
… also im Grunde sogar ein Pappkarton, falls ein Mensch darin schlafen kann und nicht jeden Tag woanders übernachtet. So ungefähr definiert der Senat Behausungen, die nicht im Mietspiegel auftauchen – und davon gibt es in Berlin eine Menge. Zum Beispiel Wagenburgen: Zwölf Siedlungen mit mehr als 300 gemeldeten Einwohnern zählen die Behörden in einer Antwort auf die Anfrage eines FDP-Abgeordneten auf – sie haben bislang allem Gentrifizierungsdruck widerstanden.
Grund über die Bewohner zu klagen gibt es nicht. Dennoch sehen die Behörden in den Lastern und selbst ausgebauten Wagen eine “negative Vorbildfunktion”, die nicht in die Landschaft passe und warnt vor der Gefahr von Splittersiedlungen. Böse Zungen würden auch von Slums sprechen. Im Ergebnis läuft diese Haltung für die Bewohner zumeist auf eine Duldung heraus, die endet, wenn auf dem Gelände gebaut werden soll. Das Bauplanungsrecht kennt diese Wohnform nicht und kann nur Chaos darin entdecken, jedes Townhouse-Projekt dürfte Stadtplanern besser passen.
In den vergangenen Jahren mussten viele Wagenburgen weichen, ihre Bewohner in andere Ecken der Stadt ziehen. Aktuell ist der “Schwarze Kanal” an der Michaelkirchstraße räumungsbedroht. Den Stadtplanern ist allerdings eines entgangen: Nicht alle dieser Projekte sind nur für die Bewohner da. Die Leute von der Lohmühle in Treptow freuen sich durchaus über Besuch zu Ausstellungen, Partys und Filmabenden. Andere Wagenburgen bieten Fahrrad-Selbsthilfe und Volksküchen. Die Bewohner an der Neuköllner Oderstraße nennen ihren Platz “ein Dorf, offen für jedermann”.
Karte der zwölf Berliner Wagenburgen
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