Radfahrer sind prinzipiell rücksichtslos, sie gefährden andere und vor allem sich selbst. Und sie fahren andauernd über Rot. Deshalb muss die Polizei sie schützen; durch Kontrollen. So ähnlich dürfte wohl die offizielle Begründung lauten. Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt: Bei Verkehrsunfällen, in die Radfahrer verwickelt waren, sind diese 2008 in 51 Prozent der Fälle Hauptverursacher gewesen. Grund genug also, um sie zu erziehen.
Ich bin über eine rote Ampel gefahren. An einer leeren Kreuzung in Friedrichshain, kein Auto und erst recht kein Kind in Sicht, dem ich ein schlechtes Vorbild hätte sein können. Der Streifenwagen stand hinter anderen parkenden Autos, die Beamtin, die die Zeit nach dem Rotsignal stoppte, hatte sich ebenfalls gut getarnt. 100 Euro soll der Spaß kosten, außerdem einen Punkt in Flensburg.
Es gibt etliche Ampeln in dieser Stadt, die entbehrlich sind, die geradezu danach schreien, missachtet zu werden: Weil kein anderer Verkehrsteilnehmer weit und breit zu sehen ist. Der Wille zur Einsicht ist daher begrenzt. In Paris wird man belächelt, wenn man an einer menschenleeren Kreuzung an einer roten Ampel stehen bleibt. Und der Gendarm schlendert ganz selbstverständlich über Rot. Ein bisschen mehr Gelassenheit statt preußischer Prinzipienreiterei wäre schön in Berlin.
So bleibt der Eindruck, bevormundet und ebenso unangenehm – gemolken worden zu sein. In den zehn Minuten, die der Polizist brauchte, um meine Personalien festzuhalten, sind zwei weitere Radfahrer ins Netz gegangen – weitere 200 Euro an Bußgeldern also. Auf die Stunde hoch gerechnet, macht das 1800 Euro. Kein schlechter Schnitt. Wenn dieses Geld für die Ausbesserung von Radwegen und Einrichtung von neuen Fahrradstreifen verwendet wird, wäre ich versöhnt. Anderenfalls ziemlich zerknirscht.
















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