Wir bloggen Berlin – Blog News Bezirke

Monatsarchiv für Juli 2009

Oasen in der Großstadt: Die Futter-Insel

Futterinsel

Stinkendes Öl ist zum Wegrennen; die erste Assoziation beim Anblick  dieser Frittier-Hölle im Weißenseer Weg in Lichtenberg. Tatsächlich sprintet der Mann auf dem Bild, um eine Tram zu erwischen – die Pommesbuden-Betreiber haben nüscht mit der Flucht zu tun. Wahrscheinlich sind die Anwohner insgeheim ganz froh, dass  in der Nachbarschaft Pommes Frites verkauft werden, die anders schmecken, als bei jeder x-beliebigen Fast Food-Kette. Dass der kleine Imbiss keinen hippen Namen trägt wie viele Frittenbuden in In-Kiezen, Bio-Pommes verkauft und im Erdgeschoss ihres Plattenbaus eröffnet hat. Dann würde es nämlich wirklich stinken. Teures Öl hin oder her.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Poesie gegen brennende Autos

Poesie gegen brennende Autos in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

“Willkommen im Chaotenbezirk” und “Why Not?” steht auf den Stickern. Abgebildet sind vermummte Steinewerfer und brennende Autos. Auf solche Grüße an Schildern und Türen in Friedrichshain und Kreuzberg antworten Anwohner jetzt mit einem Gedicht. “Du bist neidisch auf Wohlstand, weil Du selber Deinen Arsch nicht hochkriegst!”, heißt es an die Adresse von Brandstiftern gerichtet, die in Berlin schon mehr als 170 Autos in diesem Jahr abgefackelt haben.

Der schlimmste Vorwurf, den man einem “arm aber sexy” Berliner machen kann, steht gleich am Anfang: “Du hast keinen Stil!”

Fotos von interessanten Berliner Plakaten

Leichte Beute für die Polizei

Radfahrer sind eine leichte Beute für Polizisten. Sie scheren sich kaum um rote Ampeln, Baustellen und sind meist im Rudel unterwegs. So verwundert es kaum, dass das klamme Land Berlin verstärkt kontrolliert. An der Frankfurter Allee gingen einer Streife kürzlich hinter einer Baustelle mehrere Radfahrer gleichzeitig ins Netz – sie hatten keine Zeit, abzusteigen und ihre Räder 400 Meter weit zu schieben. Kein Wunder: Die Polizisten hatten sich morgens um kurz vor neun hinter der noch neuen Baustelle positioniert.

Auch hinter einer ziemlich nutzlosen roten Ampel an einer kleinen Querstraße zu Unter den Linden kassieren Streifenpolizisten nicht schlecht. Wenn sie  fünf sechs Radler gleichzeitig heraus winken und das mehrmals pro Stunde, kommt einiges zusammen: War die Ampel länger als eine Sekunde rot, bedeutet dies 100 Euro Bußgeld. Hat jemand keine Klingel oder nicht funktionierende Bremsen, kommen jeweils zehn Euro hinzu. Geld, das sich Radfahrer eigentlich sparen könnten; denn in den Ausbau von Fahrradstreifen dürften diese Bußgelder wohl kaum fließen…

Bußgeldkatalog für Radfahrer

Jeder umschlossene Raum ist eine Wohnung

Wagenburg am Mariannenplatz in Kreuzberg - Foto: Henning Onken

… also im Grunde sogar ein Pappkarton, falls ein Mensch darin schlafen kann und nicht jeden Tag woanders übernachtet. So ungefähr definiert der Senat Behausungen, die nicht im Mietspiegel auftauchen – und davon gibt es in Berlin eine Menge. Zum Beispiel Wagenburgen: Zwölf Siedlungen mit mehr als 300 gemeldeten Einwohnern zählen die Behörden in einer Antwort auf die Anfrage eines FDP-Abgeordneten auf – sie haben bislang allem Gentrifizierungsdruck widerstanden.

Grund über die Bewohner zu klagen gibt es nicht. Dennoch sehen die Behörden in den Lastern und selbst ausgebauten Wagen eine “negative Vorbildfunktion”, die nicht in die Landschaft passe und warnt vor der Gefahr von Splittersiedlungen. Böse Zungen würden auch von Slums sprechen. Im Ergebnis läuft diese Haltung für die Bewohner zumeist auf  eine Duldung heraus, die endet, wenn auf dem Gelände gebaut werden soll. Das Bauplanungsrecht kennt diese Wohnform nicht und kann nur Chaos darin entdecken, jedes Townhouse-Projekt dürfte Stadtplanern besser passen.

In den vergangenen Jahren mussten viele Wagenburgen weichen, ihre Bewohner in andere Ecken der Stadt ziehen. Aktuell ist der “Schwarze Kanal” an der Michaelkirchstraße räumungsbedroht. Den Stadtplanern ist allerdings eines entgangen: Nicht alle dieser Projekte sind nur für die Bewohner da. Die Leute von der Lohmühle in Treptow freuen sich durchaus über Besuch zu Ausstellungen, Partys und Filmabenden. Andere Wagenburgen bieten Fahrrad-Selbsthilfe und Volksküchen. Die Bewohner an der Neuköllner Oderstraße nennen ihren Platz “ein Dorf, offen für jedermann”.

Karte der zwölf Berliner Wagenburgen


Berliner Wagenburgen auf einer größeren Karte anzeigen

Ziegen auf die alte Landebahn

Schafe nach Tempelhof - Foto: Anne Onken

Tempelhof den Ziegen – ja, das hat was.  Anwohner könnten gegen eine kleine monatliche Gebühr ein Viech pachten, hätten täglich frische Milch. An besonderen Tagen würde das Gelände für Schul- uns Kindergartenkinder geöffnet; als riesiger Streichelzoo.

P.S. Das Plakat hängt übrigens an einem Eingang zur Hasenheide in Neukölln – einem Park, den viele Berliner leider aus den Augen verloren haben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Krieg? Es rummst im ganzen Stadtgebiet

Sie nennen es “Feuerwerkskunst der Superlative” aber für viele Berliner ist das, was seit gestern auf dem Tempelhofer Flughafengelände stattfindet, ein Mordsgetöse. Wahrscheinlich hat es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr so laut gekracht wie in den drei Tagen der Pyromusikale. Während Pyromanen unter der Begleitung der Berliner Philharmoniker (!) Sprengsätze in den Nachthimmel ballern, klirren in Neukölln die Scheiben. Ein Bekannte hörte ihre Nachbarn schreien und macht sich nun Sorgen um im Bosnienkrieg traumatisierte Anwohner. Selbst in Lichtenberg ist das Spektakel noch zu hören.

Die Berichterstattung über dieses Event klingt dagegen fast euphorisch: “35.000 Besucher zeigen sich begeistert”, heißt es bei der Nachrichtenagentur dpa. Erstaunlich, dass ihnen nicht die Trommelfelle platzen. Immerhin ging am ersten Abend auch etwas schief: “Be Berlin”, der Mantra der Hauptstadtkampagne blieb dunkel. Der Trick aus 20.000 bengalischen Feuern scheiterte angeblich, weil Füchse die Zündkabel angefressen hatten. Guten Appetit!

Dass Berliner für solche Events Eintritt zahlen, ist allerdings verständlich. Denn zugegben: Ein Feuerwerk sieht gut aus. Immer.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

Zufallsfotos

Kostenlos abonnieren

Unser RSS-Feed enthält alle neuen Artikel. Ihr könnt sie auch bequem als E-Mail abonnieren
www.fensterzumhof.eu gibt es jetzt auch in einer Smartphone-Version

Anzeige

Berliner Streetart

Berlin bei Nacht

Berliner Plakate

Fassaden der Hauptstadt

Berliner Hinterhöfe

Andere Blogs


Wenn Sie auf dieser Seite verbleiben, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Anzeigen zu personalisieren. Informationen zu Ihrer Nutzung dieser Webseite werden an Werbepartner weitergegeben. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie dieser Verwendung von Cookies zu.

Schließen

Seite 1 von 212