedächtnis-Kirche in Charlottenburg.

Wem gehört es wohl? Warum hat sein Besitzer versäumt, die eigenen Kontaktdaten vorne im Buch anzugeben – für den Fall der Fälle? Ein französischer Tourist, der auf den Stufen vor der Kirche noch rasch ein paar Postkarten geschrieben hat? Schreiben Leute mit dem “legendären Moleskine-Adressbuch” überhaupt Ansichtskarten?

Außerdem hat der Besitzer des Büchleins ein Frauengesicht gezeichnet, vielleicht die Freundin aus der Erinnerung heraus. Über Berlin machte er sich einige kurze Notizen, Öffnungszeiten von Museen, einer Cocktail-Bar in Mitte.

Moleskine-Notizbücher sind in den letzten Jahren immer populärer geworden, jeder “künstlerische Mensch” oder der sich für einen solchen hält, besaß früher oder später eines dieser Bücher. Der Objektkult um das kleine Büchlein, das die italienische Firma Modo und Modo seit Ende der 90er Jahre in verschiedenen Varianten in China herstellen lässt, scheint schon etwas bizarr.

Nur weil Hemingway, Picasso und van Gogh sich für ihre Aufzeichnungen mit Notizbüchern dieses Formats eingedeckt haben – damals stellte sie noch ein französischer Papierhändler aus Tours her – wird Otto N. ja wohl kaum zum Künstler. Bestes Indiz dafür ist wohl die Diversifizierung des Produkts: Als Kalender, praktisches Adressbuch und so weiter. Auch Leute, die nie ein Notizbuch besessen haben, können teilhaben. Indem sie ein Adressbuch kaufen.

Aber zurück zu dem armen französischen Berlin-Touristen, der seine kostbaren Erinnerungen verlor: Er könnte versuchen, sich einer Gruppe der Online-Fotocommunity Flickr anzuschließen, in der Tausende Moleskine-Fans ihre verzierten Bücher ablichten. In dem angeschlossenen Forum machen sich sogar Menschen darüber Gedanken, was sie tun würden, wenn sie ein fremdes Moleskine fänden. Ein Fotograf namens Heartrush schlägt vor, etwas Persönliches hineinzuschreiben und das Buch dann wieder irgendwo rauf einer Parkbank abzulegen. Ich jedenfalls habe das Buch auf den Stufen der Kirche liegenlassen.

Foto: Beige Alert

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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