Ihre Stimme klang beschwingt, fast schrill. “Du, ich hab den Job, morgen wird gefeiert”. Endlich eine Festanstellung für Simone, nach mindestens vier Honorartätigkeiten, elf Vorstellungsgesprächen und jeder Menge nerviger Fragen von Großeltern, Tanten und Freunden.
Der “Job” würde mehr sein, als ein Job – eine erste Stelle mit einem eigenen Aufgabengebiet, Verantwortlichkeiten und vor allem: einer Visitenkarte. Jedes Mal wenn Freunden der Berufseinstieg gelingt, hält man früher oder später eine Visitenkarte in den Händen. Landtagsfraktion der SPD in Niedersachsen, Belgische Botschaft, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, FU Berlin – die Liste meiner Visitenkarten ließe sich beliebig verlängern.
War Berlin gestern noch eine beschissene Großstadt mit inakzeptablen Arbeitsbedingungen, hat heute doch jeder früher oder später Perspektiven – vorausgesetzt er will und strahlt das auch aus. Die Absolventen-Befragung der Uni, die gestern noch ins Altpapier gewandert ist, wird wieder hervorgekramt und bereitwillig ausgefüllt.
Für Gäste, die noch immer den “Alles-nicht-so-einfach-Film” fahren, hat die Simone dann auch wenig Verständnis. “Könnt ihr nicht einmal einfach nur die Musik und das Essen genießen?” Das “und euch mit mir freuen” verkneift sie sich. Auf die Befristung ihrer Stelle auf ein Jahr angesprochen, grinst sie nur müde: “Ich habe immerhin sechs Monate Ruhe, bis ich etwas Neues suchen muss und einen Fuß in der Tür. Ist das nichts?” Man muss sich die Gastgeberin als einen glücklichen Menschen vorstellen.














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